Antonia Plasse: Unsicherheit auf Mieter- und Vermieterseite stärkte den Zusammenhalt

Wir sprechen mit Antonia Plasse von der von Kathen Hausverwaltung + Immobilien GmbH aus Berlin, über Corona- bedingte Veränderungen auf den Immobilienmarkt.

Viele Gewerbetreibende waren vom Lockdown und weiteren Corona-Beschränkungen betroffen. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit geschaffen zeitweise die Mieten zu stunden. Wurde diese Möglichkeit in großem Stil genutzt?

Antonia Plasse: Die Möglichkeit die Miete aufgrund Corona bedingter Einkommensverluste zu einem späteren Zeitpunkt zu zahlen, wurde von etwa 20% der Gewerbemieter unseres Verwaltungsbestandes genutzt. In großem Stil nicht, dennoch nahm der Beschluss einigen Mietern finanziellen Druck, in solch einer schwierigen Phase. Gleichzeitig wurde damit für einige Vermieter Druck aufgebaut. Nicht alle Vermieter verfügen über entsprechende Rücklagen.

Ist es im Zuge der Pandemie vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern gekommen?

Antonia Plasse: Die Pandemie sorgte nur geringfügig für Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern. Die aus der Pandemie resultierende Unsicherheit auf Mieter- und Vermieterseite, stärkte gewissermaßen sogar den Zusammenhalt. Alle hofften darauf, möglichst unversehrt aus der Krise zu kommen und verhielten sich weitestgehend kooperativ und verständnisvoll. Dennoch sind einige Konflikte entstanden, die sich aber oftmals schon vor der Krise andeuteten.

Haben Sie den Eindruck, dass der Dialog um etwaige Mietkürzungen oder Mietanpassungen zwischen Vermietern und Mietern eher konstruktiv oder konfrontativ geführt wird?

Antonia Plasse: Der Dialog um Veränderungen die Miete betreffend, war überwiegend konstruktiv – je nach Mietverhältnis. Hierbei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Corona-Krise für uns alle eine sehr emotionale Zeit war. Unter der Prämisse gab es sicherlich auch den ein oder anderen konfrontativen Dialog. Aber wie bereits erwähnt, insgesamt habe ich den Austausch als überwiegend positiv empfunden. Man sollte dabei beachten, dass sowohl auf Mieter- als auch auf Vermieterseite der wirtschaftliche Druck oft enorm war. Die Verunsicherung war gerade in der Anfangszeit zu spüren.

Hat sich die aktuelle Situation auf die Vertragsgestaltung bei Neuvermietungen und -Mietverlängerungen ausgewirkt, z.B. bezüglich der Miethöhe oder Laufzeiten?

Antonia Plasse: Die aktuelle Situation hat sich definitiv auf Vertragsgestaltungen bei Neuvermietungen und Mietverlängerungen in puncto Miethöhe und Laufzeit ausgewirkt. Vermieter sind vorsichtiger geworden und Branchen werden kritischer hinsichtlich ihrer Zukunftsentwicklung bewertet. Eine Umwidmung wird teilweise in Erwägung gezogen.

Sehen Sie langfristige Folgen für den Gewerbe- und Büroimmobilienmarkt aufgrund der Pandemie?

Antonia Plasse: Aufgrund der Pandemie mussten viele Menschen ihren Tätigkeiten aus dem Homeoffice nachgehen und in dem Zusammenhang mussten Unternehmen digital umstrukturieren – oftmals lief dies sehr erfolgreich – erfolgreicher als zunächst für möglich gehalten. Wir, die von Kathen Hausverwaltung + Immobilien GmbH haben unsere Unternehmensprozesse nun komplett online abgebildet. Eine Anwesenheit aller Mitarbeiter im Büro ist nicht mehr notwendig. Die Mitarbeiter schätzen die Abwechslung aus Homeoffice und Büroarbeit.

Was diese Entwicklung langfristig für den Gewerbe- und Büroimmobilienmarkt bedeutet, wird sich herausstellen. Der Trend geht jedoch ganz klar in Richtung Homeoffice und es gibt bereits erste Prognosen darüber, dass das Wohnen in ländlichen Regionen immer attraktiver wird, besonders wenn es die Flexibilität mit der das Arbeiten aus dem Homeoffice einhergeht, gewährleistet. 1A-Lagen werden jedoch sicherlich auch weiterhin eine starke Nachfrage erfahren – für die weniger attraktiven Lagen sieht meine Prognose skeptischer aus. Wie bei jeder Änderung, werden sich hier auch Chancen ergeben. Die Umwidmung von Gewerbe- und Wohnraum hat großes Potenzial – sofern die Politik hier für entsprechende Vereinfachungen sorgen würde.

Frau Plasse, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.