Frank Henninger: Mieter und Vermieter betrachten sich immer als Geschäftspartner

Wir sprechen mit Frank Henninger, Geschäftsführer der GEVERKA Gesellschaft für Immobilien- und Grundstücksverwaltung mbH aus Berlin, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt.

Viele Gewerbetreibende waren vom Lockdown und weiteren Corona-Beschränkungen betroffen. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit geschaffen zeitweise die Mieten zu stunden. Wurde diese Möglichkeit in großem Stil genutzt?

Frank Henninger: Das war bei uns nicht der Fall. Die Möglichkeit, Gewerbemieten zu stunden, wurde von weniger als 10 Prozent unserer Gewerbemieter wahrgenommen, und das auch nur in den Bereichen Gastronomie, Veranstaltung oder Sport/Entertainment. Wir stunden Gewerbemieten, soweit notwendig, auch über das gesetzliche Maß hinaus. Wir sind überzeugt, dass ein eigentlich funktionierendes Gewerbe nicht wegen einer vollkommen unverschuldeten Krise beendet werden sollte.

Ist es im Zuge der Pandemie vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern gekommen?

Frank Henninger: Außer, dass sich natürlich einige Mieter bei uns bezüglich ihrer wirtschaftlichen Lage gemeldet haben, kam es nicht vermehrt zu Auseinandersetzungen. Aber es gab auch grundsätzlich keine Auseinandersetzungen im negativen Sinne.

Haben Sie den Eindruck, dass der Dialog um etwaige Mietkürzungen oder Mietanpassungen zwischen Vermietern und Mietern eher konstruktiv oder konfrontativ geführt wird?

Frank Henninger: Mieter und Vermieter betrachten sich immer richtigerweise als Geschäftspartner, daher sind Konfrontationen sehr seltene Ausnahmen. Konfrontationen aufgrund der Pandemie hat es bei uns bislang nicht gegeben.

Hat sich die aktuelle Situation auf die Vertragsgestaltung bei Neuvermietungen und Mietverlängerungen ausgewirkt, z.B. bezüglich der Miethöhe oder Laufzeiten?

Frank Henninger: Sofern die Pandemie hier tatsächlich Einfluss hat, ist dieser nach unserer Erfahrung zu vernachlässigen. Gerade bei der Neuvermietung gibt es viele einflussreiche Faktoren für die Vertragsgestaltung, wie zum Beispiel das Vertrauen in das Geschäft des potentiellen Mieters. Was die Verlängerungen betrifft, so sind vorhandene Optionen wie gewöhnlich ausgeübt worden. Kündigungen, die durch Gewerbemieter seit Beginn der Pandemie ausgesprochen wurden, machen weniger als ein Prozent unseres Verwaltungsbestandes aus. Inwieweit diese Kündigungen aber tatsächlich auf die Pandemie zurückzuführen sind, wissen wir nicht.

Sehen Sie langfristige Folgen für den Gewerbe- und Büroimmobilienmarkt aufgrund der Pandemie?

Frank Henninger: Auf den Büroimmobilienmarkt könnte sich auswirken, dass viele Unternehmen im Zuge der Pandemie Homeoffice-Möglichkeiten eingeführt haben. Am ehesten sind und werden Immobilien betroffen sein, die Shared-Office-Space-Lösungen in irgendeiner Form anbieten. Was aber die übrigen Immobilien betrifft – lassen wir nur für Veranstaltungen genutzte Immobilien einmal außen vor –, so haben insbesondere Handwerker, Werkstätten und alle übrigen Gewerbetreibenden, die Lärm, Verschmutzung und ähnliches mit sich bringen, viel größere Probleme durch den immer stärkeren Verdrängungsdruck als durch die Pandemie.

Herr Henninger, vielen Dank für das Gespräch.

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