Dr. Magnus Kobel: Apple, Amazon und Google investieren massiv in digitale Gesundheit

Wir sprechen mit Dr. Magnus Kobel, Geschäftsführer der MAGNUM EST Digital Health GmbH, über YAS.life, eine Gesundheits-App die niederschwellig und spielerisch zu einem gesundheitsbewussten Verhalten motivieren soll.

Dr. Magnus Kobel

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Dr. Magnus Kobel: In fast allen Bereichen haben es Fintechs mit einer deutlicheren Fokussierung auf die Bedürfnisse der Endverbraucher und niedrigschwelligen Angeboten geschafft den Markt zumindest ordentlich aufzurütteln. Im Bankenbereich konnten einige sogar einen sichtbaren Marktanteil gewinnen oder Nischen besetzen.

Im Versicherungsbereich gibt es in Deutschland mit getsafe, ottonova, getsurance und einigen anderen, ebenfalls Insurtechs, die direkt den Endkunden adressieren. Aber das Ziel vieler Fin- bzw. Insurtechs ist vielmehr, sich als digitaler Enabler zu positionieren. Dabei geht es um Technologien und neue datenbasierte Ansätze in der Kundenansprache, die etablierte Player in der Finanz- und Versicherungsbranche in ein neues Zeitalter transferieren und im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung echten Innovationswert für die Kunden bieten können. Hierfür gibt es durchaus auch einige Beispiele, in denen alteingesessene Player mit Startups kooperiert haben, um schneller neue digitale Versicherungsprodukte zu launchen, z. B.  Element, Kasko oder um Prozessschritte zu vereinfachen, z. B. Nect. Bei Kranken- und Lebensversicherungen ist die Integration von Health Startups ein sehr wichtiger Bestandteil, um sich vom reinen Kostenerstatter zum echten Gesundheitsdienstleistern zu entwickeln.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Dr. Magnus Kobel: Vermeidbare ungesunde Verhaltensweisen sind die Hauptreiber für zahlreiche chronische Krankheiten wie Diabetes aber auch Krebs. So bewegen sich 57% der Deutschen zu wenig mit möglicherweise schlimmen Folgen für die Gesundheit des Einzelnen, aber auch für die überproportional steigenden Kosten im Gesundheitssystem. Unsere Mission ist es, mit unserer YAS-App Versicherte niederschwellig und spielerisch zu gesundheitsbewusstem Verhalten zu motivieren.

Besondere Anreize werden durch die Integration unseres Produkts in die Bonusprogramme der Krankenassen gesetzt, die zur Prävention gesetzlich angehalten sind. Bei privaten Versicherungen leisten wir zudem erfolgreich Pionierarbeit, digitale Prävention in Verbindung mit Boni zu etablieren. Das Alleinstellungsmerkmal von YAS.life: Wir optimieren datenbasiert die Anreize zu einem gesundheitsbewussten Verhalten und evaluieren die Auswirkungen auf die Gesundheitskosten der Krankenkassen und Versicherungen. Unser Datenpool macht digitale Prävention effizient – für mehr gesunde Lebensjahre für die aktiven, gesundheitsbewussten Versicherten und weniger Gesundheitskosten für alle.  

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Dr. Kobel: Wir stehen nicht im Wettbewerb mit etablierten Versicherungen, wir helfen diesen vielmehr dabei, erfolgreicher zu werden – durch die Schaffung digitaler Touchpoints, um sich als Gesundheitsdienstleister zu positionieren, durch weniger Gesundheitsausgaben und auch durch zusätzliche Vertriebsleads.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Dr. Magnus Kobel: Im Vergleich mit dem US-Markt fehlt der Mut und auch das Kapital, um mit aller Konsequenz einen neuen großen Versicherungsplayer im Markt zu etablieren. Neuer echter Wettbewerb wird aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von den Tech-Konzernen aus den USA nach Europa kommen. Es geht nicht um das ob, sondern nur, um das wann. Apple, Amazon und Google investieren alle massiv in digitale Gesundheit. All diese Player kennen zudem ihre Kunden besser als die Kunden sich selbst und haben unzählige Kontaktpunkte zu ihren Kunden z. T. täglich. In anderen Ländern gehen diese Firmen nun auch schon in den Versicherungsbereich rein. Das wird – trotz komplexer Regulatorik – auch in Europa passieren.

Umso wichtiger ist es für die hiesigen Krankenkassen und Versicherungen ihre Vorteile auszuspielen und aktiv in die Rolle des digitalen Gesundheitsbegleiters reinzuwachsen. Und das fängt zwingend in der Prävention und der Unterstützung zu einem gesunden Lebensstil an. Die etablierte White-Label-Lösung von YAS.life ist dafür der Schlüssel.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationsdruck?

Dr. Magnus Kobel: Wenn wir von etablierten Versicherungen sprechen, so beschäftigen sich zwar alle in vielfältiger Weise mit Innovationen, ein first mover will man dann aber nicht sein. Wenn es darauf ankommt, fehlt leider noch viel zu häufig der wenige Mut, der erforderlich wäre. Die Angst, dass mal etwas Innovatives kurzfristig nicht klappt, ist bei manchen Entscheidern leider zu sehr ausgeprägt. Ein riskantes Verhalten. Aber zum Glück gibt es hier auch positive Ausnahmen.

Startups und jungen Unternehmen stehen per se unter hohem Innovationsdruck. Alles muss stimmen: Das Timing, das Angebot und die Botschaft. Gerade in Zeiten von Corona konnte man beobachten, wie abhängig der Markt von äußeren Einflüssen ist bzw. erstmal stillsteht. Und wie flexibel und kreativ viele Startups die Krise als Chance genutzt haben, um neue Ideen zu entwickeln.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Dr. Magnus Kobel: Wir bleiben natürlich bei unserer Kernkompetenz, Funktionen zu entwickeln, die durch Gamification zu mehr Bewegung und gesundheitsbewusstem Verhalten anregen. In der Zukunft wird dies unseren Usern noch vernetzter und interaktiver möglich sein. Darüber hinaus haben wir unser Datenmodell weiterentwickelt, um die positiven Auswirkungen von Bewegung und Prävention auf die Entwicklung von Gesundheitskosten nachzuweisen. Darin sehen wir auch den langfristigen Wert unseres Unternehmens. 

Herr Dr. Kobel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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