Haartransplantation: Patienten sind im Anschluss sofort gesellschaftsfähig – Christian Wimmer und Christopher Chrissostomou

Christian Wimmer ist Senior Haar-Berater, Christopher Chrissostomou ist Leiter der Haarabteilung und Arzt für Ästhetische Medizin & Eigenhaartransplantation der Heidelberger Klinik für plastische und kosmetische Chirurgie proaesthetic GmbH. Im Interview sprechen sie über Haar-Transplantationsarten und geben Tipps für die Arztwahl.

Christopher Chrissostomou

Viele Männer leider unter Haarausfall. Wie hoch ist der Leidensdruck Ihrer Patienten?

Christian Wimmer: Der Leidensdruck bei Männern ist teilweise sehr hoch. Irreversibler Haarverlust schlägt drastisch auf das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit. Männer möchten nicht „älter“ aussehen, weil damit sofort eine Verminderung ihrer Leistungsfähigkeit assoziiert wird, sowohl beruflich als auch privat. Das gilt vor allem dann, wenn sie noch jung sind – und der Haarverlust beginnt oft schon in den Zwanzigern. Für Frauen ist der Haarverlust jedoch absolut traumatisch. Dichtes und volles Haar wird besonders beim weiblichen Geschlecht mit Gesundheit und Attraktivität gleichgesetzt.

Welche Typen von Haarausfall gibt es?

Christian Wimmer: Für Haarausfall kommen viele Ursachen infrage, die sowohl einzeln als auch gemeinsam auftreten können. Die häufigste Form der sogenannten Alopezie ist die androgenetische. Dabei wird ein Teil der Haarwurzeln durch genetische Veranlagung überempfindlich gegen ein bestimmtes Hormon und stellt daraufhin das Haarwachstum ein. Die betroffenen Haare fallen aus und wachsen nicht wieder nach. Dadurch entstehen je nach Veranlagung Geheimratsecken, eine Tonsur, eine Halb- oder Vollglatze oder auch eine diffuse Ausdünnung des Haarschopfes. Es gibt aber auch Haarverluste durch Nährstoff- oder Schlafmangel, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Erkrankungen der inneren Organe. Auch äußere Umstände wie das Rauchen, die aggressive Behandlung der Kopfhaut, Unfälle oder einige Bestandteile in Haarpflegemitteln können eine Rolle spielen. Welche dieser Ursachen vorliegt bzw. vorliegen, finden wir mit einer umfangreichen Untersuchung des Patienten heraus.

Welche Methoden für Haartransplantationen gibt es, für welche Arten von Glatzenbildung sind diese geeignet?

Christopher Chrissostomou: Es gibt zwei Methoden, um die Haarfollikel zu entnehmen. Die FUE- Technik, bei der wir die Grafts mit einem feinen Hohlbohrer einzeln aus der Kopfhaut lösen, und die FUT-Technik, bei der wir einen ganzen Hautstreifen entfernen, den wir dann unter dem Mikroskop in die einzelnen Transplantate zerteilen. Welche dieser Methoden die richtige ist, hängt immer vom individuellen Patienten ab. Für die FUE-Entnahme müssen wir das Spendeareal zum Beispiel kurz schneiden, deshalb empfiehlt sie sich eher für Kurzhaarträger. Bei der FUT-Entnahme entsteht hingegen eine sichtbare Narbe, die aber bei Langhaarträgern gar nicht auffällt.

Christian Wimmer: Die Art der Glatzenbildung hat damit deshalb wenig zu tun. Sie bestimmt jedoch das mögliche Ausmaß der Behandlung. Bei einem Patienten mit Geheimratsecken, einer Tonsur oder einer Halbglatze haben wir in der Regel genügend Spenderhaare zur Verfügung, um die kahlen oder lichten Stellen aufzufüllen. Bei einer Vollglatze ist das meist nicht gegeben. Hier können wir aber zum Beispiel durch eine Kopfhautpigmentierung die optische Illusion eines vollen, aber kurzgeschorenen Haarschopfes erzeugen.

Wie läuft eine Haartransplantation ab?

