Skandale um Wirecard oder P&R führen zu einem Vertrauensverlust – Karsten Müller

Karsten Müller ist Certified Asset Manager bei DAS WERTEHAUS Vermögensverwaltung GmbH. Im Interview spricht er über Nachwuchsmangel und professionellen Vermögensaufbau.

Karsten Müller

Vermögensverwaltung ist nur was für Superreiche, oder doch nicht? Wie hoch ist üblicherweise das von Ihnen verwaltete Vermögen?

Karsten Müller: Gemäß einer Studie der Credit Swiss aus dem Jahre 2019 gab es 2018 in Deutschland 6.800 sogenannte UHNWI´s (Ultra High Net Worth Individuals); das sind Menschen, die über ein Gesamtvermögen von mehr als 50 Millionen US-Dollar verfügen. Allein 2,19 Millionen Deutsche besaßen demnach eine Millionen US-Dollar. Berücksichtigen muss man allerdings, dass dieses Vermögen zu ca. 58% aus Immobilien bestand. Diese Studie zeigt, dass es durchaus eine beachtliche Zahl vermögender Deutscher gibt.

Wir, DAS WERTEHAUS Vermögensverwaltung GmbH, sind der Meinung, dass sich eine Vermögensverwaltung aus Gründen einer Risikodiversifikation ab einem Betrag von 250.000 Euro sinnvoll strukturieren lässt, wenn in Einzeltitel investiert werden soll. Werden die Investitionen mit ETFs oder aktiven Fonds umgesetzt, so kann dies bei uns bereits ab einem Betrag von 100.000 Euro erfolgen.

Was sind Ihre favorisierten Assetklassen?

Karsten Müller: Wir favorisieren derzeit ganz klar die Aktie. Dies hängt vor allem mit dem aktuell sehr niedrigen bis negativem Zinsniveau weltweit zusammen. Allerdings ist auch bei der Aktienanlage aktuell Vorsicht geboten, da die Bewertungsniveaus sehr hoch sind und die Börsen die mögliche wirtschaftliche Erholung nach dem Corona Crash bereits sehr stark in den Kursen eingepreist haben. Als Regionen bevorzugen wir Asien und Europa.

Wie schätzen Sie Deutschland als Investitionsstandort ein?

Karsten Müller: Die politische und wirtschaftliche Stabilität spricht wie schon seit Jahrzehnten für Investitionen in Deutschland, was auch das neue Tesla Werk als prominentes Beispiel widerspiegelt. Allerdings muss Deutschland was Investitionsanreize und Steuerpolitik angeht aufpassen, im internationalen Wettbewerb nicht zu stark zurückzufallen. Ändern sollte sich die deutsche Einstellung in der Finanzierung und Begleitung von Venture Capital Investitionen (Startups), die leider dazu führt, dass viele innovative Unternehmen, unter anderem aus dem Bereich Biotechnologie in den angelsächsischen Bereich gehen und hier vor allem in die USA.

Das Meridian-Einkommen in Deutschland liegt knapp über 2.500 Euro brutto. Welche finanzielle Empfehlung können Sie dieser Gruppe aussprechen?

Karsten Müller: Für diese Einkommensgruppe ist der Vermögensaufbau sehr schwierig, vor allem in Regionen, in denen die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind. Dennoch sollte auch dieser Bereich darauf achten, Rücklagen für das Alter zu bilden. Die zu erwartende Rente wird eher niedrig ausfallen und sollte nicht rechtzeitig mit der privaten Vorsorge begonnen worden sein, kann es leicht zu Altersarmut führen. Als Medium für den Vermögensaufbau können Aktienfonds oder sogenannte Multi Asset Fonds im Rahmen von Ansparplänen, die mit kleinen Beträgen von 25 oder 50 Euro realisierbar sind, in Betracht gezogen werden.

Worin sehen Sie die Herausforderungen in den kommenden Jahren für Ihre Branche?

Karsten Müller: Zum einen ist hier das Thema Nachwuchs zu nennen. Die Branche sucht dringend junge, motivierte und unternehmerisch denkende Persönlichkeiten. Zum anderen treibt die staatliche Regulierung durch z.B. Mifid II die Kosten und den Verwaltungsaufwand  für die unabhängigen Vermögensverwalter, aber auch die Banken, in die Höhe. Viele Banken stellen daher das Wertpapiergeschäft ganz ein, die Anzahl der Vermögensverwalter ist in den letzten Jahren deutlich rückläufig. 

Was müsste sich ändern, dass die Branche ein starkes Wachstum erfährt?

Karsten Müller: Bereits in der Schule sollten junge Menschen über das Thema Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch deren Chancen und Risiken, aufgeklärt werden. Das Thema Vermögen und Vermögensanlage wird in unserer Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Gründen, unter anderem Diskretion, Neid, etc., nicht offen behandelt. Hier muss sich etwas ändern.

Wir in Deutschland haben ein hohes Maß an Sicherheitsbedürfnis. Die Skandale um Wirecard oder P&R sind derzeit nicht hilfreich und führen zu einem Vertrauensverlust in das Wirtschaftssystem und die Unternehmen; dieses Vertrauen muss wiederhergestellt werden. Der Anleger in Deutschland nimmt lieber eine niedrige, keine oder wie zur Zeit sogar eine negative Rendite in Kauf, als das Wagnis einer Aktie einzugehen. Die historischen Renditen einer Aktienanlage haben auf lange Zeit die festverzinslichen Wertpapiere deutlich übertroffen, allerdings mit großen zwischenzeitlichen Schwankungen. Kontraproduktiv ist in diesem Zusammenhang die Aussage unseres Finanzministers Scholz, sein Vermögen auf Sparbüchern zu haben. Daneben benötigt die Branche gut ausgebildete, motivierte Nachwuchskräfte.   

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

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