Dr. Tobias Panne: Corona wurde vorausgesehen

Dr. Tobias Panne ist Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Strategieplanung, Risikomanagement und Prozessoptimierung. RNO-Consulting entwickelt für ihre Kunden dynamische Strategien, zielsicheres Risiko- und Chancenmanagement und agile Prozesse. Im Interview spricht Dr. Panne über die Auswirkungen der Pandemie auf seine Kunden und die Beratungsbranche.

Dr. Tobias Panne

 „Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Dr. Tobias Panne: Corona wurde vorausgesehen: Bereits 2012 hat das Robert Koch-Institut eine Pandemie durch ein Corona-Virus beschrieben. Mit Blick auf die Leitlinien der ISO 31000 unterscheide ich jedoch zwischen Risiken und Krisen. Unter Risiken verstehe ich dabei die Auswirkungen der normalen Unsicherheit auf die Ziele des Unternehmens. Zumindest Kapitalgesellschaften sind sogar gesetzlich verpflichtet, diese Risiken zu erfassen und zu steuern. Krisen hingegen werden von Extremereignissen ausgelöst, deren Eintreten zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich ist. Gegen solche, durch Extremereignisse wie die aktuelle Corona-Pandemie ausgelöste Krisen sollten Unternehmen schon in guten Zeiten wirksame Schutzkonzepte entwickeln, um weiter funktionieren zu können. Bei RNO-Consulting entwickeln wir solche Krisenkonzepte nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns selbst – und in den vergangenen Monaten haben sich diese als sehr wirksam erwiesen.

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Dr. Tobias Panne: Wir hatten das Glück, dass ein großes Mandat Ende März trotz des Lockdowns verlängert wurde und wir so unsere Auslastung weiterhin hochhalten konnten. Viele andere Unternehmen haben jedoch selbst laufende Beratungsmandate gestoppt bzw. geplante Projekte wieder gestrichen, so dass die Marktlage auch in der Beratung angespannt war. Die Krise hat aber auch dazu geführt, dass vielen Unternehmen ihre Probleme schmerzhaft vor Augen geführt wurden. In der Folge ist der Bedarf an Beratungsunterstützung seit etwa Mitte des Jahres wieder deutlich gestiegen – insbesondere in den Bereichen Risikomanagement und Prozessoptimierung.

Krisen- und Risikomanagement wird in Unternehmen oft nachrangig behandelt. Welche internen und externen Risikofaktoren haben Sie für Ihr Unternehmen besonders im Blick?

Dr. Tobias Panne: Der Kern einer Unternehmensberatung ist es, Probleme des Kunden zu lösen. Daher liegt der Fokus von RNO-Consulting auf solchen Risikofaktoren, die unsere Fähigkeit beeinflussen, die Fragestellungen unserer Klienten effektiv und effizient zu bearbeiten. Dazu beobachten wir kontinuierlich, wie sich die Beratungsbedürfnisse unserer Kunden verändern und welche Entwicklungen sich auf dem Markt abzeichnen. Corona hat bei vielen Unternehmen Schwächen im Risikomanagement und in der Anpassungsfähigkeit aufgedeckt, so dass der Bedarf an externer Unterstützung hier aktuell steigt. Parallel betrachten wir unser eigenes Know-how, sowohl in Hinblick auf personelle Ressourcen als auch auf fachliche und methodische Fertigkeiten. Hier setzen wir auf vorausschauende Weiterbildung, um intern wichtige Kompetenzen aufzubauen, und auf die Pflege eines weiten Netzwerks, um über externe Partner auch Fragestellungen abdecken zu können, die nicht in unseren Kernthemen liegen. Ein dritter Bereich, den wir im Rahmen des internen Risikomanagements stets im Blick haben, ist die Liquidität. Gerade Corona hat gezeigt, dass ausreichende finanzielle Mittel in Krisenphasen unabdingbar sind, um als Unternehmen auch ohne staatliche Unterstützung zu überleben.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Dr. Tobias Panne: Wir verstehen uns als Partner unserer Kunden, der ihnen auch außerhalb von Beratungsmandaten wichtige Tipps und Hilfestellungen zu Risikomanagement, Prozessoptimierung und Strategieentwicklung gibt. Diesen Anspruch haben wir vor Corona eher stiefmütterlich behandelt. Während des Lockdowns haben wir jedoch erkannt, wie wichtig konkrete Unterstützung für die Unternehmen gerade in einer Krise ist und haben angefangen, unsere Aktivitäten in diesem Bereich deutlich auszubauen – sowohl inhaltlich als auch personell.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Dr. Tobias Panne: Mit unseren Kunden arbeiten auch wir seit Ende März vom Homeoffice aus. Bei vielen Themen funktioniert das sehr gut. Wo jedoch eine häufige und enge Abstimmung mit dem Kunden notwendig ist, leidet die Effizienz. Das liegt zum einen daran, dass selbst eine technisch einwandfreie Videokonferenz viele Informationen (Körpersprache, Stimmung, etc.) nicht vollständig überträgt. Zum anderen ist die Konzentrationsspanne in einem Videocall in der Regel deutlich kürzer als in einem persönlichen Gespräch oder Meeting vor Ort.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Dr. Tobias Panne: Meine persönliche Erkenntnis während der Corona-Krise ist, dass das Arbeiten im Homeoffice auf Dauer für viele zu einer Belastung wurde. Sowohl intern als auch extern bei unseren Kunden beobachte ich immer wieder, dass Mitarbeiter zum Teil deutlich mehr arbeiten und vielen eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend schwerer fällt. Da wir von RNO-Consulting meist vor Ort beim Kunden tätig sind, haben wir in der Vergangenheit auf eigene Büroräume verzichtet, so dass Homeoffice für uns bereits vor Corona die Normalität war. Als Reaktion auf die beschriebenen Beobachtungen sind wir jedoch aktuell dabei, Büroflächen anzumieten, um eine Alternative zum Homeoffice anbieten zu können, jedoch ohne dabei eine Büropflicht einzuführen.

Welche Ratschläge möchten Sie gerade Startups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Dr. Tobias Panne: Risiko- und Krisenmanagement sind wichtige Bestandteile jedes Unternehmens. Auch wenn gerade in der Gründungsphase Zeit das wahrscheinlich knappste Gut ist, das Sie haben: Nehmen Sie sich ein paar ruhige Momente und überlegen Sie, welche Faktoren für Ihr Business erfolgsentscheidend sind – und welche internen oder externen Ereignisse diese Erfolgsfaktoren kritisch beeinflussen können. Nutzen Sie dabei, wenn möglich, auch den Blick eines externen Beobachters, beispielsweise eines Mentors oder Beraters. Das Ergebnis dieser initialen Analyse liefert Ihnen wertvolle Hinweise, welche Risiken Sie bei Ihren weiteren Planungen berücksichtigen müssen.

Herr Dr. Panne, vielen Dank für das Gespräch.

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