Maren Kern & Sandra Niedergesäß: Die BBA ist digital gut aufgestellt

Corona-Pandemie und Lockdown haben die Digitalisierung in Deutschland einen großen Schritt vorangebracht – auch im Bildungsbereich. BBA-Vorstandsvorsitzende Maren Kern und geschäftsführendes BBA-Vorstandsmitglied Sandra Niedergesäß über die Auswirkungen der Pandemie und ihrer Folgen auf den Bildungsbereich.

Was waren für Sie die Lerneffekte aus den vergangenen „Corona-Monaten“ für die BBA?

Maren Kern und
Sandra Niedergesäß

Maren Kern: Zunächst einmal bin ich sehr glücklich darüber, dass es mit der Berufsschule gelungen ist, sofort nach dem Lockdown von Präsenz auf Online umzuschalten. Das war eine enorme Herausforderung, gerade auch für ein relativ kleines Team. Die BBA hat das super geschafft. Die Erfahrungen der BBA in den letzten Wochen haben gezeigt, dass digitales Lernen bewusst eingesetzt werden will. Die BBA wird deshalb auch künftig ganz genau hinschauen: Wann ist ein digitales Format sinnvoll und wann nicht? Ein Online-Seminar bietet sich zum Beispiel an, wenn es aktuelle Entwicklungen im juristischen Bereich gibt, über die man kurz und knapp informiert werden will. Wenn Sie für einen solchen zweistündigen Vortrag einen Fahrweg von zwei oder mehr Stunden zurücklegen müssen, ist das vergleichsweise aufwändig. Bei einem Online-Format kann das viel zeitsparender erfolgen. Allerdings ist der soziale Kontakt – der direkte zwischenmenschliche Austausch – ein wesentlicher Faktor, der dann bei Online-Formaten fehlt. Deshalb werden wir mit der BBA künftig eine flexible Kombination aus Präsenzveranstaltungen und Online-Formaten anbieten.

Sandra Niedergesäß: Wir leben schon immer in einer Zeit des Wandels. Was sich jedoch ändert, ist das Tempo. Der durch die Digitalisierung in Gang gesetzte gesellschaftliche Prozess verändert Bedürfnisse. Im Bereich Bildung heißt das: Wissen erneuert sich schneller denn je. Deshalb müssen wir hier fortlaufend updaten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Was jedoch bei aller Digitalisierung immer bleiben wird, ist das Bedürfnis nach Nähe, und damit meine ich analoge Nähe. Sie haben sicherlich schon vom „Digital Overload“ gehört. Neben Emailfluten kamen jetzt noch Online-Seminare und zahllose Videokonferenzen dazu. Nach einigen Monaten haben die meisten es satt. Auch, weil viele Online-Formate die ungünstigen Eigenschaften des Frontalunterrichts aufweisen. Und selbst wenn sie einen interaktiven Weg gefunden haben: ein wirkliches Gruppen-Gespräch kommt selten zustande. Aber auf genau diesen Erfahrungsaustausch setzen wir in der BBA – deshalb wird es insbesondere bei umfassenderen Themen natürlich auch weiterhin Präsenz-Veranstaltungen geben.

Gab es in den letzten Monaten „Aha-Momente“?

Maren Kern: Krisen haben immer etwas Bedrohliches. Aber man sollte sie auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten: nämlich als einmalige Chance, besser zu werden in dem, was man tut. Krisen nehmen keine Rücksicht auf Prozesse oder Regeln. Und eben das kann durchaus Vorteile haben, was mein persönlicher „Aha-Moment“ war: Innerhalb weniger Wochen hat Deutschland, haben wir alle einen Riesenschritt in Richtung Digitalisierung gemacht, und das ist auch gut so. Die Hürden eines jeden Veränderungsprozesses treten unter dem Handlungsdruck in den Hintergrund. Dinge können neu gedacht werden, und es gilt, dabei auch was zu riskieren. Denn tun wir es nicht, verlieren wir. Und Erlebnisse und Erfahrungen in der Krise schweißen zusammen und bergen zudem enormes Lernpotenzial.

Sandra Niedergesäß: Einer meiner wichtigsten „Aha-Momente“ in den letzten Monaten: Einer unserer langjährigsten Dozenten birgt mit über 70 Jahren Lebenserfahrung einen enorm wertvollen Wissensschatz. Nur an die digitalen Medien und unsere Smartboards versuchten wir ihn seit Jahren vergeblich heranzuführen. Als die Präsenzform der Lehre nicht mehr möglich war, hat sich dieser Dozent auf die digitale Unterrichtswelt eingelassen. Das hat wunderbar funktioniert und ist in jeglicher Hinsicht ein Gewinn: Für den Dozenten, der stolz auf sein neues Wissen ist, und für die Teilnehmer*innen, die ihren Lernstoff nicht verpassten. Digitalisierung ist also keine Frage des Alters!

