Wolfram Eberhardt: Keine schlechtere Produktivität in Zeiten hoher Homeoffice-Quoten

Wir sprechen mit Wolfram Eberhardt, Leiter der Unternehmenskommunikation / Corporate Communications der CLAAS KGaA mbH, über arbeiten in Zeiten der Corona-Pandemie. Das Familienunternehmen CLAAS wurde 1913 gegründete und ist einer der weltweit führenden Hersteller von Landtechnik.

Wolfram Eberhardt

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Abläufe in Ihrem Unternehmen?

Wolfram Eberhardt: Corona hat auch bei CLAAS vieles verändert. Produktion und Lieferketten bedürfen eines aufwändigeren Monitorings, Teams und Schichten wurden v.a. im Frühjahr und seit Beginn der „Zweiten Welle“ stärker separiert. Kontaktmöglichkeiten im Unternehmen werden auf ein Minimum begrenzt – durch verstärktes Homeoffice, Verlegung von Meetings in Skype, getrennte Essensausgaben, u.v.m.

Haben Sie Corona-bedingte Umsatzeinbußen, und welche Gegenmaßnahmen haben Sie dafür entwickelt?

Wolfram Eberhardt: Bislang wirkt sich die Corona Pandemie nicht negativ auf die Umsatzentwicklung ausgewirkt, da Lebensmittel und damit auch Landmaschinen in Krisenzeiten weiterhin benötigt werden. Zudem steigen die Erzeugerpreise bei Getreide durch Corona-bedingte Exportbeschränkungen an, aufgrund des gesunkenen Konsums im Gastronomiegewerbe sind die Preise für Fleisch und Kartoffeln dagegen gefallen. Die Agrarbranche ist seit Jahren an starke lokale Preis- und Absatzschwankungen gewöhnt, durch das Agieren in vielen Märkten und auf allen relevanten Kontinenten können derartige Schwankungen oft recht gut kompensiert werden.

Bei vielen Unternehmen setzt sich das Home-Office mehr und mehr durch. Könnte das auch eine Option für die Zukunft sein, wenn wir wieder eine Normalisierung haben?

Wolfram Eberhardt: Homeoffice wird auch nach der Pandemie bei CLAAS eine größere Rolle spielen. Daran wird in unserem Unternehmen bereits intensiv gearbeitet, jedoch nicht erst seit der Corona-Pandemie. In Zeiten hoher Homeoffice-Quoten konnten wir keine schlechtere Produktivität in unseren Abteilungen feststellen. CLAAS sieht daher im Homeoffice Chancen für die Mitarbeiter wie auch für das Unternehmen. Jedoch sind klare Regeln notwendig, was beispielsweise Arbeitszeiten und Erreichbarkeit anbelangt.

Würden Sie sich dafür einsetzen, dass Ihre Mitarbeiter kostenlose Corona-Tests und -Impfungen erhalten?

Wolfram Eberhardt: Die Möglichkeit kostenloser Tests besteht seit einigen Monaten und wurde auch stark nachgefragt. Aktuell konzentrieren wir uns stärker auf die Produktionsbereiche in denen kein mobiles Arbeiten möglich ist. Bzgl. der Corona-Impfung möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt nichts vorwegnehmen, da noch zu viele Unbekannte im Spiel sind. Hier beobachten wir in den nächsten Monaten die Lage weiterhin sehr aufmerksam, um zu einem angemessenen Zeitpunkt für unsere Mitarbeiter und das Unternehmen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie gehen Sie mit der Situation um, dass man Mitarbeiter im Home-Office kaum überwachen kann und alles auf Vertrauen basiert, dass wirklich Vollzeit gearbeitet wird.

Wolfram Eberhardt: Wie erwähnt, hat die Produktivität unserer Abteilungen nicht nachgelassen. Das ist der beste Marker dafür, ob Homeoffice funktioniert oder nicht. Überforderung von Mitarbeitern durch Homeoffice sind uns bei CLAAS bisher nicht bekannt, jedoch muss auf den Teamzusammenhalt geachtet werden – was ein regelmäßiges Treffen von Mitarbeitern zum Austausch, für Projektbesprechungen und für weitere Zwecke auch zukünftig unabdingbar macht.

Online-Konferenzen und Mitarbeiter-Besprechungen könnte man mehr und mehr zu Video-Events umbauen, die zu Hause abgehalten werden. Wird sich der Trend auch nach der Pandemie durchsetzen?

Wolfram Eberhardt: Definitiv wird einiges davon nach der Krise „hängen bleiben“. Es zeigt sich zudem, dass digitale Konferenzen und Besprechungen oft zielgerichteter und disziplinierter durchgeführt werden. Jedoch ist für bestimmte Themen das Präsenz-Meeting nach wie vor die erste und beste Wahl. Wenn man Gesprächspartnern direkt in die Augen sehen kann, ihre Mimik und Gestik unmittelbar mitbekommt, erhalten Teilnehmer eine ganz andere Wahrnehmung als in einer digitalen Konferenz. Unterschiede gibt es auch bei der Länge: Meetings mit einer Dauer von maximal einer Stunde lassen sich problemloser digitalisieren, als lange Workshops oder stundenlange Konferenzen.

Es heißt, die Arbeit von zu Hause aus, ist eine große Umstellung und fällt einigen Mitarbeitern schwer. Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Eingewöhnung?

Wolfram Eberhardt: Grundsätzlich konnten wir hier keine größeren Probleme in der Breite feststellen, jedoch gibt es sicher Einzelfälle bei denen das so ist. Im Homeoffice muss man sich selbst noch besser organisieren, den Tagesablauf noch strikter durchplanen, noch disziplinierter arbeiten. Das fällt einigen leichter als anderen. Kommt dann noch die Kinderbetreuung dazu, dann kann das durchaus eine Herausforderung sein. Hier ist klar auch die Führungskompetenz unserer Führungskräfte gefragt, um etwaige Probleme zeitig zu identifizieren und gemeinsam mit den Mitarbeitern zu lösen. Bislang ist das bei CLAAS sehr gut gelungen. Grundsätzlich darf zu Corona-Zeiten jeder Mitarbeiter, der symptomlos und nicht erkrankt ist, weiterhin im Rahmen unserer geltenden Raumkonzepte zum Arbeiten in sein Büro kommen – das wird niemandem verwehrt. Im Übrigen sorgen wir durch fortlaufende Kommunikation mit unseren Mitarbeitern über das Intranet und eine Mitarbeiter App dafür, dass „der Faden nicht abreißt“. Jeder bleibt so stets auf dem aktuellen Stand, was sich im Unternehmen tut – auch das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für zufriedene Mitarbeiter in Corona-Zeiten.

Herr Eberhardt, vielen Dank für das Gespräch.

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