Klaus Haller: Eine 100%ige Sicherheit bietet keine Anlageform mehr

Wir sprechen mit Klaus Haller, geschäftsführender Gesellschafter DAS WERTEHAUS Vermögensverwaltung GmbH aus München, über verschiedene Anlagemöglichkeiten vor dem Hintergrund der Coronapandemie.

Klaus Haller

Besteht die Gefahr, dass durch den Lockdown die Märkte erneut abstürzen?

Klaus Haller: Ich glaube nicht, dass es zu einem Crash mit den Ausmaßen des im Frühjahr gesehenen Absturzes kommen wird. Anders als im Frühjahr versucht man die Auswirkungen geringer zu halten – z.B. bleiben Schulen und Geschäfte geöffnet. Des Weiteren gibt es globale Stimulanzien von der Zins-, der Liquiditäts- und der fiskalpolitischen Seite, wie wir sie noch nie hatten. Auch die Unternehmen haben zunehmend gelernt mit Corona in der Dauerkrise zu leben. Dabei ist die Erholung im operativen Geschäft der Fahrzeugbranche eine Hoffnung dafür, dass die Wirtschaft selbst bei fortgeschrittenen Lockdown-Maßnahmen nicht mehr so heftig einbricht wie im Frühjahr. Gleichwohl werden wir uns auf volatile Märkte einstellen müssen, da nicht nur die neuesten Infektionszahlen, sondern auch weltpolitische Ereignisse (USA Wahl, Brexit) und deren Auswirkungen die Finanzmärkte beeinflussen werden.

Wie können Investoren Ihr Kapital aktuell in Sicherheit bringen?

Klaus Haller: Ein 100%ige Sicherheit bietet keine Anlageform mehr. Eine breite Risikostreuung der Investitionen, unter Berücksichtigung der Risikobereitschaft des Kunden, und eine „ruhige Hand“ sind daher unerlässlich.

Was halten Sie vom Gold-Run? Der Goldpreis ist ja bereits im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Klaus Haller: Gold wird im Allgemeinen als das ultimative Krisenmetall oder auch Zahlungsmittel angesehen. Bei genauer Betrachtung gibt es wie bei so vielen Dingen zwei Seiten der Medaille:

Angebot und Nachfrage. Damit der Preis steigen kann, muss die Nachfrage höher sein als das Angebot. Gold gilt z.B. in der Bevölkerung vieler asiatischer Länder als bedeutende Liquiditätsreserve. Dies führte in der Corona-Krise am Beispiel Thailand dazu, dass ein Land welches kein Gold fördert, rd. 40 Tonnen Gold exportiert hat, um deren Liquiditätsbedarf zu stillen. Trotz dieses zusätzlichen Angebots konnte sich der Goldpreis entsprechend entwickeln! Wir sehen in einer Investition in Gold zur Beimischung und Risikostreuung langfristig weiterhin gute Chancen, wobei durchaus Risiken durch staatliche Regulierung, speziell in der Zugänglichkeit und Handelbarkeit für Privatinvestoren bestehen.

Wie investieren Sie privat? Hand aufs Herz, wie erfolgreich laufen Ihre Investments?

Klaus Haller: Natürlich ist ein nicht unerheblicher Teil meines Vermögens in der eigen genutzten Immobilie, sowie in der Beteiligung an unserem Unternehmen gebunden. Für die Investition des freien liquiden Vermögens schlägt nur ein Herz in meiner Brust. Die Empfehlungen, die wir unseren Kunden aussprechen, setzte ich auch privat um. Aufgrund meiner persönlichen Risikoaffinität bevorzuge ich hierbei die Aktienmärkte. Im Hinblick auf mögliche Interessenskonflikte und Compliance erfolgt die Umsetzung nicht in Einzeltitel, sondern im Schwerpunkt über Investmentfonds bzw. ETF`s. Mit der Entwicklung meiner Investments bin ich, trotz Corona auch in 2020 durchaus zufrieden.

Können Sie eine Zukunftsprognose abgeben, wie sich Ihre Branche in der Zeit nach Corona entwickeln wird?

Klaus Haller: Seit dem Ausbruch des Coronavirus Ende Februar 2020 standen viele Unternehmen vor bisher ungekannten Herausforderungen; auch die Aufrechterhaltung ihres Betriebs. Digitale Prozesse waren hier oftmals Lösungen; der digitale Wandel wurde dadurch beschleunigt. Die aktuelle Situation unterscheidet sich von allen bisherigen Krisen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass unsere Branche gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Der Trend zu einem kompetenten und seriösen Ansprechpartner wird auf Grund der vielen negativen Einflüsse der vergangenen Monate zunehmen. Allerdings verstärkt die Krise mittlerweile schon bestehende Trends bei potentiellen Kunden, auf die wir weiter unsere Aufmerksamkeit legen müssen:

– Beschleunigung der digitalen Transformation für ein verbessertes Kundenangebot und innovative Dienstleistungen.

– Bestätigung der Relevanz des Portfoliorisikomanagements und eines zentralisierten Anlageprozesses

– Zunehmender Fokus auf ESG und langfristige Wachstumstrends im Anlagebereich

Herr Haller, vielen Dank für das Gespräch.

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