Christian Wimmer: Als Haarberater stelle ich den Erstkontakt mit den Interessenten her. Ich nehme ihre Krankheitsgeschichte auf und führe eine Reihe von Tests durch, um der Ursache und dem Ausmaß des Haarverlusts auf den Grund zu gehen. Dann spreche ich mit den Patienten über ihre Wünsche und Vorstellungen und kläre sie über die Behandlungsmöglichkeiten auf. Hat sich jemand für eine Haartransplantation entschieden, bestimmen wir die Anzahl der Grafts, also der zu verpflanzenden Haarwurzeln, und legen bereits das Spende- bzw. Empfängerareal sowie die Entnahmemethode fest.

Christopher Chrissostomou: Anschließend mache ich als Haarchirurg die genaue Planung und führe den Eingriff durch. Ich entnehme die Transplantate mittels FUE- oder FUT-Technik, im Falle einer FUE-Entfernung rasieren wir in der Regel vorher das Spendeareal. Dann werden die Grafts umverteilt und die Entnahmestellen sorgfältig vernäht. Der Eingriff findet ambulant unter lokaler Betäubung statt und dauert je nach Behandlungsausmaß zwischen zwei und acht Stunden. Unsere Patienten sind im Anschluss sofort gesellschaftsfähig.

Wie lange dauert der Heilungsprozess?

Christopher Chrissostomou: Das kommt, wie so oft, darauf an. Nach dem Eingriff bilden sich Verkrustungen, die nach etwa einer Woche mit der Kopfpflege abfallen. Für die alltägliche Belastung in Form von Waschen (mit mildem Shampoo) und sanftem Kämmen sind die Grafts bereits nach drei bis vier Tagen geeignet. Nach sechs bis acht Wochen können die Patienten wieder in die Sauna, das Schwimmbad und das Solarium. Nach vier bis sechs Monaten ist alles in der Regel soweit verheilt, dass selbst im Falle einer Verletzung kein nachhaltiger Schaden entsteht. Das sind aber nur Richtwerte. Jeder Patient ist unterschiedlich und bekommt von uns deshalb eine individuelle Empfehlung. Wichtig für ein bestmögliches Endergebnis und einen komplikationslosen Heilungsverlauf ist (natürlich zusätzlich zur professionellen Transplantation) eine gewissenhafte Nachsorge seitens des Patienten.

Worauf sollte bei der Auswahl des Arztes geachtet werden?

Christian Wimmer: Wichtig ist zunächst, dass eine unverbindliche professionelle Beratung stattfindet. Entscheidend ist dabei, dass die Ursache des Haarausfalls festgestellt und sofern möglich behandelt wird. Der Patient sollte bei der Suche nach der richtigen Therapie keinesfalls das Gefühl bekommen, in eine Richtung gedrängt zu werden. Die Empfehlung des Beraters sollte nachvollziehbar sein und er sollte sich Zeit für die Fragen, Wünsche und auch Sorgen seines Patienten nehmen. Ein qualifizierter Haarberater sagt dem Patienten auch, ob seine Vorstellungen realistisch sind. Bei der Aufklärung über die Behandlungsmethode sollten außerdem mögliche Risiken und auch die Grenzen nicht verschwiegen werden.

Christopher Chrissostomou: Im nächsten Schritt ist die Kompetenz des Chirurgen gefragt. Für ein zufrieden stellendes und realistisches Endergebnis sind Erfahrung und Routine nötig. Patienten sollten deshalb unbedingt erfragen, ob der Arzt auf diese Behandlungen spezialisiert ist, also eine entsprechende Zusatzausbildung hat und regelmäßig Haartransplantationen durchführt. Auch das Bauchgefühl ist nicht zu unterschätzen: Wenn ein Patient bei seinem Behandler ein schlechtes Gefühl hat, hat das meistens einen Grund. Deshalb sollte der Arzt jemand sein, der auf der Wellenlänge des Patienten liegt und bei dem er sich gut aufgehoben fühlt.

Herr Wimmer, Herr Chrissostomou, vielen Dank für das Gespräch.

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