Fintechs sind fester Bestandteil des Finanzsektors – Antti-Jussi Suominen (Holvi)

Wir sprechen mit Antti-Jussi Suominen, CEO der Holvi Payment Services Oy über die Fintech-Szene und digitalem Banking-Service.

Antti-Jussi Suominen

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Antti-Jussi Suominen: Fintechs sind inzwischen zum festen Bestandteil des Finanzsektors geworden. Das zeigt sich daran, dass Start-ups und klassische Finanzdienstleister auch dieses Jahr wieder neue Kooperationen eingegangen sind. Die Themen Banking und Payment sind, nicht zuletzt wegen der Folgen der Corona-Pandemie, mehr und mehr ins Internet gewandert. Digitale Bezahldienste treiben diese Entwicklung maßgeblich voran.

Im Geschäftskundensegment sehen wir, wie Fintechs die Finanzdienstleistungsbranche verändern. Mit ihren Innovationen haben sie in nur wenigen Jahren die Art und Weise revolutioniert, wie große und kleine Unternehmen ihre Finanzen verwalten, Rechnungen bezahlen und Geld leihen.

Auch in anderen Sektoren ist Finanztechnologie mittlerweile fest verankert. Der Trend zu eingebetteten Fintech-Anwendungen oder der Integration von Finanzprodukten durch nichtfinanzielle Unternehmen in ihre Serviceangebote hat stark an Bedeutung gewonnen.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Antti-Jussi Suominen: Selbstständige halten viele Bälle gleichzeitig in der Luft. Das ist aufregend, kann aber auch von den wichtigen Dingen ablenken. Manchmal fehlt nur ein einziges Teil, das alles zusammenhält und die Dinge im Gleichgewicht hält. Holvi ist dieses fehlende Teil, die digitale Lösung, die Ordnung ins Chaos bringt, die Unwägbarkeiten der Selbstständigkeit minimiert und das Schwierige einfach macht.

Holvi ist der digitale Banking-Service, der alles vereint, was Selbstständige für ihre Finanzen benötigen – in einer einzigen, einfach zu bedienenden Lösung. Mit dem digitalen Geschäftskonto können Selbstständige Rechnungen schreiben, ihre Ausgaben verwalten und ihre Buchhaltung vereinfachen. Außerdem behalten Sie in Echtzeit den Überblick über eingegangene Zahlungen.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Antti-Jussi Suominen: Traditionsgemäß haben Banken ihr Kernangebot rund um ein One-size-fits-all-Produkt oder eine entsprechende Dienstleistung herum gebaut. Sie versuchen, eine Lösung für jeden parat zu haben. Wir haben Holvi 2011 in Helsinki gegründet – als Selbstständige, die genug davon hatten, von den traditionellen Banken vergessen und mit ihren Finanzen allein gelassen zu werden. Entsprechend ist Holvi ein maßgeschneiderter Service für Freelancer, Selbstständige und Kleinunternehmer, der es ihnen ermöglicht, das Produkt für ihre spezifischen Bedürfnisse zu nutzen.

Unser Ziel ist es, das Leben von Selbstständigen ein bisschen leichter zu machen, damit sie weniger Zeit mit der Buchhaltung und lästigem Papierkram verbringen müssen – und mehr Zeit für alles andere haben.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Antti-Jussi Suominen: Fintechs haben die digitale Transformation von Banken mit innovativen technologischen Entwicklungen sowie neue Geschäftspraktiken beschleunigt. Viele Banken haben diese Entwicklung zunächst als Angriff auf ihre Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle verstanden. Mittlerweile denken viele Banken um. Statt mit Fintech-Unternehmen zu konkurrieren, wollen Banken die Synergiepotenziale nutzen und Fintechs in ihre strategischen Überlegungen integrieren.

Wir sind selbst seit 2016 Teil der spanischen Großbank BBVA – arbeiten aber weiterhin unter eigener Lizenz und Marke weiter. Langfristiger Erfolg ergibt sich aus unserer Sicht vor allem durch erfolgreiche Kooperationen zwischen Fintechs und traditionellen Banken.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationsdruck?

Antti-Jussi Suominen: Wir arbeiten in einem dynamischen Marktumfeld – gleichzeitig unterliegen wir als Zahlungsinstitut strengen Regulierungsanforderungen. Das ist zwar nicht immer einfach und erfordert ein gewisses Maß an Flexibilität, dafür kennt unser Team die Wünsche von Selbstständigen sehr genau und weiß, worauf es bei der Verwaltung und Ordnung ihrer Finanzen ankommt. Wir versuchen, unseren Entwicklungszyklus nahe an unseren Kundinnen und Kunden auszurichten und ihr Feedback und ihre Kommentare bei der Produktentwicklung zu integrieren, um unser Serviceangebot kontinuierlich zu verbessern.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Antti-Jussi Suominen: Wir sind gerade dabei, die Holvi Business Mastercard® zu überarbeiten und für die Zukunft fit zu machen. Eine Funktion, die wir in Zukunft anbieten möchten, sind virtuelle Karten. Das bedeutet, dass die Zahlungskarte nicht mehr an die physische Karte gebunden ist. Jede neue Holvi Karte ist dann sofort einsatzbereit. Der schöne Nebeneffekt: Die „digitalisierte“ Holvi Business Mastercard wird auch in Apple Pay und Google Pay hinterlegt werden können.

Darüber hinaus arbeiten wir aktuell an einem neuen Buchhaltungsservice, der für alle interessant ist, die keine Lust auf Buchhaltung und Steuern haben. Mit diesem Tool haben Selbstständige keinen Stress mehr mit dem Finanzamt. Wir kümmern uns in einem Allround-Service um die Buchhaltung und Umsatzsteuervoranmeldung.

Herr Suominen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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