Kunstmarkt hat sich in den letzten 50 Jahren zu einem Globalbusiness entwickelt

Aleksandra von Luxburg und Mario Bermel sind Galeristen der Berliner Galerie Bermel von Luxburg. Im Interview sprechen Sie über Spekulation am Kunstmarkt und geben Ratschläge zum Einstieg in die Kunstwelt.

Aleksandra von Luxburg und Mario Bermel

Lohnt es sich tatsächlich, in Kunst als Spekulationsobjekt zu investieren?

Aleksandra von Luxburg: Die Geschichte zeigt, dass der Mensch zu allen Zeiten auf alles Mögliche spekuliert hat. Der Reiz eine Gewinnmaxime in kurzer Zeit zu erzielen ist schon immer verlockend gewesen. In der Kunst wird ebenfalls spekuliert. Aus der Etymologie des Wortes „Kunstmarkt“ kann man herauslesen, dass ein Handel auf Offerte und Nachfrage basiert und somit ein Handel der schönen Künste stattfindet. Der Kunstmarkt hat sich in den letzten 50 Jahren zu einem Globalbusiness entwickelt. Die Preisentwicklungen der lebenden zeitgenössischen Künstler zeigt immer wieder neue Rekorde und darunter wird natürlich auf viele Werke von Künstlern schwer spekuliert.

Mario Bermel: Als Galeristen und Kunsthändler können wir nur seriös empfehlen in Kunst zu investieren als Anlage, aber nicht als Spekulationsobjekt. Die Menschen, die nur mit den „Ohren“ und nicht mit den „Augen“ kaufen, springen auf einen angesagten Namen, ohne sich zu informieren und sich tiefer mit dem Künstler auseinanderzusetzen. Die Priorität einer professionellen Galerie ist es wichtige Arbeiten eines Künstlers in prestigevollen Privatsammlungen und Museen zu platzieren, damit der Künstler sich auf dem Kunstmarkt etabliert. Spekulateure sind kontraproduktiv und eine Gefahr für die Entwicklung der Karriere eines Künstlers. Eine Galerie vermittelt die besten Kunstwerke an die treuen, seriösen und langfristigen Kunden. Sammler, die einen Künstler und eine Galerie unterstützen und leidenschaftlich mit den Kunstwerken lange leben sind die wahren Gewinner. Spekulateure enden meistens mit Kunstwerken niedriger Qualität.

Welche Risiken begleiten solch ein finanzielles Engagement in Bezug auf Wertverluste oder auch überteuerte Ankäufe?

Aleksandra von Luxburg: Wer sich die Zeit nimmt sich intensiv mit der Kunst auseinanderzusetzen, entwickelt einen Sinn für Qualität. Besuche zu Ausstellungen in Museen, Galerien und Auktionen schult das Auge. Einen professionellen, erfahrenen und vertrauenswürdigen Galeristen an seiner Seite zu haben, hilft bei der Auswahl von wichtigen und starken Kunstwerken. Wir, Galeristen, sehen uns als Kulturbeiträger und freuen uns Menschen in die Kunst einzuführen, die Leidenschaft zur Kunst zu entfachen und einen Austausch zu fördern. Was gibt es Schöneres als eine Galerie umsonst zu besuchen und sich mit einem Menschen intensiv über Kunst auszutauschen. Sammler, die aus Prinzip auf hohe Qualität setzen, minimieren die Risiken eines Wertverlustes. Ein Wertverlust kann durch mehrere Faktoren entstehen: Ein Galerist stirbt weg und der Künstler findet keine neue Galerie; die Produktion des Künstlers lässt an Qualität nach; der Künstler findet mit einer neuen Serie keinen Anklang. Wer sich also finanziell in der Kunst engagiert, sollte als oberstes Ziel die Qualität haben.

Wie kann ich am besten und auch am sichersten meine Kunstwerke wiederverkaufen?

Mario Bermel: Für den Wiederverkauf eines Kunstwerkes gibt es verschiedene Möglichkeiten: Der Verkäufer spricht mit seinem Galeristen, ob er das Kunstwerk vermitteln kann. Oft freut sich der Galerist über ein frühes und qualitätsvolles Kunstwerk, dass er erneut durch seine Kontakte vermitteln kann. Der Verkäufer und der Galerist treffen ein Arrangement über die Prozente im Wiederverkauf.

