Bastian Lechner: Klassische Anlagemodelle sind schnell wechselnden Marktregimes nicht gewachsen

Wir sprechen mit dem Gründer und CEO der Catana Capital GmbH Bastian Lechner. Das Fintech-Unternehmen möchte neue Technologien und traditionelles Asset Management zusammenzuführen. Der Anspruch: das klassische Asset Management mit Künstlicher Intelligenz revolutionieren.

Bastian Lechner

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Bastian Lechner: Um diese Frage beantworten zu können, müsste man erstmal den Begriff der signifikanten Marktanteile definieren. Und tatsächlich fällt die Antwort länderbezogen sehr differenziert aus. Nehmen wir als Beispiel das Direktkundengeschäft, Stichwort Challenger Banken. Banken wie N26 befinden sich zwar immer weiter auf dem Vormarsch, im Vergleich zu den potentiellen Gesamtkunden auf dem deutschen Markt ist der Anteil aber gering. Im Gegensatz finden Sie in China kaum eine Person, die nicht auf den Service von Ant Financial, dem Finanzzweig von Alibaba, zurückgreifen.

Im Asset Management, dem Bereich in dem Catana Capital tätig ist, ist der Fintech-Anteil verschwindend gering. Selbst inklusive sogenannter Robo Advisor summieren sich die verwalteten Gelder lediglich zu einem Bruchteil des Gesamtmarktes.

In der Versicherungsbranche gibt es mittlerweile sowohl auf der Vermittlerseite als auch auf der Versicherungsunternehmensseite Alternativen wie Clark oder die Deutsche Familienversicherung. Insbesondere auf der Vermittlerseite haben Plattformen deutliche Marktanteile gewinnen können. Rein digitale Versicherungsunternehmen sind hingegen nach wie vor quasi nicht existent.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Bastian Lechner: Das Kerngeschäft von Catana Capital ist das Asset Management für institutionelle und Retail Kunden. Unsere innovativen Anlageprodukte basieren komplett auf Künstlicher Intelligenz und Big Data Scores. Für Anlageentscheidungen werden über 2 Millionen Nachrichten jeden Tag und in Echtzeit verarbeitet. Die Analyse findet in drei Sprachen statt. Zunächst werden nach der Maxime „Wer sagt was zu welchem Wertpapier“ Sentimentscores für Einzeltitel und für die gesamte Marktstimmung gebildet. Die Data Intelligence Strategien generieren dann vollständig autonom Handelssignale. Umgesetzt werden die Signale aktuell in unserem Flagship Fonds, dem LI Data Intelligence Fund (ISIN: DE000A2H9A68) sowie in einer institutionellen Overlay Strategie. Unseres Wissens nach gibt es keinen anderen deutschen Asset Manager, der so konsequent auf Basis der Marktmeinung investiert.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Bastian Lechner: Wir revolutionieren das klassische Asset Management mit Künstlicher Intelligenz. Für unsere Kunden bieten wir dadurch Mehrwert auf verschiedenen Ebenen. Zunächst investieren unsere Kunden nicht nur in die Technologie der Zukunft, sondern mit der Technologie der Zukunft. Dadurch ergibt sich ein technologischer Vorsprung, den viele etablierte Wettbewerber nicht aufholen können.

Eine weitere Ebene ist das Produktdesign. Durch die Nutzung von Big Data getriebener KI schaffen wir Diversifikation bereits durch die Inputfaktoren, denn 99% aller Wettbewerber nutzen entweder Kurs- oder Fundamentaldaten. Deshalb können wir eine extrem geringe Korrelation zu nahezu allen Anlageklassen ermöglichen. Gerade während der Drawdown-Phase im März hat sich dieser Vorteil gezeigt. Im Gegensatz zu Mitbewerbern konnten wir eine negative Korrelation mit den fallenden Märkten erzielen. Kunden profitieren also von unserem Fonds als Risikoabsicherungskomponente.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Bastian Lechner: Pauschal kann man nicht beurteilen, welches Vorgehen zielführender ist. Dafür gibt es zu viele Einflüsse auf die Unternehmen wie beispielsweise die Größe des Zielmarkts, das Produkt, Kunden- und Wettbewerbsstrukturen etc.

