Gerold Wolfarth: Der Facility-Management-Markt wird deutlich stärker wachsen

Gerold Wolfarth ist Gründer & CEO bk Group // Unternehmer – Mentor – Investor. Mit ihm sprechen wir über den Wandel des „Hausmeister-Service“, die Aufgaben eines Bauleiters sowie die Bedeutung des Facility-Managements.

Was früher vielleicht mal der „Hausmeister-Service“ war, hat sich heutzutage zu einem komplexen Aufgabenbereich entwickelt. Können Sie den Unterschied einmal kurz erklären?

Gerold Wolfarth: Facility Management ist mittlerweile bedeutend mehr als die klassische hausmeisterliche Dienstleistung. Über die vergangenen 20 Jahre meiner unternehmerischen Tätigkeit hat sich Facility Management kontinuierlich weiterentwickelt und wird heute von zahlreichen Unternehmen professioneller denn je angeboten. Auch wir haben einen Entwicklungsprozess durchlebt und unser facilitäres Dienstleistungsgeschäft auf die Bedürfnisse moderner Immobilieneigentümer angepasst. Stillstand darf hierbei nicht aufkommen und so entwickeln wir bereits heute Facility Management-Optimierungen und -Lösungen in den Bereichen der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit. Außerdem stellen wir uns der zusätzlichen Herausforderung, den Markt auf dem Weg zum Facility Management 4.0 zu begleiten. Modernes Facility Management ist eine strategisch ausgerichtete und in die Unternehmensprozesse integrierte Disziplin, welche eine ausgeprägte Methodenkompetenz der verantwortlichen Personen erfordert. Bereits seit einigen Jahren haben wir es auf Auftraggeberseite mit entsprechend gut qualifizierten Ansprechpartnern zu tun, die größtenteils durch einen Studiengang im Facility Management entsprechende Kompetenzen erlernt haben. Der größte Unterschied liegt aus meiner Sicht also in der Professionalisierung der Player und der Erkenntnis, dass Facility Management weit mehr ist als der tropfende Wasserhahn.

Ein guter Projektleiter ist das „A und O“ eines reibungslosen Betriebsablaufes, wobei dieser die menschlichen und technischen Aspekte (Zeit, Ressourcen, Personal und Kommunikation) miteinander verbinden muss. Wie ist da Ihre Erfahrung?

Gerold Wolfarth: Für den Betriebsablauf einer Immobilie ist der objektverantwortliche Leiter oder die Leiterin (auch genannt: Objektleiter, Projektleiter, Facility Manager, Immobilien Manager, FM Leiter) definitiv das „A und O“! Die Kernaufgabe eines Facility Managers liegt darin, die Unterstützungsprozesse für die verschiedensten Kernprozesse und Wertschöpfungsketten zu managen. Die Sekundärprozesse werden so auf das Kerngeschäft der Unternehmen bzw. Organisationen ausgerichtet, dass eine höchstmögliche Produktivität der wertbildenden Prozesse des Unternehmens und damit eine höchstmögliche Wirtschaftlichkeit bzw. Wettbewerbsfähigkeit erreicht wird. Um dies zu erreichen, müssen Facility Manager im Grunde genommen die berüchtigten „eierlegenden Wollmilchsäue“ sein. Sie müssen eine hohe Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz besitzen und zudem spezifische Kompetenzanforderungen innerhalb der unternehmensinternen Prozesse erfüllen. Die Herausforderung, dies miteinander zu verbinden, ist ein enormer Kraftakt für jeden Facility Manager. Meine Erfahrung ist leider, dass Facility Manager oftmals von Unternehmensleitungen nicht die verdiente Wertschätzung erhalten. Für viele Unternehmen sind es halt „lediglich“ Sekundärprozesse. Und oft fehlt die Erkenntnis, dass genau diese sekundären Prozesse ein maßgeblicher Bestandteil im gesamten Wertschöpfungsprozess sind. Erst wenn es zu einem Worst-Case-Szenario kommt und etwa ein Produktionsbetrieb nicht mehr produzieren kann, weil wichtige Wartungen und Instandhaltungen nicht geplant und durchgeführt wurden, bemerken einige Unternehmer die Relevanz eines funktionierenden Facility Managements. 

Effiziente Prozesse dienen einem reibungslosen Ablauf bei der Betreuung von Liegenschaften. Was qualifiziert ein Facility- und Projektmanagement zu größeren und anspruchsvolleren Aufgaben?