Und noch etwas wurde mir durch die Corona-Zeit bestätigt: Lernen ist etwas sehr Individuelles. Sie müssen jede und jeden dort abholen, wo er oder sie steht, und ihr oder ihm dann beim Lernen auch möglichst viel Autonomie geben. Dieses individuelle Vorgehen ist auch sehr interessant, wenn man sich die Lernkurve unseres Web-Teams ansieht, das wir speziell für die Umstellung auf digitale Lernformate gegründet haben. In einem dynamischen Gruppenprozess konnten die Mitglieder dieses interdisziplinären Teams ihre jeweiligen Kompetenzen gezielt einsetzen. Dies geht allerdings nur, wenn Sie eine gewisse Autonomie zulassen. Als Führungskraft muss ich dafür Sorge tragen, dass ich meinen Mitarbeiter*innen die bestmöglichen Bedingungen schaffe, um auf die stets neuen Anforderungen zu reagieren. Ich muss ihnen Kompetenzen übergeben, was gleichzeitig bedeutet: Ich muss mich damit auseinandersetzen, welche Rolle mir als Führungskraft dann zuteilwird. Gleichzeitig muss ich in Krisenzeiten Entscheidungen auch strikt hierarchisch treffen. Ein solcher Balanceakt erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Seit dem 4. Mai 2020 wurden wieder Abschlussklassen der Berufsschul-Jahrgänge vor Ort im neuen Haus unterrichtet. Ende August kamen dann alle Klassen wieder gestaffelt zurück. Wie ist dieser „Re-Start“ nach Corona abgelaufen?

Sandra Niedergesäß: Wir sind stolz darauf, dass wir dank unseres Onlineunterrichtes keinen Unterrichtsausfall zu verzeichnen hatten. Die Qualität im Präsenzunterricht ist dann aber doch noch eine andere. Dieser Aspekt ist umso wichtiger, wenn Abschlussprüfungen anstehen. Deshalb war es gut, dass wir unsere Auszubildenden in Präsenzunterricht auf ihren Abschluss vorbereiten konnten.

Was die Organisation im Vorfeld betrifft: Alles dreht sich um das Hygienekonzept, das es zu planen und umzusetzen galt und gilt. Und wie das mit Plänen unter unsicheren Bedingungen so ist: kaum war ein Prozess geregelt, kamen neue Vorgaben der Senatsverwaltung, und die Planung begann von vorn. Als wir dann endlich unsere Tore im Roxy-Palast öffnen durften und die ersten Schüler*innen eintrafen, war die Freude auf allen Seiten sehr groß! Endlich füllte sich die BBA mit dem, was ihr noch fehlte: Leben. Anfänglich spürte man eine gewisse Anspannung, schließlich möchte niemand was falsch machen. Da kommt es dann schon einmal zu irritierenden Situationen, wenn man aus Sorge um die Abstandsregel kreisend umeinander herumschleicht.

Von der Berufsschule zum Weiterbildungsbereich: Wie sieht es hier aus?

Sandra Niedergesäß: In den Lehrgängen kommen unsere Teilnehmer*innen bis zu drei Mal wöchentlich in die BBA. Bei fast 20 Kursen kommen in der Zeit seit Mitte März 2020 eine Menge Präsenztermine zusammen, Verschieben auf „nach Corona“ war daher keine Option. Gleichzeitig ging es darum, unser Angebot im offenen Seminarbereich aufzufangen. Da geht es nicht nur um die Frage, ob es Dozent*innen und Teilnehmer*innen zuzumuten ist, sich neun Stunden vor einen Bildschirm zu setzen. Es galt auch kritisch zu hinterfragen, welche Präsenzveranstaltungen wir auffangen können und welche bis auf weiteres verschoben werden müssen. Grenzen erkennen und anzunehmen ist hier eine der wichtigsten Erfahrungen gewesen. Wichtig war von Anfang an auch, wie wir unsere Dozenten*innen mitnehmen können. Und schlussendlich darf man nicht vergessen, dass auch die Teilnehmer*innen nicht zwingend „alte Hasen“ sind. Auch hier müssen Kompetenzen erst entwickelt werden. Es ist ein Unterschied, ob Sie mit Ihren Kommilitonen*innen in einem analogen Seminarraum lernen und sich in Pausen austauschen oder ob Sie getrennt voneinander in einem virtuellen Raum sitzen.

