Eigener Getränkebecher spart dem Kunden 30 Cent – Vivian Sander (denn’s Biomarkt)

Vivian Sander ist Leiterin der Region Berlin bei denn’s Biomarkt GmbH. Im Interview spricht sie über Verpackungsarten, deren Optimierung und Müllvermeidung.

Was halten Sie von einer Sonderabgabe für Verpackungs-Kunststoff und Einweg-Plastik?

Vivian Sander: Wir bei Denns BioMarkt setzen uns gemeinsam mit Partnern und Lieferanten dafür ein, die ökologische Bewegung zukunftssicher weiterzuentwickeln. Schon immer wirken wir verantwortungsbewusst darauf hin, Verpackungsmüll zu vermeiden. Dort, wo es machbar ist, setzen wir auf sinnvolle Alternativen zu Verpackungs-Kunststoffen: Auf unverpackte Ware, auf Mehrweg statt Einweg, auf nachhaltige Transportbehältnisse, etwa aus Maisstärke, Papier und Biobaumwolle oder auf kompostierbare Materialien, bei Teebeuteln zum Beispiel. Mit Gemüsenetzen aus Zellulosefasern sparen wir jährlich sieben Tonnen Kunststoff ein. Und natürlich unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden darin, eigene Behältnisse mitzubringen.

Die genannten Beispiele sind kleine Erfolge. Sie zeigen, dass Handel, Erzeuger, Lieferanten und Kunden eigenverantwortlich dazu beitragen können, Verpackungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Als mindestens ebenso wichtig wie das eigenverantwortliche Handeln erachten wir das Thema Transparenz. Deshalb begrüßen wir den Ansatz von „True Cost Accounting“. Dabei wird mit Hilfe neuer Methoden der wahre Preis von Produkten ermittelt. Das heißt, auch die Auswirkungen auf das natürliche und soziale Kapital werden monetär berechnet. Demnach müssten Folgekosten von Ackergiften etwa auf die Preise konventioneller Lebensmittel aufgeschlagen werden.“

Die Branche ist sich offensichtlich einig, dass man die Recyclingquote von Plastik erhöhen will, dennoch fehlt es an den nötigen Strukturen zum Sammeln und Recyclen. Wie sehen Sie das?

Wir sehen ebenfalls Nachbesserungsbedarf bei der Infrastruktur. Zum Beispiel wäre es wünschenswert, dass bei der Müllverwertung nachgerüstete wird, damit kompostierbare Verbundstoffe nicht länger verbrannt werden.

Der Handel hat den ersten Schritt gemacht und Rossmann, dm und weitere Händler haben vor wenigen Wochen ein neues Zeichen eingeführt, das auf umweltschonende Verpackungen hinweist. Reicht das Ihrer Meinung nach aus?

Vivian Sander: Jeder Schritt in diese Richtung ist richtig und wichtig.

Wie kann man den Kunden einen pflichtbewussteren Umgang mit Plastikmüll beibringen – also richtige Entsorgung beispielsweise?

Vivian Sander: Als Fachhandel für Bio-Lebensmittel verstehen wir uns bei Denns BioMarkt als Vermittler ökologischer Prinzipien: Zwischen unseren Landwirten, Produzenten und Lieferanten auf der einen und unseren Kunden, die nachhaltiges Wirtschaften unterstützen, auf der anderen Seite. Dass ihnen die Herkunft der Produkte, die Transparenz und nachhaltige Produktkreisläufe wichtig sind, bestärkt uns darin, vor allem Mehrweglösungen und Unverpackt-Angebote weiter voranzubringen. In Denns BioMärkten und bei vielen BioMarkt-Partnern können die Kunden eigene Behältnisse mitbringen, um sie an Käse-, Fleisch- und Backtheken mit Frischewaren befüllen zu lassen. Wir bieten auch Mehrwegbecher an und rabattieren jedes Heißgetränk um 30 Cent, wenn der Kunde einen eigenen Becher mitbringt. Nicht zuletzt führen wir in vielen Märkten ein breites Angebot an unverpackter Ware. In unserem Obst- und Gemüsebereich liegt der Anteil an loser, unverpackter Ware heute schon bei rund 90 Prozent.

Im Zuge der Kunststoff-Diskussion wurde der Begriff Bio-Plastik geschaffen. Lenkt das nicht einfach von den eigentlichen Problemen ab?

Vivian Sander: In den vergangenen Jahren hat sich viel bewegt. Es gibt verschiedene Ansätze, Verpackungsmüll zu vermeiden. In unseren Augen ist es am nachhaltigsten, wenn wir dort, wo es machbar und wirtschaftlich vertretbar ist, auf unverpackte Ware setzen und Mehrweglösungen den Einwegvarianten vorziehen.

Können Sie sich vorstellen, Ihre Kunden an das Thema Plastikmüll in E-Mails oder Newslettern zu erinnern, um das Bewusstsein zu verändern?

Vivian Sander: Wir unterstützen unsere Kunden in ihrem bewussten Lebensstil natürlich auch digital und zeigen beispielsweise sinnvolle Alternativen zu herkömmlichen Verpackungsmaterialien auf. Mit weitreichenden Mehrwegangeboten wollen wir darüber hinaus darauf hinwirken, so wenig Verpackungsmüll wie möglich überhaupt erst entstehen zu lassen. Das schätzen unsere Kundinnen und Kunden sehr.

Frau Sander, vielen Dank für das Gespräch.

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