Kunstwerke: Betrachtung mit Herz und Verstand – Natalia Henkel (Art For Collectors)

Natalia Henkel ist Kunsthistorikerin bei Art For Collectors. Im Interview spricht sie über die Rolle der Konversation zwischen Betrachter und Kunstobjekt und nennt die Rolle von Galerien bei der Preisentwicklung.

Lohnt es sich tatsächlich, in Kunst als Spekulationsobjekt zu investieren?

Natalia Henkel

Dazu kann ich nur so viel sagen, dass es aus meiner Sicht ein immer mit Risiko verbundenes Spiel ist, in Kunstwerke als Spekulationsobjekte zu investieren. Während meiner Zeit als Galeristin und Kunstvermittlerin habe ich immer versucht, in Gästen eine Konversation mit dem Kunstobjekt hervorzurufen. Wenn man sich mit dem Künstler und seinem Schaffen etwas auseinander gesetzt hat und es geschafft hat, in eine Galerie/Kunstmesse zu kommen (ob zufällig oder auf Einladung) – so hat man schon das erste Interesse bekundet. Warum kommt man? Was spricht Einen an? Die Vorliebe für eine Kunstrichtung oder ein Kunstobjekt entsteht in sich selbst, eng verbunden mit dem eigenen Ich. Es sind Details und die Gesamtwirkung, die persönlich ansprechen. Deswegen sagen Kunstexperten, Kunst ist Leben und lässt sich nicht als „Ware“ verkaufen oder betrachten.

Welche Risiken begleiten solch ein finanzielles Engagement in Bezug auf Wertverluste oder auch überteuerte Ankäufe?

Natalia Henkel: Natürlich sollte man bei Erwerb eines teuren Kunstwerkes etwas „um sich schauen“ – es gibt mittlerweile viele online Plattformen, die Preise der Künstler/Kunstwerke auf dem Secondary Market beleuchten. Wenn man in einen zeitgenössischen Künstler investiert (Primary Market), so sollte man schauen mit welcher Galerie der Künstler zusammen arbeitet bzw. welche Galerien ihn vertreten. Der Preis errechnet sich immer nach der simplen Formel: Breite plus Höhe mal Faktor 10 und aufwärts (je nach dem Wert des Künstlers auf dem Kunstmarkt). Je renommierter die Galerie, die den Künstler vertritt bzw. seine Ausstellungsbeteiligungen oder Auszeichnungen, desto höher ist der Faktor. Sowohl der Galerist als auch der Künstler kümmern sich um die stetige Steigerung des Kunstwertes.

Spannend wird es mit ganz jungen Künstlern – gerade frisch von der Universität! Ihr Kunstwert kann sich in alle Richtungen entwickeln. Es hängt davon ab, wie sehr sie den Nerv der Zeit treffen, es künstlerisch zu reflektieren vermögen und von welchen Galeristen sie betreut und unterstützt werden.

Es kann aber auch immer etwas „dazwischen kommen“ und der Künstler hört auf, in der Öffentlichkeit tätig zu werden. Wie zum Beispiel der österreichischer Maler und Grafiker Fritz Martinz (1924-2002). Oder sein Kunstwert fällt plötzlich, wie es bei Ölgemälden vom zeitgenössischen Künstler Jonathan Meese zwischenzeitlich der Fall war. Ich denke persönlich, dass Künstler die Personen/Objekte aus der Celebrity- oder Konsumkultur inszenieren/verfremden, eine breitere Anerkennung beim Publikum finden. Zum Beispiel Werke von Sylvie Fleury, Jeff Koons oder Andy Warhol. Auch gegenständliche figurative Kunst kann überhöhte Werte erreichen, wie zum Beispiel Werke von Neo Rauch.

Wie kann ich am besten und auch am sichersten meine Kunstwerke wieder verkaufen?

Natalia Henkel: Beim Verkauf des Kunstwerkes sollte man den Kontakt mit der Galerie, einem Auktionshaus, Stiftung, Kunstversicherung oder einem Privatsammler aufnehmen. Man sollte immer die Kaufrechnung aufbewahren.

Ist es sinnvoll, vor dem Ankauf von Kunstgegenständen einen unabhängigen Gutachter zur Beurteilung zu beauftragen?

Natalia Henkel: Es empfiehlt sich immer beim Aufbau einer Sammlung oder Ankauf von Kunstwerken sich von einem befreundeten Kunsthändler, Galerist oder von einem unabhängigen Gutachter beraten zu lassen. Sollten Sie in einer engen Verbindung mit dem Galeristen stehen, ist er Ihr Berater. Die persönliche Privatsphäre ist ein sensibles Thema und ist mit Vorsicht „zu behandeln“.

Kann jeder ein Kunstwerk bei einem Auktionator einreichen, um es dann verkaufen zu lassen?

Natalia Henkel: Ja, jede „natürliche Person“ kann ein Kunstwerk bei einem Auktionator zum Verkauf einreichen. Sie werden von Kunstexperten beraten, die Kunstwerke werden geschätzt und auf „Echtheit“ überprüft.

Welche aktuelle Kauf-Empfehlung würden Sie einem „Neueinsteiger im Kunstbusiness“ geben?

Natalia Henkel: Folgen Sie Ihrem Herz, Ihrer Intuition & schalten Sie Ihren Verstand nicht aus. Seien Sie neugierig und aufgeschlossen. Sprechen Sie mit Künstlern, Galeristen, Ausstellungsbesuchern, Freunden. Gehen Sie aber auch in sich selbst. Kunst ist immer ein Spekulationsobjekt – es muss in erster Linie Ihnen gefallen und Freude machen! Viel Glück.

Frau Henkel, vielen Dank für das Gespräch.

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