DAX sicherlich reformbedürftig – Karl-Heinz Geiger (SVA Vermögensverwaltung Stuttgart GmbH)

Karl-Heinz Geiger ist Geschäftsführer der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart GmbH. Im Interview spricht er über die geplante Ausweitung des DAX und dem Investmenttrend Ethik und Nachhaltigkeit.

Der Wirecard-Skandal hat bei der Deutsche Börse für Reformbemühungen, um eine Neuausrichtung von Deutschlands wichtigstem Aktienindex geführt. War dieser Schritt längst überfällig, was denken Sie über die Reform?

Karl-Heinz Geiger

Karl-Heinz Geiger: Der DAX ist eine relativ lange „Institution“, aber sicherlich reformbedürftig. Mit der jetzt geplanten Ausweitung auf 40 Werte kann die gesamte Breite der Deutschen Wirtschaftsbereiche eindeutig besser abgebildet werden. Zudem führt eine solche Verbreiterung automatisch auch zu einer Verringerung der Volatilität im Index. Hier hatte Deutschland in den vergangenen Jahren mit dem DAX leider immer eine „Spitzenstellung“. Geringere Volatilität dürfte mittelfristig somit auch das Vertrauen der Anleger in eine Investition im Aktiensektor erhöhen. Wir sehen deshalb diese längst überfällige Reform als sehr positives Zeichen für den deutschen Aktienmarkt.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits geht der Investmenttrend zu Ethik und Nachhaltigkeit, anderseits sollen auch Waffenhersteller aufgenommen werden, wie das Deutsche Aktieninstitut vorschlägt – wie passt das zusammen, dürfen „unethische“ Unternehmen überhaupt ausgeschlossen werden?

Karl-Heinz Geiger: Das ist eine sehr gute, fast schon philosophische Frage. Leider ist es in unserer weltweit vernetzten Industriestruktur so, dass es nicht nur nachhaltige und ethisch einwandfreie Unternehmen geben kann. Es wird deshalb für die Anleger immer eine gewisse Mischung aus allen Bereichen vorhanden sein, zumal viele Privatanleger gerne indexorientierte ETFs als Anlagevehikel einsetzen. Die Indizes wiederum sind in der Regel eben nach Größenordnungen bei den Unternehmen ausgerichtet, und da kann es schon sein, dass es bedeutende Unternehmen gibt, die nicht zu 100% ethische Anforderungen erfüllen. Kompromisse sind somit angesagt!

Investiert Ihr Unternehmen in den DAX? Würden Sie es privaten Kapitalanlegern raten?

Karl-Heinz Geiger: Ja sicher, ein gewisser Anteil großer, deutscher Unternehmen gehört bei einer vernünftigen Streuung in ein Depot. Die deutsche Wirtschaft hat auf dem Weltmarkt nach wie vor eine herausragende Rolle, die auch in unsere Anlagestrategie mit integriert wird.

Werden bei einem DAX-ETF alle Titel ausgewählt? Wie schaffen es Index-Fonds meist rentabel zu arbeiten?

Karl-Heinz Geiger: Hier muss man generell unterscheiden, ob ein ETF physisch hinterlegt ist, sprich sind die Werte, die der ETF wiederspiegeln muss (also z. B. den DAX) auch tatsächlich vorhanden oder werden diese Titel nur „künstlich“ über Termingeschäfte in den ETF gekauft. Wir achten bei unserer ETF-Auswahl stringent auf replizierte Papiere, soll heißen es müssen auch tatsächlich die Titel im ETF vorhanden sein, die dieser verspricht.

Herr Geiger, vielen Dank für das Gespräch.

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