Für unser Unternehmen können wir sagen, dass wir zu einem international bekannten Asset Manager heranwachsen möchten und als der Experte zum Thema KI im Asset Management gesehen werden wollen. Dafür planen wir zukünftig weitere, innovative Anlagelösungen an den Markt zu bringen.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

Bastian Lechner: Aus unserer Erfahrung reagieren Wettbewerber kaum auf neue Trends. Sollten sie es dennoch tun, verstecken sie sich oftmals hinter den Buzz-Words KI und Big Data. Das trifft im Übrigen auch auf einen anderen Trend, den Bereich der ESG-Investments zu. Oftmals werden Fonds oder Portfolios als innovativ oder besonders nachhaltig verkauft. Schaut man sich die Produkte näher an, divergieren Anspruch und Wirklichkeit signifikant. Beispielsweise gibt es Wettbewerber, die bestehende Fonds plötzlich als KI-Fonds verkaufen. Die Nutzung der Künstlichen Intelligenz beschränkt sich dann aber auf das Eingrenzen eines Anlageuniversums von hunderten Titel, aus dem die finalen Anlageentscheidungen ganz klassisch diskretionär getroffen werden. Die tatsächliche, technologische Umsetzung neuer Trends ist im Asset Management also bis dato quasi nicht gegeben.

Wir beobachten, dass eine neue Generation digital affiner Investoren heranwächst. Diese Kundengruppe wünscht sich moderne, spannende Lösungen, die einen tatsächlichen Mehrwert liefern können. Dieser Druck wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Insofern werden sich etablierte Häuser zwangsläufig mit KI auseinandersetzen müssen, um Kunden langfristig gewinnen und binden zu können.

Ein weiteres, extrem relevantes Argument für steigenden Innovationsdruck konnten Sie dieses Jahr hautnah miterleben. Klassische Anlagemodelle sind den aktuellen, schnell wechselnden Marktregimes nicht mehr gewachsen. Der historische Kurssturz und die ebenso historische Erholung in Folge der Corona-Krise ist nur ein Beispiel. Die Kurse wurden zwar nicht nur, aber auch von einer ganzen Armee von Retail Tradern getrieben. Viele dieser Trader besprachen ihre Investments in Foren. Wenn also die Marktmeinung von Hunderttausenden in der Lage ist, Börsenkurse zu bewegen, müssen Asset Manager zwangsläufig darauf reagieren. Wir haben diese Entwicklung schon vor Jahren erkannt. Catana Capital nutzt ausschließlich diese „Psychologie der Märkte“, die mit Hilfe von KI-Algorithmen vollständig autonom analysiert wird und direkt in unseren Produkten umgesetzt wird.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Bastian Lechner: Im vierten Quartal werden wir den ersten, rein auf KI und Big Data basierenden Long Only Equity Fonds initiieren. Der Data Intelligence German Equities investiert in mittel- bis hochkapitalisierte deutsche Unternehmen. Die Aktienselektion erfolgt auf Basis von Big Data getriebener KI vollständig autonom. Der Ansatz wird bereits in einem bestehenden Index mit einem Kooperationspartner umgesetzt. Seit Auflage im Juni 2019 konnten wir den DAX um über 10% schlagen. Damit bieten wir Kunden neben dem bereits bestehenden LI Data Intelligence Fund (ISIN: DE000A2H9A68) ein weiteres innovatives Produkt mit einem anders gelagerten Risiko-Rendite Profil als Performance Baustein für die Kundenportfolios. Wir sind fest davon überzeugt, dass sich ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Big Data im Asset Management in der Zukunft keine Outperformance gegenüber den Märkten erzielen lassen wird.

Herr Lechner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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