Dr. Marcus Schmalbach: Aus dem Kampf David gegen Goliath ist ein miteinander entstanden

Wir sprechen mit Dr. Marcus Schmalbach, Geschäftsführer der RYSKEX GmbH über Fintechs und Alternativen zu traditionellen Versicherern.

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Dr. Marcus Schmalbach

Dr. Marcus Schmalbach: Zu Beginn sind die Fintechs in der Tat angetreten mit lautem Gebrüll und haben den traditionellen Marktteilnehmern der Kampf angesagt. Die Erwartungshaltungen und die Vorschusslorbeeren an die Fintechs waren groß und eine gewisse Angst bei den traditionellen Marktteilnehmern vorhanden. Ich möchte nicht ganz so hart sein und sagen vom Tiger zum Bettvorleger, aber wirklich „disruptives“ kam bisher nicht zustande. Insbesondere im B2B Bereich dominieren weiter die Großen, Traditionellen das Geschehen und im B2C Bereich sind Achtungserfolge zu verzeichnen. Signifikante Marktanteile kann ich entsprechend keine zuordnen. Vielmehr sind die Fintechs für inkrementelle Weiterentwicklungen der Konzerne verantwortlich und aus dem Kampf David gegen Goliath ist ein miteinander entstanden.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Dr. Marcus Schmalbach: Das Kerngeschäft von RYSKEX ist das Betreiben einer Risikobörse (RISK EXchange). Wir verknüpfen die Risikoabteilung von Konzernen mit dem Kapitalmarkt und ermöglichen hierdurch eine Alternative zum traditionellen Industrieversicherungsmarkt. Auf unserer Plattform werden die Risiken in handelbare Risk SWAPS umgewandelt und anschließend gehandelt.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Dr. Marcus Schmalbach: Es gibt diverse Mehrwerte. Zum einen benötigt der Kunde keinen Broker mehr um seine Risiken am Markt zu platzieren, was eine immense Effizienzsteigerung und Kostensenkung zur Folge hat. Zum anderen haben wir diverse Hedge-Fonds die auch „unversicherbare“ Risiken sehr gerne aufkaufen und absichern, da hier eine hohe Rendite generiert werden kann. Insbesondere systemische und neuartige Risiken werden häufig über unsere Plattform gehandelt. So verkaufte ein Deutsches Blue Chip Unternehmen sein Ausfallrisiko der Forderungen gegenüber einem amerikanischen Unternehmen an einen Fonds aus Hongkong. Wir vereinen die ganze Welt auf einer digitalen Plattform.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Dr. Marcus Schmalbach: Wie bereits in Frage eins angedeutet, glaube ich, dass ein Gros der Startups mittlerweile nicht mehr allzu progressiv auftreten, sondern gezielt nach Schwachstellen entlang der Value Chain einer Branche respektive eines Unternehmens suchen und dieses Problem mit Hilfe einer digitalen Lösung zu beheben und nach Möglichkeit skalierbar zu machen. Ich halte dieses Vorgehen sowohl für legitim als auch für zielführend. Das Risiko ist überschaubar, die Aussichten auf eine Einhornbewertung allerdings auch. Unser Unternehmen agiert ein wenig anders und wir gehen den disruptiven Ansatz, können das Risiko allerdings gut einschätzen, da wir bereits alle sehr viel Berufserfahrung in dieser Branche mitbringen und über ein exzellentes Netzwerk und Marktkenntnisse verfügen, die junge Gründer erst noch aufbauen müssen.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

Dr. Marcus Schmalbach: Die Industrieversicherungsbranche ist nicht für ihre Innovationskraft bekannt. Neue Marktteilnehmer kommen kaum hinzu, eher zeichnet sich die Branche durch stetige Konsolidierungen aus und wir haben ein Angebotsoligopol. Trends respektive Technologien wie künstliche Intelligenz respektive die Blockchain werden noch nicht oder nur sehr rudimentär genutzt und das eigentliche Geschäftsmodell seit Jahrhunderten nicht in Frage gestellt. Ergo würde ich in dieser Branche nicht von Innovationsdruck sprechen. Der Druck zu innovieren kommt lediglich von der Kundenseite.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Dr. Marcus Schmalbach: Wir sind große Verfechter von parametrischen Lösungen und sehen diesen Ansatz insbesondere für das Absichern von Pandemien und sonstigen systemischen Risiken als optimal an uns als Alternative zur bisherigen Versicherung. Ein entsprechendes Konzept erarbeiten wir gerade auch für den deutschen Markt in Kooperation mit Lloyd´s of London. Bestandteil dieses Piloten ist ebenfalls das Entwickeln von Indices wie unserem VUCA World Risk Index, der für die Schadenregulierung herangezogen werden kann. Wir sind aktuell dabei weitere solcher Indices zu entwickeln, um die Schadenregulierung von Großschäden zu revolutionieren. Noch sind wir guter Dinge, aber vielleicht enden wir am Ende auch als Bettvorleger.

Herr Dr. Schmalbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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