Fintechs: Effizienz und transparente Angebotsvielfalt – Jan H. Pahl (Hypoport)

Wir sprechen mit Jan H. Pahl, Investor Relations Manager der Hypoport SE über digitale Beratungsmodelle. Die Hypoport SE, ist Muttergesellschaft eines Netzwerks von Technologieunternehmen für die Finanz-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft. Das Unternehmen ist an der Deutschen Börse im Prime Standard gelistet und seit 2015 im SDAX vertreten.

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Foto Jan H. Pahl

Jan Pahl: Die Aussage, dass die Fintech-Szene angetreten ist, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen, ist weit verbreitet, trifft aus meiner Sicht aber nicht auf alle Geschäftsmodelle im Bereich Fintech und InsurTech zu. Im Grunde kann man hinsichtlich ihres Verhaltens gegenüber den etablierten Marktteilnehmern zwei Arten von Fintechs bzw. InsurTechs unterscheiden:

Die erste Sorte übernimmt durch technologisch/digital fortgeschrittene Produkte und Dienstleistungen Marktanteile von etablierten Anbietern. B2C FinTechs/InsurTechs fallen meist in diese Gruppe. Ein Beispiel ist ein direkt vom Endkunden genutztes Angebot eines B2C Robo Advisors, wodurch der klassische Bankvertrieb Marktanteile verliert.     

Die zweite Sorte von Fintechs bzw. InsurTechs verbessert durch ihre Technologie die Prozesse von klassischen Marktteilnehmern wie beispielsweise Banken, Versicherungen und freien Finanzvertrieben. Sie weißt also typischerweise ein B2B Geschäftsmodell auf. Durch die Effizienzsteigerung oder erweiterte Produktpalette und den hieraus resultierenden Wettbewerbsvorteilen gewinnen diese klassischen Anbieter hierbei sogar Marktanteile. Hypoport weist ein solches Geschäftsmodell auf und wäre somit hierfür beispielhaft zu nennen.      

Was ist Ihr Kerngeschäft, welches sind die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens? Und welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu etablierten Wettbewerbern?

Jan Pahl: Anders als B2C Fintechs / InsurTechs, die klassischen Marktteilnehmern wie Banken, Versicherungen und freien Vertrieben Marktanteile abjagen, bieten wir den Nutzern unserer B2B Plattformen Europace und Smart Insur wichtige Technologie für die Baufinanzierung und das Versicherungsgeschäft. Hierdurch lassen sich für Banken, Versicherungen und freie Vertriebe die Vertriebsprozesse effizienter gestalten und zusätzlich die eigene Produktpalette erweitern. Effizienz und transparente Angebotsvielfalt kennt der Endkunde im 21. Jahrhundert aus fast allen Bereichen seines Alltags. Insbesondere die junge Generation von Endkunden, welche das erste Mal eine Baufinanzierung abschließt, hat hier natürlich eine hohe Erwartungshaltung. Wir ermöglichen den Marktteilnehmern eher konservativer Industrien (Bank, Versicherung) diesen Bedürfnissen auf Augenhöhe zu begegnen und sich über unsere Technologie Wettbewerbsvorteile gegenüber Marktteilnehmern zu sichern, die noch nicht auf unseren Plattformen vertreten sind. Wettbewerber in einer klassischen Definition sehen wir dabei nicht. Typischerweise wird durch unsere Plattform die etablierte und oft nicht mehr zeitgemäße Inhouse-Technologie unserer Partner ergänzt oder teilweise ersetzt.  

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Jan Pahl: Wir haben uns für den zweiten Ansatz entschieden und ermöglichen unseren Partnern durch unsere B2B Plattformen Marktanteilsgewinne. Diesen Ansatz halten wir für langfristig zielführender. Der erste Ansatz, also ein B2C Fintech / Insurtech, welches den Markt von etablierten Banken und Versicherungen übernehmen will, benötigt einen klassischen First Mover Advantage und eine Struktur der Anteilseigner, welche die Strategie der Unternehmensführung auch in Durststrecken bzw. Gegenwind im Zuge des Markteintritts neuer Wettbewerber geschlossen mitträgt. Nicht jeder Anteilseigner verfolgt in solchen Phasen die gleichen Interessen. Aus unserer Sicht ist der Druck durch Wettbewerber oder Venture Capital-Geber kurzfristig weitere Marktanteile zu gewinnen mitunter zu hoch, um sich auf die Weiterentwicklung eines langfristig erfolgreichen Produktes zu konzentrieren. Daher hat sich Hypoport auch in seinen Anfangsjahren vor der Börsennotierung nie klassisches Venture Capital besorgt, sondern seine Plattformen aus Eigenmitteln und klassischen Bankdarlehen aufgebaut.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Jan Pahl: Nach der Etablierung von Europace in der Baufinanzierung, haben wir in 2017 unsere Versicherungsplattform Smart Insur gestartet. 2018 kamen neue Technologien für Immobilienmakler und Immobilienbewertung hinzu. Seit 2019/2020 bauen wir eine Corporate Finance Plattform auf. Jede einzelne dieser neuen Technologien und einzelnen Geschäftsmodellen besitzt ein hohes Wachstumspotenzial. Darüber hinaus existieren hohe Synergien bzw. Synergiepotenziale zwischen den Geschäftsmodellen für weitere Skalierung innerhalb unseres Netzwerkes aus Technologieunternehmen. Auf diese beiden Stoßrichtungen konzentrieren wir uns in den nächsten Monaten.      

Herr Pahl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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