Friedhelm A. Schmitt: „Durch Technologie demokratisieren wir den Beratungsprozess“

Wir sprechen mit Friedhelm A. Schmitt, Managing Director der Fincite GmbH über die Entwicklungen in der Fintech-Szene.

Friedhelm A. Schmitt

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Friedhelm Schmitt: Wir müssen hier zwischen B2C Fintechs, die sich direkt an den Endkunden richten, und B2B Fintechs, die sich an Unternehmenskunden richten, unterscheiden. B2C Fintechs machen mit ihren hohen Wachstumsraten etablierten Unternehmen vermehrt die Kunden streitig, z.B. Neobanken oder richten sich an Kunden, die in der Vergangenheit systematisch vernachlässigt wurden wie z.B. Kredit Fintechs.

Für B2B Fintechs, zu denen auch Fincite zählt, spielt der Marktanteil oft gar nicht die zentrale Rolle da die angebotenen Technologien in manchen Fällen, Lösungen bei Banken oder Versicherungen überhaupt erst ermöglichen. Je mehr B2B Fintechs zudem in die Kernsysteme, also z.B. Core-Banking-, Portfolio Management-, oder Anlageberatung-Systeme, der Finanz- und Versicherungsbranche vordringen oder diese ergänzen, desto schneller sind sie auch gleichzeitig Teil der kritischen Infrastruktur der Finanzindustrie.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Friedhelm Schmitt: Unsere Mission ist Investmentprozesse im Finanzbereich in ein neues, digital vernetztes Zeitalter zu bringen. Mit unserer Software Fincite.CIOS können Banken das gesamte Vermögen ihrer Kunden aggregieren, analysieren und optimieren und somit dem Kunden eine bessere Beratung anbieten – von hybrid bis voll digital. Diese Leistung wird bisher oft nur sehr vermögenden Kunden angeboten. Unsere Software optimiert diese Prozesse jedoch so, dass Anlageberatung wieder erschwinglich und nutzenstiftend wird. Durch Technologie demokratisieren wir den Beratungsprozess damit zukünftig jeder Kunde eine individuelle und hochqualitative Vermögens- und Anlageberatung erhalten kann.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Friedhelm Schmitt: Zukunftsfähigkeit in der IT Landschaft wird für Finanzunternehmen zum Differenzierungsfaktor und maßgeblichen Wettbewerbsvorteil. Zukunftsfähige IT wird darüber entscheiden ob hinreichend Konnektivität möglich ist, um den Kunden und seine Vermögenswerte vollumfänglich verstehen und beraten zu können. Moderne Architektur entscheidet über die Time-to-Market; also darüber ob neue Applikationen und Features in Tagen und nicht wie oftmals bisher üblich, in Jahren ausgerollt werden. Die Modularität der Software Landschaft bestimmt darüber ob Anpassungen im überschaubarem Preisrahmen (z.B. bei regulatorischen Änderungen) zukünftig möglich sind. Als Enterprise-grade Software as a Service (SaaS) ist CIOS eine hoch modulare Software, die sich an die vorhandenen Systeme unserer Kunden andockt, zu 100 % parametrisier- und individualisierbar ist und keine komplexe Implementierung erfordert.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Friedhelm Schmitt: So heterogen wie der Markt sind auch die Markteintrittsstrategien. Als Fincite haben wir von Anfang an auf Kooperation mit etablierten Unternehmen gesetzt und sind sehr gut damit gefahren. Um unseren Kunden ein verlässlicher Partner zu sein, werden wir auch zukünftig an dieser Strategie festhalten.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

Friedhelm Schmitt: In unserem Marktsegment sehen wir uns als Innovationsführer weshalb es auch in unserem Interesse ist den Innovationsdruck hoch zu halten. Innovation ist jedoch kein Selbstzweck, sondern muss immer dem Kundeninteresse dienlich sein. Unser Startpunkt ist dabei immer der Endkunde, also der Anleger bzw. der Berater, der im Sinne des Endkunden handelt. Hier schafft Innovation wirkliche Zeit- und Kostenersparnis und führt zu hochqualitativen Investmentlösungen die bislang nur sehr wenigen, sehr vermögenden Investoren zugänglich war. Innovation muss aber auch immer dem Finanzinstitut dienlich sein also zu mehr Umsatz, weniger Kosten oder bspw. einer besseren Compliance und regulatorischen Rechtssicherheit in den Investmentprozessen führen. Wir werden in der Zukunft noch deutlich schnellere Innovationszyklen im Investmentbereich sehen. Aktuell lassen die alten Kernsysteme der Finanzunternehmen immer noch eine recht langsame Innovationsgeschwindigkeit zu.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Friedhelm Schmitt: Wir entwickeln in zwei Zeithorizonten. Kurz- bis mittelfristig sehen wir z.B. den gesellschaftlichen Bedarf nach nachhaltigen und ökologischen Lösungen natürlich auch im Anlagebereich. Lebensentscheidung, zu denen auch die Geldanlage gehört, werden immer bewusster nach ESG-Kriterien und persönlichen Präferenzen getroffen, weshalb wir unseren Kunden hier zahlreiche Lösungen anbieten. Mittel- bis langfristig werden wir Kunden datenbasiert in ihren Anlagepräferenzen so verstehen können, dass wir bestimmte Anlageprozesse automatisieren und gleichzeitig sicherstellen, dass sie zum Kunden passen und nützlich sind. Perspektivisch könnte somit die Rentenlücke, also eine finanzielle Unterversorgung im Alter, abgeschafft werden indem Bankkunden automatisch (aber für sie oder ihn unmerklich) Geld über den Lebenszyklus hinweg anlegen und anschließend im Alter davon profitieren.

Herr Schmitt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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