Florian Preuß: HomeOffice – eine Option für die Zukunft trotz Normalität?

Florian Preuß ist Leiter Public Relations und Pressesprecher bei Hornbach Holding AG & Co. KGaA. Im Interview mit uns spricht er über die Abläufe während der Corona-Pandemie, über mögliche Umsatzeinbußen sowie den Umgang mit dem HomeOffice.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Abläufe in Ihrem Unternehmen?

Florian Preuß: Wir haben uns erstmals am 31. Januar 2020 mit den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unser Geschäft und die Arbeitsbedingen in unserem Unternehmen befasst. Im Februar wurden bereits erste Schutz- und Hygiene-Maßnahmen in den Märkten, Logistikzentren und Verwaltungen umgesetzt, im März folgten weitere. Beispielsweise wurden Kassen- und Beratungszonen in den Märkten mit Abstandsmarkierungen und sogenanntem Spuckschutz versehen. Überall wurden die Reinigungsintervalle erhöht und zusätzliche Desinfektionsmittelspender aufgestellt. In der Verwaltung wurden Mitarbeiter darum gebeten, möglichst oft mobil zu arbeiten. Konferenzen und Besprechungen wurden weitestgehend virtuell durchgeführt. Dienstreisen auf ein absolutes Minimum reduziert. Uvm.

Haben Sie Corona-bedingte Umsatzeinbußen, und welche Gegenmaßnahmen haben Sie dafür entwickelt?

Florian Preuß: Nein, im Gegenteil: Obwohl im März, April und Mai zeitweise mehr als 60 von 160 Hornbach-Märkten für Privatkunden gesperrt waren, rechnen wir im gesamten Geschäftsjahr (1.3.20 bis 28.2.21) mit einem Umsatzwachstum zwischen 14 und 18 Prozent. Denn: Die Nachfrage war seit Beginn der Pandemie hoch. Die Menschen haben viel Zeit zuhause verbracht und zahlreiche Projekte in Haus, Wohnung und Garten umgesetzt. Die gesamte DIY-Branche war durchgehend stark gefragt. Wir mussten allerdings zeitweise erhebliche Anstrengungen unternehmen, um der regelrechten Flut an Onlinebestellungen gerecht werden zu können. Es wurden neue Versandzentren aufgebaut und neue Lieferwege ausprobiert. Zum Teil durfte an geschlossenen Märkten noch online reservierte Ware in sogenannten „Schleusen“ abgeholt werden. Und auch an den Märkten, die komplett geöffnet waren, mussten diverse Zusatzmaßnahmen umgesetzt werden. Beispielsweise haben Sicherheitsdienste den Kundenstrom reguliert und so auf die Einhaltung der Mindestabstände in den Märkten geachtet.

Bei vielen Unternehmen setzt sich das Home-Office mehr und mehr durch. Könnte das auch eine Option für die Zukunft sein, wenn wir wieder eine Normalisierung haben?

Florian Preuß: Für Hornbach ist das keine Frage der Zukunft, wir haben uns damit bereits in der Vergangenheit befasst – und eine Lösung gefunden. Seit einigen Jahren nutzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits die Möglichkeit, an bestimmten Tagen, nach Rücksprache mit ihrer Führungskraft, mobil zu arbeiten. Das kann zuhause sein, aber auch unterwegs … in Zug oder Bus, im Café oder auch im Wartezimmer eines Arztes. Dazu gibt es seit Anfang 2019 auch eine offizielle Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat der Zentralverwaltung. Das erforderliche Equipment – beispielsweise Notebooks und Smartphones – stellt das Unternehmen den Mitarbeitern zur Verfügung.

Würden Sie sich dafür einsetzen, dass Ihre Mitarbeiter kostenlose Corona-Tests und -Impfung erhalten?