Gerold Wolfarth: Grundsätzlich müssen Facility- und Projektmanager genauso eine Grundausbildung im Bereich des Immobilienmanagements vorweisen können, wie dies in jedem anderen Berufsfeld der Fall ist. Mitarbeiter ohne Grundkenntnisse in diesem Bereich zu beschäftigen ist fahrlässig. Gerade in kleinen Liegenschaften wird diese Aufgabe jedoch häufiger an nicht qualifizierte Personen übertragen. Das ist nicht zielführend. Interesse am Management von Immobilien und Prozessen ist für mich eine Grundvoraussetzung für diese Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Eine hohe Ausbildungsqualität und verschiedene Kompetenzbereiche, die laut IFMA (International Facility Management Association) Bestandteil des Facility Managements sind, kann man sich ja nicht „im Vorbeigehen“ erwerben. Wie sieht die Ausbildung eines Facility-Managers aus?

Gerold Wolfarth: Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Wege der Ausbildung. Quereinsteiger beginnen oft mit einer nebenberuflichen Fachwirt-Qualifikation im FM, aber natürlich gibt es auch entsprechende Studiengänge zum Bachelor und Master. Die interdisziplinären Aufgaben des Facility Managements erfordern unterschiedlich ausgeprägte Kompetenzen. Leider können diese innerhalb von Studiengängen oder während der schulischen Laufbahn häufig nicht erworben werden. Urteils-, Entscheidungs- und Selbstbestimmungsfähigkeit, sowie sehr wichtige Kompetenzen in Kommunikation und Kooperation, sind bei Menschen natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Der Erfolgsschlüssel liegt daher in der Analyse der unternehmensbezogenen Bedürfnisse und der zielgerichteten Definition eines Anforderungsprofils.

Das Berufsbild „Facility-Management“ ist mittlerweile IT-lastig geworden, wenn man z.B. Computer Aided Facility Management (CAFM) als digitale Komponente berücksichtigt, um notwendige Daten zu erfassen und auszuwerten. Schreckt dies potenzielle Interessenten an diesem Beruf ab oder weckt es eher Interesse?

Gerold Wolfarth: Es schreckt ganz und gar nicht ab. Gerade ein CAFM System ist ja enorm wichtig als Unterstützung für die komplexen Aufgaben eines Facility Managers. Die meisten Facility Manager, die ich kenne – natürlich auch unsere eigenen Mitarbeiter – schätzen den Mehrwert eines funktionalen CAFM Systems sehr. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Flächenmanagement, Instandhaltung, Inventarverwaltung, Reinigungsdienstleistungen, Reservierungsservices, Schließanlagenverwaltung, Energiecontrolling und den Fuhrpark mit Stift und Papier dokumentieren und nachhalten. In der Tat wurde dies in der Vergangenheit ohne ein professionelles CAFM System gemacht. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Zuhilfenahme eines solchen Programms nicht nur die Prozessqualität steigert, sondern auch eine enorme Arbeitserleichterung darstellt. Ich selbst habe in meinem Unternehmen ein eigenes Tool entwickeln lassen und lasse dies auch stets im Sinne meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie meiner Kunden weiterentwickeln. Da all unsere facilitären Dienstleistungsprozesse mit der Unterstützung unseres hauseigenen CAFM Systems erbracht werden, bekommen Bewerberinnen und Bewerber bereits im Zuge des Rekrutierungsprozesses einen Einblick in die Arbeitsweise mit diesem System. Der überwiegende Anteil der Bewerber ist sehr interessiert daran und absolut nicht abgeschreckt. Aber natürlich gibt es auch (wenige) Ausnahmen.

Die Bedeutung des Facility Managements wächst in Zeiten von immer komplexer werdenden Unternehmensstrukturen. Das Bewirtschaftungsvolumen liegt im 3-stelligen Milliardenbereich. Wie geht diese Entwicklung weiter?

Gerold Wolfarth: In einem sind sich alle einig – seien es externe Marktforscher, Unternehmensberater, offizielle Branchenvertreter oder die Facility-Management-Praktiker in den Unternehmen und bei den bereits spezialisierten Dienstleistern: Der Facility-Management-Markt in Deutschland und generell in Westeuropa, wird in den kommenden Jahren deutlich stärker wachsen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gerade in Deutschland ist der Markt gegenüber den USA und Großbritannien noch sehr jung. Die eigentliche Entwicklung des FM-Marktes in Deutschland hat ja bekanntlich erst in den 90er Jahren begonnen und hängt auch Entwicklungsperspektivisch ca. 40 Jahre dem Markt der USA hinterher. Aus meiner Sicht ist also die Wachstumsentwicklung des US-amerikanischen Marktes ein sehr guter Indikator für unsere landesinneren Prognosen. Weitere Wachstumsgründe sind aber auch das Wachstum einer nachhaltigen Infrastruktur sowie die Einführung des Internets der Dinge und der damit verbundenen Geräte für die Gebäudeautomation in der gesamten Branche. Sei es bei Hard oder Soft Services. Selbst Corona, Brexit und weitere Einflüsse auf das Wirtschaftswachstum der globalen Märkte, werden aus meiner Sicht der Entwicklung des FM Marktes gegenüber nicht hinderlich sein.

Herr Wolfarth, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.