Swap-basierten ETFs droht latent die Gefahr des Ausfalls – Eric Wiese (NFS)

Eric Wiese ist Geschäftsführer der NFS Hamburger Vermögen GmbH spricht er über die Risiken von swap-basierten ETFs und die Attraktivität des MSCI500.

ETF gelten als einfaches und kostengünstiges Vehikel, um Aktien zu erwerben. Wie genau funktionieren diese Produkte?

Eric Wiese: ETF („Exchange Traded Funds“) sind Investmentfonds, die täglich laufend an der Börse gehandelt werden. Sie bilden einen Index ab, der aus verschiedenen Wertpapieren (Aktien, Anleihen) zusammengesetzt sein kann, wie z.B. der deutsche DAX oder der REX.

ETF werden passiv gemanagt. Welche Vorteile ergeben sich für Investoren?

Eric Wiese

Eric Wiese: Üblicherweise wählt bei Investmentfonds ein Fondsmanagement nach bestimmten Kriterien die Zielinvestments aus („aktives Management“). Bei ETFs ist das anders: Eine Fondsgesellschaft bildet einfach einen Index nach. Ändert sich der Index, wird auch der Fonds angepasst („passives Management“). Dadurch ergeben sich erhebliche Kostenvorteile. Liegt die Gesamtkostenquote bei aktiven Fonds in der Regel bei 2% bis 3%, ist kaum ein ETF teurer als 0,5%.

Welche Arten von ETF gibt es bzw. worin unterscheiden sich die Produkte?

Eric Wiese: Wichtig ist die Unterscheidung, ob ein ETF tatsächlich die im Index enthaltenen Wertpapiere kauft („physisch replizierend“) oder ob der Index wiederum über ein Finanzinstrument abgebildet wird („swap-basiert“). Obwohl bisher nie ein ETF der einen oder anderen Art ausgefallen ist, gilt ein physisch replizierender im Allgemeinen als sicherer.

Worin Investieren Menschen derzeit mehr, in Aktien- oder Renten ETF?

Eric Wiese: Da mit Anleihen aufgrund der nicht vorhandenen Zinsen auch kaum noch Geld zu verdienen ist, liegt der Fokus ganz klar auf den Aktien und dort auf dem Klassiker „MSCI World Index“.

Skeptiker sprechen von Gefahren, im Zusammenhang mit ETFs. Sehen Sie ebenfalls Risiken in der Assetklasse? Welche?

Eric Wiese: Bei den erwähnten, swap-basierten ETFs droht latent die Gefahr des Ausfalls des Emittenten dieses Finanzproduktes. Prominentes Beispiel ist die Lehman Pleite 2008. Unter heutigen Gegebenheiten halte ich dieses Risiko für gering. Ein weiteres Risiko ist, dass sehr große ETF-Anbieter mit großen Anlagesummen in bestimmten Indices den Markt oder einzelne Aktienkurse beeinflussen können. Dieses Risiko ist sehr schwer einzuschätzen.

Studien besagen, dass Fondsmanager den Markt auch nicht schlagen. Gibt es trotzdem Vorteile, die für aktive gemanagte Fonds sprechen?

Eric Wiese: Es ist nach wie vor so, dass 10% bis 20% der aktiven Fondsmanager ihren Vergleichsindex schlagen, auch nach Kosten, also ihr Geld wert sind. Diese Manager gilt es zu finden. Je spezieller das Thema oder der Markt wird, umso schwerer wird es, einen geeigneten Index zu finden, oft gibt es (noch) keinen.

Herr Wiese, vielen Dank für das Gespräch.

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