David Rhotert: Standort Deutschland kann noch einiges an Venture Capital vertragen

Wir sprechen mit David Rhotert, Managing Director der Companisto GmbH über Fintechs und die Business Angel Branche. Companisto ist Plattform und Netzwerk für Investments in Startups und Wachstumsunternehmen.

David Rhotert

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

David Rhotert: Wir haben das Companisto Business Angel Netzwerk (www.companisto.de) aufgebaut, um vielen Menschen das einfache Investieren in vielversprechende Startups zu ermöglichen. Seit unserer Gründung haben wir uns immer damit beschäftigt, wie das Investieren in Startups vereinfacht werden kann. Wir haben festgestellt, dass es große Zugangshürden gibt. Diese abzubauen und viel mehr Menschen das Investieren in Startups zu ermöglichen, haben wir zu unserer Mission gemacht. Obwohl es neue digitale Möglichkeiten gibt, wurde das Business Angel Investing in Deutschland immer noch genauso kleinteilig und aufwändig betrieben, wie vor einigen Jahrzehnten. Am Ende will sich ein Business Angel an einer spannenden Innovation beteiligen und nicht Spezialist in Beteiligungsverträgen, Steuerfragen und der Beteiligungsverwaltung werden. Investoren müssen bislang sehr viel Aufwand betreiben, um sich an Startups zu beteiligen. Zudem stellten in der Praxis übliche Mindestinvestmentbeträge von schnell 50.000 Euro pro Person eine erhebliche Zugangshürde dar. Die Kombination aus großem Aufwand und hohen Mindestsummen führte dazu, dass die Business Angel Branche in Deutschland seit Jahrzehnten kein relevantes Wachstum verzeichnet. Wir haben erkannt, dass in der Digitalisierung auch für das Business-Angel-Investing in Deutschland große Chancen stecken und deshalb den Companisto Angel Club gegründet. Es ist immer die Rede davon, dass es mehr Gründer in Deutschland braucht. Das ist sicher richtig. Auf der anderen Seite brauchen diese Pioniere aber eben auch die Wegbereiter, die in sie investieren. Wir sind davon überzeugt, dass es einen sehr positiven Impact auf eine Gesellschaft hat, wenn sich sehr viele Menschen an Innovationen beteiligen.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

David Rhotert: Wir machen das Investieren in Startups einfach. Wir stellen unseren Investoren die Startups in einem digitalen Investoren-Bereich vor. Alle Informationen sind dort gebündelt und die Beteiligung kann direkt online gezeichnet werden. Neu ist auch, dass die Investoren jetzt in das Eigenkapital investieren. Im Zuge unserer Re-Positionierung haben wir auch unser Beteiligungsmodell komplett auf die Qualität von echten Business-Angel-Beteiligungen umgestellt. Auch der INVEST-Zuschuss kann direkt online mitbeantragt werden. Über den Zuschuss bekommen die Investoren immerhin 20% ihres Investments vom Staat direkt zurückerstattet und erhalten dazu signifikante Steuererstattungen. Obwohl der INVEST-Zuschuss ein extrem attraktives Anreizsystem dafür ist, dass sich Privatpersonen an Startups beteiligen, ist es eine traurige Wahrheit, dass dieser staatliche Fördertopf in Deutschland noch in keinem Jahr vollständig abgerufen wurde. Das wollen wir ändern und haben bereits über 300 INVEST-Zuschüsse für Mitglieder des Angel Clubs bewilligt. Das Reporting, die Kommunikation mit den Gründern, die jahrelange Beteiligungsverwaltung bis hin zur Einholung von Gesellschafterbeschlüssen – in sämtlichen Bereichen vereinfacht unsere Digitalisierung das Beteiligungsmanagement und schafft effiziente Prozesse, von denen alle profitieren und wertvolle Zeit sparen. Seit Gründung des Angel Clubs wurden mehr als 20 Mio. Euro in 13 Startups investiert. In der ersten Finanzierungsrunde investieren wir als Gruppe üblicherweise zwischen 500 Tsd. und 1,5 Mio. Euro. Gerne machen wir auch Folgefinanzierungen, die dann schon Volumen von bis zu 5 Mio. Euro erreichen können. Bei den Mitgliedern des Angel Clubs handelt es sich zu 35% um Unternehmer, 28% Geschäftsführer & Vorstände, 20% C-Level-Executives, 15% Angestellte und 2% Privatiers.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