Maren Kern: Quasi aus dem Nichts sind so über 60 Online-Seminare entwickelt worden, ein ausgesprochen beeindruckendes Ergebnis in so kurzer Zeit. Es zeigt, was in Teamarbeit möglich ist. Dennoch ist der Weiterbildungsbereich deutlich stärker von der Corona-Pandemie betroffen als die Berufsschule. Dieser Bereich lebt von der aktiven Nachfrage der Unternehmen und den oftmals kurzfristigen Buchungen. In der Corona-Zeit sind die Kund*innen der BBA eher zurückhaltend und verschieben Schulungen vielfach. Die Online-Variante ist bislang nur für wenige eine Alternative. Bildung kann man aber nicht ewig aufschieben. Ich wünsche mir deshalb sehr, dass die Mitglieder und Kund*innen der BBA treu bleiben und ihre Angebote eifrig nutzen. Und ich gehe auch davon aus, dass der Trend zum Online-Lernen auch nach Corona weitergehen wird. Die Unternehmen sollten sich deshalb frühzeitig damit auseinandersetzen – gerne auch im Zusammenspiel mit der BBA bei der gemeinsamen Entwicklung von maßgeschneiderten Formaten.

Wie hat sich das BBA-Team für diese Herausforderungen aufgestellt?

Sandra Niedergesäß: Wir haben die Digitalisierung unserer Angebote natürlich schon länger im Blick. Deshalb haben wir uns bereits vor einiger Zeit entsprechende Lizenzen für Plattformen zum Online-Lernen gekauft. Technisch sind wir also gut aufgestellt. Hinsichtlich der organisatorischen Prozesse mussten wir viel neu lernen. Wir haben in der BBA eine Kultur, die zwar anpassungsfähig ist, bei der aber natürlich auch Routinen eine wichtige Rolle spielen – insbesondere bei der Sicherung von Effizienz und Qualität. Die digitale Welt ist aber schneller, kurzlebiger und auch aggressiver. Da sind lange Entscheidungswege ein Hindernis – Sie brauchen ein Team, das schnell auf Anforderungen reagieren kann. Unser 5-köpfiges Web-Team besteht aus zwei Bildungswissenschaftlerinnen, einer Soziologin und zwei Veranstaltungskaufmännern. Das große Ziel am Ende war a) alles, was machbar und sinnvoll ist, in Online-Formate zu übersetzen und b) jede und jeden mitzunehmen: Dozent*innen, Teilnehmer*innen und natürlich alle BBA‘ ler, die weiterhin die Fäden der „analogen“ BBA zusammenhielten und so dem Web-Team den Rücken für ihre neuen Aufgaben freihielten. Darunter fielen das Scannen unseres Portfolios, die Neukonzeption von Veranstaltungen, das Gewinnen und anschließende Schulen von Dozent*innen, die Entwicklung von Leitfäden, das konsequente Betreuen von Online-Seminaren, die Taktung des Vertriebs, der sich deutlich von unserer analogen Bildungswelt unterscheidet und schlussendlich: die Implementierung von Online-Formaten in unsere bestehenden Geschäftsprozesse. Wenn Sie mal überschlagen, wie viel Zeit dies in einer strengen Hierarchie benötigt hätte, dann wären Sie heute noch in der Brainstorming- und Teamfindungs-Phase. Dass wir das in nicht einmal sechs Wochen geschafft haben, macht mich stolz.

Wie wird sich das Jahr 2021 in der BBA gestalten? Wie geht es mit den digitalen Angeboten weiter?

Sandra Niedergesäß: Hier bieten sich insbesondere kleine digitale „Lernhäppchen“ an. Auch führen wir mittlerweile sehr erfolgreich hybride Lernformate durch, bei denen ein Teil der Gruppe online und die andere Gruppe in Präsenz teilnimmt. Und was die Arbeit in der BBA selbst betrifft: Wir haben alle erkannt, welche Vorteile mobiles Arbeiten bereithält und werden uns überlegen, wie wir das noch stärker in unsere bestehende Arbeitsorganisation integrieren können. Auch hier gilt es, abzuwägen, denn: es ist Teil unserer Unternehmenskultur, verlässlicher Ansprechpartner*innen vor Ort zu sein.

Maren Kern: Die Situation ist ja nach wie vor unsicher und große Veranstaltungen werden wohl auch im Jahr 2021 nicht so schnell stattfinden können. Deshalb wird die BBA ihre Online-Formate weiter ausbauen. Gleichzeitig fährt sie aber auch ihre Präsenzseminare wieder hoch. Dies geht jedoch nur schrittweise und mit kleinen Gruppen. Wir alle sehnen uns Normalität und das Ende von Corona herbei. Bis es soweit ist, ist die BBA aber vorbereitet: die Berufsschule kann jederzeit wieder auf digital umswitchen, und auch im Weiterbildungsbereich ist sie nun digital gut aufgestellt.

Frau Niedergesäß und Frau Kern, vielen Dank für das Gespräch!

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