Stefan R. Fuchs: Welche Auswirkungen hat Corona auf Unternehmen?

Stefan R. Fuchs, Vorstandsvorsitzender der FUCHS PETROLUB SE, spricht im Interview, welche Folgeschäden Corona auf Unternehmen hat.

Stefan R. Fuchs

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Abläufe in Ihrem Unternehmen?

Stefan R. Fuchs: In vielen Ländern wurde FUCHS als systemkritisches Unternehmen eingestuft, wodurch es lediglich zu temporären Werksschließungen in wenigen kleineren Werken kam. Hinsichtlich der Abläufe im Unternehmen haben wir stets dynamisch auf die sich ändernden Umstände reagiert. In den Produktionen wurden die Schichtmodelle entsprechend angepasst, sodass sich die jeweiligen Schichten nicht begegnen, um dadurch die Infektionsgefahr zu reduzieren. Teilweise wurden auch Reserveschichten gebildet. Aktuell – sowie auch bereits im Frühsommer – arbeitet ein Großteil unserer Mitarbeiter im Homeoffice. Zwischenzeitlich hatten wir einen Rotationsplan eingeführt, sodass unsere Mitarbeiter auch wieder vom Büro aus arbeiten konnten. Natürlich sind auch immer noch Kollegen vor Ort. Zu deren Schutz haben wir unser Werk in Zonen eingeteilt und die Kantinenöffnungszeiten entsprechend dieser Zonen angepasst. Zudem bieten wir Schulungen an, um auf die aktuellen Hygieneregelungen aufmerksam zu machen.

Haben Sie Corona-bedingte Umsatzeinbußen, und welche Gegenmaßnahmen haben Sie dafür entwickelt?

Stefan R. Fuchs: Das Geschäft insgesamt ist natürlich stark durch Corona beeinflusst. Im ersten Quartal hat insbesondere die Region Asien/Pazifik gelitten, im zweiten Quartal hat es massive Einbrüche in Europa und in Amerika gegeben. FUCHS hat jedoch einmal mehr von seiner weltweiten Präsenz und seinem breiten Produktportfolio profitiert, sodass Schwankungen in einzelnen Branchen und Regionen zumindest abgeschwächt werden konnten. Durch Einsatz von Kurzarbeit oder ähnlichen Arbeitsmodellen, einen Einstellungs- und Reisestopp und die konsequente Durchsetzung weiterer Maßnahmen zur Kosteneinsparung konnten die Auswirkungen der Krise auf unser Ergebnis weiter abgefedert werden. In den vergangenen Monaten verzeichnen wir einen Aufwärtstrend mit Wachstum in China und einer Erholung in Europa und Amerika.

Bei vielen Unternehmen setzt sich das Home-Office mehr und mehr durch. Könnte das auch eine Option für die Zukunft sein, wenn wir wieder eine Normalisierung haben?

Stefan R. Fuchs: Auch schon vor Corona gab es Homeoffice-Lösungen, die entsprechend in den Betriebsvereinbarungen verankert wurden. Insbesondere mit Blick auf das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ werden diese bestehenden Lösungen auch weiterhin angeboten und erweitert. So erhalten alle Mitarbeiter zukünftig die Möglichkeit, vier Tage im Monat im Homeoffice zu arbeiten.

Würden Sie sich dafür einsetzen, dass Ihre Mitarbeiter eine kostenlose Corona-Tests und -Impfung erhalten?

Stefan R. Fuchs: Wir setzen uns für den Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter ein, so bieten wir beispielsweise auch kostenlose Grippeschutzimpfungen an. Ob bzw. wann dies auch für Corona-Impfungen angeboten werden kann, wird von den verfügbaren Impfdosen und der Impfstrategie der Bundesregierung abhängen.

Wie gehen Sie mit der Situation um, dass man Mitarbeiter im Home-Office kaum überwachen kann und alles auf Vertrauen basiert, dass wirklich Vollzeit gearbeitet wird?

Stefan R. Fuchs: Vertrauen ist einer unserer fünf Unternehmenswerte, die wir im täglichen Miteinander leben. Dazu gehört auch, unseren Mitarbeitern zu vertrauen, dass sie ihren Arbeitsalltag und  -ablauf so gestalten wie sie das auch vor Ort handhaben würden.

Online-Konferenzen und Mitarbeiter-Besprechungen könnte man mehr und mehr zu Video-Events umbauen, die zu Hause abgehalten werden. Wird sich der Trend auch nach der Pandemie durchsetzen?

Stefan R. Fuchs: Davon sind wir überzeugt. Wir haben sehr positive Erfahrungen mit Video-Events gemacht. So hatten wir beispielsweise im April eine virtuelle Roadshow, bei der alle Mitarbeiter weltweit über unsere FUCHS2025-Strategie und die dahinterstehenden Initiativen informiert wurden. Da die Resonanz durchweg positiv war, werden wir im Dezember unsere zweite virtuelle Roadshow abhalten und dieses Format auch zukünftig in unserer Kommunikation verankern.

Es heißt, die Arbeit von zu Hause aus ist eine große Umstellung und fällt einigen Mitarbeitern schwer. Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Eingewöhnung?

Stefan R. Fuchs: Unsere Mitarbeiter können auch weiterhin den Büroarbeitsplatz nutzen, sofern sichergestellt ist, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Zudem haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, ihr Büroequipment (Monitore, Dockingstationen, Headsets etc.) mit ins Homeoffice zu nehmen, um eine gewohnte Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Zusätzlich haben wir auch Online-Trainings zum Thema „Virtuelle Führung“ sowie Merkblätter mit Tipps zur virtuellen Teamarbeit an die Hand gegeben, um die Eingewöhnung zu erleichtern.

Herr Fuchs, danke schön für das Interview.

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