Der Verkäufer hat die Möglichkeit einen privaten Kunstberater zu beauftragen zur Vermittlung des Kunstwerkes. Der sogenannte Art Advisor findet dann in Diskretion einen neuen Abnehmer für das Werk.

Der Sammler kann auch das Risiko eingehen das Kunstwerk in ein Auktionshaus einzuliefern. Hier entsteht die Chance, dass das Objekt einen hohen Preis erzielen kann, wenn mehrere Käufer auf das Kunstwerk bieten und sich duellieren. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass das Werk keinen Abnehmer findet und somit unverkauft als „verbrannt“ gilt. Diese Situation macht es schwieriger einen neuen Käufer kurzfristig zu finden. Das Kunstobjekt muss entweder für längere Zeit weggepackt oder mit einem niedrigeren Preis angeboten werden.

Ist es sinnvoll, vor dem Ankauf von Kunstgegenständen einen unabhängigen Gutachter zur Beurteilung zu beauftragen?

Aleksandra von Luxburg: Für Menschen, die Anfänger oder unsicher sind, ist es wie in jeden Bereich des Lebens ratsam qualifizierte Beratung zu bekommen. Die Beratung sollte aber von einem wirklichen Fachmann kommen und nicht von jemandem, der die Unsicherheit und das Vertrauen des Anfängers ausnutzt.

Wie hoch ist die geschätzte durchschnittliche jährliche Rendite im nationalen oder internationalen Kunsthandel?

Mario Bermel: Bei dieser Frage kann man keine Pauschalantwort geben. Es kommt ganz spezifisch auf das Kunstobjekt, den Künstler und die Qualität des Kunstwerkes an. Hier muss man eine tiefe Analyse machen. Auf langfristige Sicht wird qualitative Kunst Rendite abwerfen. Jährliche oder kurzfristige Prognosen zu machen wäre nicht angebracht.

Kann jeder ein Kunstwerk bei einem Auktionator einreichen, um es dann verkaufen zu lassen?

Mario Bermel: Jeder kann Kunst einem Auktionshaus anbieten. Der Auktionator und seine Expertenteam entscheiden, ob das Kunstwerk in Ihre zukünftigen Auktionen passt und interessant für Ihre Kunden ist.

Welche aktuelle Kauf-Empfehlung würden Sie einem „Neueinsteiger im Kunstbusiness“ geben?

Aleksandra von Luxburg: Für Neueinsteiger würde ich raten viele Ausstellungen in Museen, Galerien und Auktionen zu besuchen und mit Literatur und mit Kunstgeschichte sich auseinanderzusetzen. Man entwickelt über die Zeit seinen eigenen Geschmack und entdeckt seine Vorlieben. Unser Rat als Galerist ist es Kunst zu kaufen mit der man länger leben möchte und vor allem Freude hat. Neueinsteiger können mit jungen Künstlern oder preiswerten Papierarbeiten starten und sich so an den Kunstmarkt herantasten. Man kann auch mit kleinem Budget manchmal richtige Treffer landen. Die Freude und die Leidenschaft an der Kunst sollten im Vordergrund stehen. Wer sich traut höher einzusteigen, sollte eine enge Beziehung zur seiner favorisierten und Galerie aufbauen, sich beraten lassen und gemeinsam mit dem Galeristen über längere Zeit eine möglichst wunderschöne Kunstsammlung aufbauen.

Frau von Luxburg, Herr Bermel, vielen Dank für das Gespräch.

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Hallo Mario,
    Du sagst..auf langfristige Sicht wird qualitative Kunst Rendite abwerfen…
    Es bleiben jedoch 3 Fragen offen:
    Was bedeutet langfristig? 10 , 50 oder gar 100 Jahre?
    Was bedeutet qualitativ in der Kunst? Joseph Abel, Warhol oder Jeff Koons?
    und die wichtigste Frage… wie viel Rendite?
    Hoffe auf deine Antworten bei bei nächster Gelegenheit,
    Grüße
    Adam W.

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