Florian Preuß: Im Rahmen des Krisenmanagements bietet Hornbach den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Risikominimierung auf freiwilliger Basis und in indizierten Fällen (Erst- oder Zweitkontakt) bereits einen kostenlosen Schnelltest (Antigen) in Zusammenarbeit mit lokalen Arztpraxen an. Die Frage nach einer möglichen Impfung lässt sich aktuell (November 2020) noch nicht beantworten, da die Rahmenbedingungen noch nicht geklärt sind.

Wie gehen Sie mit der Situation um, dass man Mitarbeiter im Home-Office kaum überwachen kann und alles auf Vertrauen basiert, dass wirklich Vollzeit gearbeitet wird?

Florian Preuß: „Überwachen“ ist ein Fremdwort in der Haltung unseres Unternehmens. Wir streben eine offene, ehrliche und partnerschaftliche Beziehung an, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Damit hat das Unternehmen bereits vor der Pandemie beste Erfahrungen gesammelt und ist auch in den herausfordernden Monaten der Corona-Pandemie nicht enttäuscht worden. Im Gegenteil: 2020 war für die allermeisten Mitarbeiter ein enorm anspruchsvolles und arbeitsintensives Jahr. Nur mit einem hohen Maß an Engagement und Initiative ist es gelungen, den Spagat zwischen Schutzmaßnahmen einerseits und hoher Kundennachfrage andererseits erfolgreich zu meistern.

Online-Konferenzen und Mitarbeiter-Besprechungen könnte man mehr und mehr zu Video-Events umbauen, die zu Hause abgehalten werden. Wird sich der Trend auch nach der Pandemie durchsetzen?

Florian Preuß: In diesem Jahr haben viele Besprechungen, Meetings, Konferenzen und sogar komplette Messen bei Hornbach virtuell stattgefunden. Das wird auch in den kommenden Jahren sicher häufiger genutzt werden als vor der Corona-Pandemie. Denn einige Vorteile haben sich herauskristallisiert. Neben dem Entfallen zeitraubender und nicht eben umweltfreundlicher Dienstreisen hat sich auch gezeigt, dass sich per Videokonferenz viele Abstimmungen schneller und auch regelmäßiger organisieren lassen. Der Austausch untereinander hat sich intensiviert. Das steigert die Arbeitsqualität und auch die Geschwindigkeit von Entwicklungsprozessen. Aber abgesehen davon: Es wird zukünftig sicher auch wieder Veranstaltungen und Zusammenkünfte mit persönlicher Anwesenheit geben. Einige Formate leben von einem intensiven Austausch, der im direkten Kontakt einfacher ist als in der virtuellen Variante. Das gilt gerade auch für Messen mit Schau-Charakter. Oft wird es sicher auch Mischformate geben. Beispielsweise könnte ein Teil der Mitarbeiter eine interne Versammlung persönlich besuchen und ein anderer Teil sich per Videokonferenz zuschalten.

Es heißt, die Arbeit von zu Hause aus, ist eine große Umstellung und fällt einigen Mitarbeitern schwer. Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Eingewöhnung?

Florian Preuß: Wir bieten die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten bereits seit einigen Jahren an und stellen den Mitarbeitern dafür das benötigte Equipment (Notebook, Smartphone, Softphone, Headset uvm.) und weiterführende Informationen zur Verfügung. Darüber hinaus haben die Kollegen aus dem innerbetrieblichen Gesundheitsmanagement in diesem Jahr diverse Anleitungen und (Video-) Workshops zum gesunden Arbeiten außerhalb des Büros erstellt. Die Tipps und Empfehlungen betreffen nicht nur die Sitzhaltung, sondern auch Fitness- und Dehnübungen oder Ideen für eine ausgewogene und gesunde Ernährung daheim. Im Dezember finden Online-Seminare zum „gestärkten Umgang mit Stress“ statt. Weitere Aspekte werden sicher noch aufgegriffen. Alle Kolleginnen und Kollegen können sich mit Anregungen oder Wünschen melden.

Herr Preuß, vielen Dank für das Gespräch!

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