Entlastung von Finanzberatern durch digitale, smarte Prozesse – Frank Kebsch (finleap GmbH)

Frank Kebsch ist CEO bei finleap connect. Im Interview spricht er über den Einsatz von digitalen, smarten Prozessen im Zusammenhang mit einer besseren Datenverwertung.

Experten sehen einschneidende Veränderungen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung auf die Branche zukommen. Glauben Sie, dass der Mensch aus dem Mittelpunkt der Beratung herausgenommen wird?

Frank Kebsch
Bild:Boris Breuer

Frank Kebsch: Der Mensch wird nicht aus dem Mittelpunkt der Beratung genommen, sondern an den richtigen Stellen durch digitale, smarte Prozesse entlastet, die oft nicht zur eigentlichen Finanzberatung gehören. Für die Eröffnung oder den Wechsel des Girokontos braucht es im Grunde heute schon keinen Finanzberater mehr. Bei komplexen, individuellen Fragen zur langfristigen Finanzplanung wird ein kompetenter Berater – egal ob online oder in der Filiale – auch in Zukunft für weniger finanz-affine Verbraucher eine Anlaufstelle bleiben.

Die Rolle des Beraters wird sich also lediglich verschieben und auf die Bereiche fokussieren, die auch durch einen Algorithmus nur schwer nachzubilden sind.

Die vielen Veränderungen innerhalb der Finanzbranche mit den Anforderungen an die Compliance und den Anpassungen an Regulierungen beschäftigen die Mitarbeiter bzw. Verantwortlichen. Sehen Sie das auch so?

Frank Kebsch: finleap connect ist ein reguliertes Zahlungsinstitut nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG). Das setzt voraus, dass unsere Mitarbeiter abteilungsübergreifend und fortlaufend mit Compliance konfrontiert sind. Regelmäßige Trainings, Workshops und der anlassbezogene Austausch mit unserer Compliance-and-Risk-Abteilung sind ein integraler Bestandteil unseres Unternehmens und für uns sehr wertvoll, denn dies fördert auch unsere Produktqualität. Neben aufsichtsrechtlichen Anforderungen spielen Datenschutz und IT-Sicherheit unabhängig von gesetzlichen Grundlagen und aus Eigeninteresse eine große Rolle für uns. All das bedeutet automatisch einen wesentlich höheren Aufwand, dem man nur mit sehr guter Organisation und hohem Einsatz begegnen kann.

„Blockchain“ und „Krypto-Technologie“ sind Bereiche, die sich eines größeren Interesses, einer größeren Relevanz, erfreuen. Sehen Sie das auch so?

Frank Kebsch: Blockchain ist ein spannendes Feld wird auch zukünftig noch für Disruption sorgen. Gerade die strenge Regulatorik im Finanzsektor verlangt von Unternehmen zunehmend eine Verschlankung der daraus resultierenden Prozesse. Die Blockchain-Technologie kann solche Prozesse – wie etwa die Verifizierung von Transaktionsdaten – zentral abwickeln und so u. a. Kosten für alle Transaktionspartner senken. Wir sehen hier erste große Kundenprojekte.

Inwieweit haben die permanent sinkenden Zinsen das Tagesgeschäft beeinflusst? Herkömmliche festverzinsliche Finanz-Produkte sind out. Wie gehen Sie damit um?

Frank Kebsch: Das Niedrigzinsumfeld und die entsprechend schwierige Ertragssituation verlangt den großen Finanzinstituten ab, interne Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. Ich denke aber, dass echte Innovation nötig ist, um langfristig effizienter und vor allem mit den richtigen Technologien zu arbeiten. Dafür können etablierte Institute auf das Know-How der technologisch richtungsweisenden Fintechs zählen und gemeinsam für den Endverbraucher attraktive Angebote schaffen.

Wie bewerten Sie den Satz: Künstliche Intelligenz ist ein Turbo für den Finanzsektor?

Frank Kebsch: In kaum einem anderen Sektor steht den Akteuren eine so große Fülle an Daten zur Verfügung. Das Problem vieler Akteure ist, dass sie diese Datenmengen nicht zu nutzen wissen. Im Bereich der Datenverwertung kann sich die eigene KI-Kompetenz also durchaus zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil entwickeln. Allerdings hindern die strenge Regulierung und die eigene, oft starre IT-Roadmap viele etablierte Finanzinstitute an klaren Vorstößen in den Bereich Künstlicher Intelligenz.

Open Banking ermöglicht es Drittanbietern wie finleap connect, KI-Modelle auf Basis der Transaktionsdaten der Nutzer zu entwickeln. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz ist bei Fintechs inzwischen marktüblich und treibt damit die branchenweite Weiterentwicklung intelligenter Systeme und Lösungen massiv voran. Wir sehen viele Bereiche des klassischen Finanzsektors wie z. B. die Bonitätsermittlung bei der Kreditvergabe, die zunehmend über die gezielte Auswertung von Daten und unter Einsatz intelligenter Systeme zuverlässiger übernommen werden können.

Ist es spürbar, dass immer mehr Kunden digitalaffin sind und selbst über Online-Plattformen ihre Finanzgeschäfte abwickeln?

Frank Kebsch: Bereits vor der Corona-Pandemie war ein eindeutiger Trend hin zu einer stärkeren Nutzung digitaler Finanzdienstleistungen erkennbar. Aktuell bleibt vielen Bank- und Versicherungskunden oft keine andere Wahl, als digitale Produkte und Dienstleistungen zu nutzen. Wir sehen derzeit einige interessante Projekte großer Player der Finanzbranche. Dass etwa ein Kontowechsel trotz geschlossener Bankfilialen auch digital von Zuhause aus durchgeführt werden kann, wird zunehmend zum Standard.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres eigenen Finanz-Business als Unternehmen/Unternehmer*in?

Frank Kebsch: Als Anbieter einer Open Banking-Plattform sind wir integraler Treiber der Digitalen Transformation im europäischen Finanzsektor und sehen viel Wachstumspotenzial. Wir arbeiten mit etablierten Finanzinstituten und innovativen Fintechs daran, das technologische Potenzial im europäischen Finanzsektor weiter auszureizen und für die Weiterentwicklung von Produkten sowie Finanzdienstleistungen nutzbar zu machen.

Herr Kebsch, vielen Dank für das Gespräch.

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