Fintechs bei digitalen Themen sehr erfolgreich – Paul Hülsmann (FINEXITY)

Paul Hülsmann ist CEO und Gründer der FINEXITY AG. Im Interview spricht er über Fintechs mit überzeugenden Geschäftsmodellen und die Notwendigkeit zu Kooperationen.

Paul Hülsmann

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Paul Hülsmann: In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Fintechs mit überzeugenden Geschäftsmodellen sich gegenüber etablierten Anbietern im Finanzbereich behaupten können. Häufig werden Fintechs aus dem Antrieb heraus gegründet, ein spezialisiertes oder innovatives Angebot zu bieten bzw. ein Problem der konventionellen Finanzbranche zu lösen. Damit sind Fintechs bei digitalen Themen sehr erfolgreich. Besonders wenn man die Krypto- und Blockchain-Welt betrachtet, aber auch im Bereich Open-Banking-Lösungen oder Software-as-a-Service-Modelle sind sie meistens agiler und offener für neue Themen und können so schneller Lösungen entwickeln.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Paul Hülsmann: Wir geben Privatanlegern die Möglichkeit, bereits mit kleinen Anlagebeträgen ein Multi-Asset-Portfolio aufzubauen. Sie können bei uns in illiquide Sachwerte wie Immobilien, Kunstwerke oder Oldtimer investieren, die aufgrund der hohen Preise für sie bisher unzugänglich waren. Die entsprechenden Anteile werden auf unserer Plattform Blockchain-basiert in Form von Token angeboten. Wir reduzieren damit die Kosten sowie den Zeitaufwand auf ein Minimum und senken die Einstiegsbarrieren in Investments, die ansonsten nur sehr wohlhabenden oder professionellen Investoren zugänglich sind.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Paul Hülsmann: Der Mehrwert für die Kunden liegt zum einen natürlich im Zugang zu illiquiden alternativen Investments, der durch die Tokenisierung unkompliziert und mit kleinen Beträgen möglich ist. Zum anderen kann durch die Blockchain eine Vielzahl an Intermediären ausgeschaltet werden, sodass die Kosten enorm reduziert werden und letztlich höhere Renditen bei den tatsächlichen Investoren ankommen. Daneben bieten wir für erfahrenere Kunden einen Club-Deal-Bereich an, in dem sie Zugang zu exklusiven nicht-öffentlichen Angeboten erhalten – sogenannte „Off-Market“-Deals.

Auch wenn wir die Finanzwelt weiter digitalisieren wollen, legen wir großen Wert auf den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden. Alle Anleger haben bei uns einen persönlichen Ansprechpartner, der ihnen von der Anmeldung an zur Seite steht und sie auch langfristig über Chancen sowie Risiken der einzelnen Anlagen informiert.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Paul Hülsmann: Aus unserer Sicht kann es nur über einen kooperativen Weg funktionieren. Die Zeiten von Protektionismus und Isolation sind unserer Meinung nach vorbei und helfen der Gesamtbranche langfristig nicht weiter – ganz im Gegenteil. Wir gehen davon aus, dass auf lange Sicht ein möglichst offenes und verbundenes Ökosystem allen Beteiligten den größten Mehrwert stiftet. Kunden haben dadurch eine größere Auswahl an Produkten, was zeitgleich den Druck erhöht, qualitativ hochwertige Produkte anzubieten. Produktanbieter auf der anderen Seite haben so eine größere Reichweite durch eine Vielzahl an Vertriebskanälen und sparen sich die Zeit und das Geld des unnötigen „Winner-takes-it-all“-Kampfs um Kunden.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

Paul Hülsmann: Mit unserem Angebot nehmen wir eine Pionierstellung ein, was uns einen gewissen Vorteil verschafft. Wir beobachten den Markt aber natürlich sehr aufmerksam. Gerade als Fintech muss man sich stetig weiterentwickeln – das Thema Innovation ist und bleibt sehr wichtig für uns. So prüfen wir ständig, welche neuen Investitionsmöglichkeiten wir unseren Kunden bieten können und wie wir unser eigenes Geschäftsmodell weiterentwickeln können. So hatten wir ursprünglich mit tokenisierten Immobilieninvestments begonnen und haben diese mittlerweile zusätzliche Sachwertinvestitionen wie Kunstwerke und Classic Cars erweitert. Mit unserem „Software-as-a-Service“-Angebot haben wir auf die wachsende Nachfrage im B2B-Bereich nach unkomplizierten und schnellen Lösungen für Blockchain-Anwendungen reagiert. 

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Paul Hülsmann: Wie zuvor bereits schon erwähnt, arbeiten wir fortlaufend an der Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells und da die Branche so schnelllebig ist, ist noch gar nicht abzusehen, was sich alles in den kommenden 12 Monaten tun wird. Ganz konkret sind wir aktuell in den finalen Gesprächen mit mehreren Kooperationspartnern, wobei es darum geht, tokenisierte Produkte in bisher unerschlossenen Bereichen anzubieten. Darüber hinaus ist unser Sekundärmarkt auf der technologischen Seite abgeschlossen und wird derzeit abschließend getestet, um einen fehlerfreien Betrieb sicherstellen zu können. Weniger innovativ, aber auch neu für uns wird unsere App sein, welche ebenfalls bereits fertiggestellt worden ist und sich aktuell in der Revision für App und Google Play Store befindet.

Herr Paul Hülsmann, vielen Dank für das Gespräch.

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