DAX 40 bedingt Titelverlust im MDax – Frank Hansen

Frank Hansen ist CIO Portfolio Management bei der Reuss Private Deutschland AG. Im Interview spricht er über den Wirecard-Skandal und die damit verbundenen Reformen.

Frank Hansen

Der Wirecard-Skandal hat bei der Deutsche Börse für Reformbemühungen, um eine Neuausrichtung von Deutschlands wichtigstem Aktienindex geführt. War dieser Schritt längst überfällig, was denken Sie über die Reform?

Frank Hansen: Der Wirecard Skandal hat die Reputation des Finanzplatz Deutschland gefährdet. Die Finanzaufsicht Bafin, Wirtschaftsprüfer und die Deutsche Börse sind gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, durch die ein solcher Vorfall künftig ausgeschlossen werden kann. Die Deutsche Börse musste reagieren, weil spätestens mit dem Fall Wirecard ein Überdenken ihrer Regeln notwendig geworden war. Nicht nur der starre Prozess und die verstrichene Zeit bis Wirecard aus dem DAX entfernt wurde, sondern auch die Tatsache, dass ein Mitgliedsunternehmen lange Zeit, ohne bestätigtes Testat seiner Bilanz, im Index verbleiben konnte, waren in dieser Form nicht mehr akzeptabel. Die Vorkommnisse hat die Börse zum Anlass für eine umfassende Index-Reform genommen, die die Qualität der Auswahlindizes der Deutschen Börse AG verbessern soll. Die Reform war daher in diesen beiden Hauptpunkten Punkten richtig und notwendig. Der Wegfall des bisherigen Liquiditätskriteriums (Ersatz durch ein Mindestliquiditätskriterium) und die reguläre halbjährliche Überprüfung der Zusammensetzung aller Auswahlindizes sind weitere wichtige Bausteine dieser Reform.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits geht der Investmenttrend zu Ethik und Nachhaltigkeit, andererseits sollen auch Waffenhersteller aufgenommen werden, wie das Deutsche Aktieninstitut vorschlägt – wie passt das zusammen, dürfen „unethische“ Unternehmen überhaupt ausgeschlossen werden?

Frank Hansen: ESG Kriterien (Environmental, Social, Governance; kurz ESG), die auch ethische und nachhaltige Aspekte der Geldanlage beinhalten, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das gilt insbesondere für die Führung von Unternehmen, wo man die Relevanz unter anderen auch daran erkennt, dass immer mehr Manager in ihren Zielvereinbarungen und damit auch ihren Kompensationen, neben traditionellen Zielen auch ESG Kriterien zum Inhalt haben. Auch Investoren messen der Bedeutung von ESG Kriterien bei der Beurteilung ihrer Investments immer mehr Raum ein und haben diese in ihren Anlageprozessen implementiert. Neben den Auswirkungen auf die Umwelt werden die Unternehmen auch hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung als Arbeitgeber, sowie z. B. auch der Kriterien hinsichtlich ihrer Unternehmensführung hinterfragt. Daneben befinden sich Waffenhersteller, Tabakproduzenten und auch Unternehmen der Energiewirtschaft auf sogenannten „Exclusionlists“ von vielen namhaften Anlegern. Die Deutsche Börse hat diesen Trend Rechnung getragen und den DAX 50 ESG geschaffen, der allein aus Unternehmen zusammengesetzt ist, die bestimmte ökologische, soziale und Governance-Kriterien erfüllen. Allgemeine Aktienmarkt Indizes sollten gemäß der Deutschen Börse das gesamte Universum für Anleger repräsentieren und messbar machen. Die Indizes sollten daher neben regulären und finanzmathematischen Anforderungen nicht auch noch mit zusätzlichen Bestimmungen eingeschränkt werden. Dieser Meinung kann man sich anschließen. Letztlich ist es wichtig, dass Anleger gemäß ihrer Präferenzen investieren können. Übrigens gibt es keinen Widerspruch zwischen Ethik und guten Ergebnissen am Aktienmarkt, da sich in den letzten Jahren Gesellschaften mit guter ESG-Bewertung besser im Kurs entwickelt haben.

Deutsche Börse-Vorstand Weimer wünscht sich zudem eine Ausweitung des Index auf 40 statt 30 Dax-Unternehmen, gleichzeitig sollen die Voraussetzungen für die Aufnahme erhöht werden. Führt dies wirklich zu mehr Qualität?

Frank Hansen: Ab September 2021 wird mit dem DAX 40 ein um 10 Titel verbreiterter Index geschaffen, der hinsichtlich seiner Diversifikation besser geeignet ist, die deutsche Ökonomie abzubilden und Anleger am Erfolg der deutschen Wirtschaft zu beteiligen. Insofern steigt die Qualität des Index. Auch sind die zu erwarteten neuen Mitglieder durchweg Qualitätstitel, die zuvor maßgeblich den erfolgreichen MDax repräsentiert haben. Der DAX erfährt insofern eine Aufwertung und baut seine Dominanz gegenüber den anderen Indizes der DAX Familie deutlich aus. Etwas schade ist es, dass der MDax, der eine große Erfolgsgeschichte ist, durch die Reduktion auf 50 Titel und den Verlust seiner 10 größten Index Titel in seiner Bedeutung beschnitten wird. Hinsichtlich der veränderten Liquiditätsanforderungen (Mindestliquiditätskriterium) und der Anforderung an die DAX-Kandidaten, in den letzten beiden Geschäftsjahren ein positives EBITDA auszuweisen, kann man geteilter Meinung sein.

Investiert Ihr Unternehmen in den DAX? Würden Sie es privaten Kapitalanlegern raten?

Frank Hansen: Wir investieren sowohl direkt in einzelne DAX-Unternehmen als auch in Index-Produkte, die den DAX abbilden. Indexprodukte in Form von ETFs stellen für Anleger eine kostengünstige Möglichkeit der passiven Aktienanlage dar. Der DAX 30 und zukünftig noch mehr der DAX 40 bilden eine gute Basis für Index Produkte, um am Kurserfolg der dort vertretenen deutschen Unternehmen voll zu partizipieren. Wenn Anleger bestimmte Trends im Aktienmarkt verfolgen möchten, z. B. hinsichtlich einer Anlage in Wachstumsaktien oder anderen Marktsegmenten wie z B Small Caps, bieten sich aktive Lösungen mit den entsprechenden Fonds an. Hierbei bauen wir bei Reuss Private auf die Expertise von erfolgreichen Fondsgesellschaften bzw. bieten eigene aktive Lösungen mit dem Ziel an, über den Index-Ertrag hinaus, zusätzliche Erträge zu erzielen.

Werden bei einem DAX-ETF alle Titel ausgewählt? Wie schaffen es Index-Fonds meist rentabel zu arbeiten?

Frank Hansen: Bei Anlagen in Indexfonds muss man grundsätzlich unterscheiden, ob sie den Index physisch replizieren und insofern in alle unterliegenden Aktien des Index investiert sind, oder ob der ETF nur den Ertrag des Index versprechen und insofern eine Kreditgewährung des Investors, gegenüber dem Emittenten vorliegt. Indexfonds, die in der Tat sehr tiefe Gebühren nehmen, generieren in der Regel zusätzliche Einnahmen, wie aus dem Security Lending, indem sie Provisionen aus dem Verleih von Wertpapieren erzielen.

Herr Hansen, vielen Dank für das Gespräch.

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