David Rhotert: Neben echten „Pain-Killern“ bringt ein digital organisiertes Angel-Netzwerk neue Möglichkeiten mit sich. Zunächst werden Zugangshürden abgebaut, denn auch Unternehmer, die außerhalb von Großstädten und Ballungszentren angesiedelt sind, erhalten durch die digitalen Investoren-Bereiche Zugang zu ausgewähltem Startup-Dealflow. Auch der als „Smart Money“ bezeichnete Mehrwert von Angels kann aus unserer Sicht von der Digitalisierung profitieren. Der Austausch zwischen Angels untereinander und mit Gründern wird erleichtert. Genau dafür haben wir jetzt aktuell ein digitales Kommunikations-Netzwerk angeschlossen, das man sich als ein Xing oder LinkedIn innerhalb von Companisto vorstellen kann. Investoren können sich dort ein Investoren-Profil anlegen und sich so ihren Mitinvestoren und den Gründern persönlich vorstellen. Man hat dort also die Möglichkeit, seine Mitinvestoren kennenzulernen, sich mit ihnen zu vernetzen und über Direktnachrichten auszutauschen. Dabei geht es nicht darum, den persönlichen Austausch durch digital verschickte Nachrichten zu ersetzen. Im Gegenteil kann das digitale Netzwerk das zielgerichtete Zusammenfinden sehr erleichtern. Auch für Gründerteams ist dieses digitale Netzwerk super effektiv. Die passgenaue Suche nach einer bestimmten Expertise, Branchenkontakten oder Intros zu bestimmten Unternehmen, um den Vertrieb anzukurbeln, wird ganz einfach. Die Gründerteams können das Know-how und Know-who ihrer Investoren effektiv für sich nutzen und ganz gezielt Investoren über das digitale Netzwerk kontaktieren, um sich mit ihnen auszutauschen. Dazu beinhalten die Investoren-Profile neben den Investment-Interessen auch konkrete Angaben darüber, welche Expertise ein Investor zur Unterstützung seiner Startups einbringen kann. Die Gründer können dieses digitale Netzwerk jederzeit nach ihren individuellen Bedürfnissen durchsuchen, um die für sie richtigen Ansprechpartner zu finden und direkt über die Plattform zu kontaktieren. Das Netzwerk wurde daher so programmiert, dass es nach unterschiedlichsten Begriffen durchsucht werden kann, z.B. nach Namen, Investment-Interessen, Branchen, Unternehmen, Position, Expertise etc.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

David Rhotert: Wir verstehen uns definitiv als Partner von bestehenden Business Angels und anderen Business-Angel-Netzwerken, die sich bislang herkömmlich in kleineren regionalen Clubs organisieren. Wir machen sehr oft gemeinsame Finanzierungsrunden mit anderen Business Angels. Der Standort Deutschland kann noch einiges mehr an Venture Capital vertragen, dazu wollen wir beitragen. Gerade in diesen Zeiten merken wir, dass es auf das gesamtgesellschaftliche Engagement und dabei auf den Einzelnen ankommt. Das gilt auch für das Investieren in Startups. Durch unsere geschaffene digitale Infrastruktur konnten wir auch während Corona sechs neue Startups finanzieren, während andere Investoren ohne digital organisierte Prozesse ihre Startup-Investments vollkommen einstellen mussten.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

David Rhotert: Wir sind seit Jahren Marktführer in unserer Branche und seit fünf Jahren in Folge der aktivste private Kapitalgeber für Startups in Deutschland. Durch unser Technologie- und Digitalisierungs-Know-how haben wir uns in einem hochregulierten Markt einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung geschaffen und entwickeln immer weiter neue Innovationen. Wir sind von Anfang an Pionier der digitalen Investition in Startups gewesen und es ist bis heute unser Selbstverständnis, dass wir neue Trends und Entwicklungen im Markt vorzeichnen.

Herr Rhotert, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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