Fred Schienitzki: Die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden verstehen

Wir sprechen mit Fred Schienitzki von der FBS Finanzberatung & Service aus Berlin, über das Thema Finanz- und Anlageberater.

Die richtige Wahl des geeigneten Finanzberaters ist heutzutage keine leichte Entscheidung, weil jeder von sich sagt, er sei der Beste. Wo liegen die Qualitätsunterschiede?

Fred Schienitzki

Fred Schienitzki: Es ist genau so schwierig wie eine gute Kfz-Werkstatt oder einen Rechtsanwalt zu finden. Sie wissen auch nicht, ob Ihr Bankberater Ihnen einen exzellenten Aktienfond empfiehlt, oder einen nach der Wochenvorgabe der Bank. Einen Tipp hätte ich aber. Suchen Sie sich einen Spezialisten, der ausschließlich den ganzen Tag mit Anlageprodukten beschäftigt ist. Und ein Qualitätsmerkmal wäre noch, wenn dieses eine Kooperation mit einem Wirtschaftsprüfer und Rechtanwalt für die Überprüfung der Exposees pflegt. 

Um die richtige Strategie zu planen und umzusetzen, erfordert es jahrelanger Expertise. Was zeichnet Sie als echten Fachmann aus und wo haben Sie Ihr „Handwerk“ gelernt?

Fred Schienitzki: Meiner Meinung nach bedarf es in erster Linie, die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden richtig einzuschätzen und zu verstehen. Diese erfährt man nur, wenn man sich als Berater viel Zeit nimmt und viele Fragen stellt. Erst dann kommt die Ausbildung und die 27-jährige Erfahrung bei mir dazu.

Was halten Sie von der Idee, die Finanz- und Anlageberater nach Leistung zu entlohnen, also entsprechend der Performance statt vorab durch z.B. Agio oder Ausgabeaufschläge?

Fred Schienitzki: Ich war schon immer ein Freund der Leistungsbelohnung. Leider werden Fußballprofis auch nicht danach bezahlt, welche Leistung sie am Samstagnachmittag auf dem Platz zeigen. Oder um in der Finanzwelt zu bleiben, ein Fondmanager nach der Performance seiner Fonds.

Wenn man Ihre Branche verpflichten würde, einen jährlichen Überblick über die Beratungsergebnisse (in Prozent) der Kunden zu veröffentlichen, hätten es dann die Kunden nicht leichter, sich für jemanden zu entscheiden?

Fred Schienitzki: Definitiv! Dadurch würde mehr Transparenz unter den Beratern entstehen. Das würde auch Ihre erste Frage beantworten. Leider sehe ich diese Entwicklung in den nächsten Jahren nicht kommen. Die Finanzbrache allgemein hat in den letzten Jahren eine „Überregulierung“ erfahren, nicht immer zum Vorteil des Verbrauchers. Es wurde am „grünen“ Tisch entschieden, ohne auf die Praxis zu schauen.

Die BaFin ist arg in die Kritik geraten durch zuletzt den Wirecard-Skandal. Ist das deutsche Finanzwesen ausreichend kontrolliert und reguliert?

Fred Schienitzki: Da steht der Faktor Mensch im Wege, jeder möchte viel Geld verdienen und reich werden. Wie Sie sicherlich wissen, haben einige Mitarbeiter der BaFin ihr persönliches Geld in Wirecard investiert. Dadurch kann man von Kontrolle schlecht reden, wenn einige Menschen persönlich von den Dingen profitieren können. Eine ausnahmslose Unabhängigkeit und Neutralität wäre der richtige Schritt in Richtung Kontrolle und bei der Regulierung wäre es, praxisorientiert zu denken und handeln. 

Um die vermeintlich große Konkurrenz in der Branche, die Robo-Adviser, ist es still geworden. Ist der Mensch am Ende doch viel besser als ein Computer?

Fred Schienitzki: Zum Teil ja. Computer sind dem Menschen in einigen Bereichen komplett überlegen. Nur wie soll eine Computersoftware aussehen, die die richtigen Fragen beim Kunden stellt? Computer können viel schnellere Rechenoperationen vollziehen als der Mensch.  Aber auch die richtigen Entscheidungen? Sie kennen keine Emotionen oder Empathie, der Mensch schon.  Deshalb plädiere ich für ein Nebeneinander. Nimmt man die Stärken beider, können Entscheidungen in der Zukunft besser sein.

Herr Schienitzki, vielen Dank für das Gespräch.

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