Ralf Becker: Die Corona-Pandemie verhärtet die ohnehin schon angespannten Versicherungsmärkte

Ralf Becker ist Geschäftsführer der Funk Versicherungsmakler GmbH. Im Interview mit uns spricht er über die Folgen von Corona, Absicherung gegen Umsatzeinbrüche sowie Schutz vor „Fake-Angeboten.“

Die tiefgreifenden Folgen von Corona beeinflussen den Versicherungsmarkt nachhaltig. So wird der Ruf nach Absicherungen gegen die Folgen der Pandemie (Schließungen, Ausfälle, Umsatzrückgänge) immer lauter. Welche Versicherungslösung könnte die Auswirkungen am besten abdecken?

Ralf Becker

Ralf Becker: Epidemien und Pandemien gehören zu den so genannten Kumulrisiken. Das heißt, dass ein einzelnes Schadenereignis sehr, sehr viele Einzelschäden verursacht. Und aufgrund dieses hohen Schadenausmaßes überfordert eine Pandemie die private Versicherungswirtschaft – ähnlich wie Terrorrisiken.

Daher sind diese Risiken weder im Erst- noch im Rückversicherungsmarkt konventionell versicherbar. Eine Versicherungslösung wäre nur dann denkbar, wenn sich der Staat an einem Versicherungsmodell für Kumulrisiken beteiligt. Eine Blaupause dafür ist das Geschäftsmodell des Spezialversicherers EXTREMUS der mit einer Staatsgarantie versehen ist. EXTREMUS wurde als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September gegründet.

Unabhängig von einem Versicherungsschutz können sich Unternehmen jeder Größenordnung mit einem Business Continuity Management auf die Folgen einer Pandemie vorbereiten. Das heißt, Unternehmen sollten einen Plan entwickeln, wie Produktion, Lieferketten und systemrelevante Prozesse im Schadenfall aufrechterhalten werden. Dabei lässt man sich am besten von einem erfahrenen Risikomanager beraten und entwickelt gemeinsam mit diesem alternative Abläufe.

In Ihrem „Funk Forum Markt-Spezial“ weisen Sie auf die schwierige Ertragssituation der Sach-Versicherer hin. Unternehmen müssten daher davon ausgehen, dass der Druck bei Vertragsverlängerungen noch zunehmen wird – und das, nachdem es bereits 2018 und 2019 eine Prämiensteigerung gab. Ist die Situation so schlimm?

Ralf Becker: In der Sach-Versicherung liegen die Schadenaufwendungen seit Jahren über den Prämieneinnahmen. Die bisherigen Maßnahmen der Sach-Versicherer haben bis auf wenige Ausnahmen nicht dazu geführt, dass bereits eine nachhaltige Verbesserung der Ertragssituation eingetreten ist. Daher erhöhen viele Versicherer nun die Prämien und reduzieren Deckungskapazitäten für ihren Gesamtbestand. Und zwar unabhängig davon, ob der Kunde in der Vergangenheit Schäden verursacht hat oder nicht. Die Marktverhärtung trifft nicht nur den Sach-Markt, sondern beispielsweise auch die D & O-, Cyber- und Kredit-Versicherung, Auch dort werden Deckungskapazitäten verknappt und die Preise ziehen an.

Wird sich das in absehbarer Zeit ändern?

Ralf Becker: Die Corona-Pandemie verhärtet die ohnehin schon angespannten Versicherungsmärkte. Ob sich das in absehbarer Zeit ändern wird, hängt maßgeblich von weiteren Einflussfaktoren wie Großschäden und Naturkatastrophen ab – vor allem aber vom Niedrigzinsumfeld. Für 2021 sollten sich Unternehmen  darauf einstellen, dass der Druck auf dem Sach-Versicherungsmarkt hoch bleibt.

Viele Unternehmen achten bei einem Makler neben der technischen Expertise besonders auf die Qualifikationen im Bereich der Risikoermittlung und -bewertung sowie die Schadenexpertise. Wie ist Funk in diesen Bereichen aufgestellt?

Ralf Becker: Funk ist ein Systemhaus für Risikolösungen – dementsprechend halten wir eine hohe Expertise im Bereich Risikoermittlung und -bewertung vor. Wir beraten unsere Kunden zu Versicherungslösungen und Risikomanagement. Dazu zählt auch die Beratung zu Konzepten zur höheren Eigentragung. Zudem schaffen wir gemeinsam mit unseren Kunden Transparenz über ihr Risiko, Versicherungssummen und Versicherungsorte. Dafür stehen unsere eigenen Brandschutz- und Maschinenbauingenieure beratend zur Verfügung. Natürlich unterstützen wir auch im Schadenmanagement.

Wie kann sich ein kleines oder mittleres Unternehmen gegen Umsatzeinbrüche oder Auftragsrückgänge aufgrund der Pandemie absichern?

Ralf Becker: Wie schon bereits erwähnt, sind Epidemien und Pandemien konventionell nicht versicherbar.

Dadurch, dass viele Arbeitnehmer „Homeoffice“ machen und online unterwegs sind, soll angeblich die Cyber-Kriminalität durch vermehrte Fake-Angebote (z. B. Corona-Risikoabsicherung) steigen. Wie kann sich der Einzelne schützen?

Ralf Becker: Durch das Homeoffice besteht die deutlich gestiegene Gefahr, beispielsweise authentisch wirkende E-Mails von Tätern zu erhalten, die Schadsoftware verteilen oder durch die vertrauliche Daten erlangt werden sollen. Unternehmen sollten ihre Angestellten daher dafür sensibilisieren. Wer sich der Risiken bewusst ist, wird weniger leicht einem Betrug zum Opfer fallen. Aus dem Blickwinkel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es wichtig,  stets kritisch und aufmerksam zu bleiben – insbesondere  bei der Eingabe oder Weitergabe von Passwörtern oder vertraulichen Informationen. Die aktuellste Version des Virenscanners auf allen Firmengeräten ist natürlich auch Pflicht. Daneben muss der Arbeitgeber darauf achten, wie das Firmennetzwerk und die Geräte geschützt werden können und müssen. Neben zwingend erforderlichen technischen Maßnahmen sollten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig geschult werden und zusätzlich über aktuelle Gefahren unterrichtet werden.

Auch Trainingsmaßnahmen wie der Versand von vermeidlichen Betrugs-E-Mails haben sich bewährt.

Herr Becker, vielen Dank für das Gespräch!

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