Kai Dietrich: Stehen die Märkte kurz vor einem Absturz?

Der Fachwirt für Finanzberatung (IHK), Kai Dietrich von Dietrich & Richter Private Asset Management AG, spricht im Interview über drohenden Absturz und Sicherheit für Investoren.

Kai Dietrich

Besteht die Gefahr, dass durch den Lockdown die Märkte erneut abstürzen?

Kai Dietrich: Die Sorge um einen bevorstehenden Lockdown hat die Märkte bereits im Vorfeld bewegt. Der schnelle Anstieg der Aktienmärkte nach dem Absturz im März spiegelte nicht den wirtschaftlichen Verlauf wieder, und eine Korrektur war absehbar. Einen Absturz wie im Frühjahr erwarten wir derzeit nicht, die wirtschaftlichen Auswirkungen werden sich aufgrund der staatlichen Interventionen im Rahmen halten. Das Krisenmanagement bei Unternehmen, Verbrauchern und beim Staat wird langsam besser und die Unsicherheiten werden weichen.

Wie können Investoren Ihr Kapital aktuell in Sicherheit bringen?

Kai Dietrich: Für Investoren bleibt es sicherlich wichtig – auch ohne Pandemie – die Vermögenswerte breit diversifiziert anzulegen und auf die Bonität und Stabilität der Investitionen zu achten. In einer Krise leiden diejenigen Firmen am meisten, die einen hohen Fremdkapitalbedarf haben. Klare und einfache Investition sollten bevorzugt werden. Außerdem ist es ratsam Aktien- und Aktienfondsbestände regelmäßig abzusichern und notfalls in Liquidität umzuschichten, die Schwankungsbreite am Markt wird aufgrund vieler Faktoren hoch bleiben. Diese kann man nicht umgehen, aber man kann sie reduzieren.

Was halten Sie vom Gold-Run? Der Goldpreis ist ja bereits im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Kai Dietrich: Gold ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil im Depot, aber aus unserer Sicht eher als eine zusätzliche solide Währung zu betrachten und nicht als Renditetreiber. Die Aufblähung der Notenbankbilanzen und die Nullzins-Politik haben den Preis in den letzten Monaten befeuert, weitere Kurssteigerungen sind durchaus denkbar. Allerdings ist der Preis auch stark von Spekulanten getrieben, deren Geld ist auch schnell wieder aus dem Markt verschwunden und könnte für Korrekturen sorgen. Außerdem reduziert die Schmuckindustrie aufgrund des erschwerten Absatzmarktes (Lockdown) aktuell auch die physische Goldnachfrage. Neuinvestoren sollten sich auch hier den hohen Schwankungen bewusst sein, es hat sehr lange gedauert, bis der der Goldpreis neue Höchststände erreicht hat. Ein sukzessiver Aufbau ist auch hier ratsam.

Wie investieren Sie privat? Und Hand aufs Herz wie erfolgreich laufen Ihre Investments?

Kai Dietrich: Aufgrund unserer Firmengründung ist viel Kapital in den Firmenaufbau geflossen, ansonsten setzen wir im liquiden Vermögensbereich 1:1 unsere Firmenstrategie um. Die Investitionen, die wir mit gutem Gewissen für unsere Kunden tätigen,  machen ja schließlich auch für uns Sinn.

Können Sie eine Zukunftsprognose abgeben, wie sich Ihre Branche in der Zeit nach Corona entwickeln wird?

Kai Dietrich: Der Finanzsektor wird sich deutlich verändern, die Digitalisierung beschleunigt sich auch in diesem Bereich, hier entstehen viele neue „Digitale“-Berater. Es wird voraussichtlich auch mehr freie persönliche Berater geben, aber der Bankensektor wird weiter dramatisch schrumpfen. Dies führt zu weiteren Filialschließungen und einem erheblichen Abbau an Arbeitsplätzen. Problematisch sehen wir in diesem Zusammenhang, dass viele potentielle Kunden keinen Zugang mehr zu einer guten Beratung bzw. Betreuung Ihrer Vermögenswerte und sinnvollen Altersvorsorgelösungen bekommen. Die regulatorischen Vorschriften in unserer Branche haben sich deutlich erhöht und dies führt zu einem steigenden Kostendruck, wünschenswert wäre hier sicherlich eine Entlastung.

Herr Dietrich, vielen Dank für das Gespräch.

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