Gute Entscheidungen treffen und potenzielle Gefahren erkennen – Tom Wonneberger und Stephan Busch

Wir sprechen mit Tom Wonneberger und Stephan Busch, Inhaber der Firma PROGRESS Finanzplaner aus Dresden, über den Beruf des Finanzberaters.

Die richtige Wahl des geeigneten Finanzberaters ist heutzutage keine leichte Entscheidung, weil jeder von sich sagt, er sei der Beste. Wo liegen die Qualitätsunterschiede?

Tom Wonneberger und Stephan Busch

Tom Wonneberger: Da gibt es zahlreiche Faktoren. Der erste ist sicher die Qualifikation. Da hat sich zum Glück in den letzten 10 Jahren viel getan. Dennoch ist die Mindestqualifikation um beispielsweise Versicherungen zu vermitteln der Versicherungsfachmann bzw. die Versicherungsfachfrau. Die Qualifikation schaffe ich in einem halben Jahr. Allerdings gibt es eben auch Fachwirte, Betriebswirte oder spezielle Studiengänge. Die sollten es aus unserer Sicht schon sein, wenn man zu existenziellen Themen berät.

Der nächste Punkt ist die Abhängigkeit oder Unabhängigkeit. Ein Vertreter einer Versicherung kann natürlich nur die Produkte seiner Gesellschaft anbieten. Das muss nicht schlecht sein. Ich sollte das aber im Vorfeld wissen. Jemand, der vom Verkauf der Produkte lebt, kann aus unserer Sicht nicht neutral beraten. Auch das muss nicht schlecht sein. Wenn ich genau weiß, dass ich ein Produkt benötige, bin ich bei einem ungebundenen Makler sicher nicht falsch. Möchte ich aber eine objektive Beurteilung meiner aktuellen finanziellen Lage, sollte ich Geld für ein Honorar in die Hand nehmen und jemanden beauftragen, der nicht davon lebt, Produkte zu verkaufen. Hier gibt es auch Mischformen.

Und letztens ist es natürlich eine Frage der Betriebsorganisation. Also wie ist der Berater oder das Beratungsunternehmen aufgestellt? Welche Prozessstandards gibt es? Welche Qualitätsstandards werden versprochen? Macht der Berater alles oder ist er spezialisiert? Gibt es sog. Empfehlungslisten oder ist der Berater tatsächlich frei in der Wahl seiner Produktpartner?

Um die richtige Strategie zu planen und umzusetzen, erfordert es jahrelanger Expertise. Was zeichnet Sie als echten Fachmann aus und wo haben Sie Ihr „Handwerk“ gelernt?

Stephan Busch: Wir bringen unterschiedliche Erfahrungen und Qualifikationen mit. Unser Handwerk haben wir im dualen Studium an der Berufsakademie Dresden gelernt. Es handelte sich um ein Betriebswirtschaftsstudium mit dem Schwerpunkt Finanzen und der Spezialisierung Versicherungswirtschaft. Hier haben wir die theoretischen Grundlagen erlernt. Parallel dazu wurden wir bei Maklern in der Praxis ausgebildet. Hinzukommt, dass wir vorab eine juristische und betriebswirtschaftliche Grundausbildung genießen durften. Da es sich bei Versicherungsverträgen ja immer um Rechtsgeschäfte handelt, ist das eine solide Basis. Es hilft, die manchmal sehr komplizierten Vertrags- und Bedingungstexte zu verstehen.

Was halten Sie von der Idee, die Finanz- und Anlageberater nach Leistung zu entlohnen, also entsprechend der Performance statt vorab durch z.B. Agio oder Ausgabeaufschläge?

Tom Wonneberger: Hier stellt sich natürlich die Frage: Was ist die Leistung? Ist es die Performance? Zu welchem Zeitpunkt messe ich die? Sie sehen, auch hier ist eine pauschale Antwort zwar intuitiv verständlich, bei genauerer Betrachtung aber unangebracht. Wir finden aber schon, dass Beratung und Verkauf getrennt gehören. Hierzu gehört natürlich auch die Vergütung. Somit ließen sich Interessenskonflikte reduzieren. Die Vergütung sollte nach objektiv messbaren Kriterien mit einer Honorarordnung erfolgen. So ähnlich wie es bei Rechtsanwälten und Steuerberatern ist. Die haben Stundensätze oder Bemessungsgrundlagen, also z.B. den Jahresumsatz oder den Streitwert.

Die BaFin ist arg in die Kritik geraten durch zuletzt den Wirecard-Skandal. Ist das deutsche Finanzwesen ausreichend kontrolliert und reguliert?

Stephan Busch: Nach jedem Anlegerskandal folgt der Ruf nach Kontrolle und Regulierung. Das ist ein fast schon natürlicher Reflex. Um die Details sollten sich Fachleute kümmern. Hierzu haben wir keine ausreichende Expertise, um das beurteilen zu können. Gerade was das Thema Wirecard angeht haben wir es ja offenbar mit einem kollektiven Versagen zu tun: Finanzaufsicht, Börsenaufsicht, Wirtschaftsprüfer, interne Kontrollmechanismen. Wir empfehlen jedoch einmal eine andere Perspektive einzunehmen: Die des Anlegers. Wir glauben, wenn diese besser gebildet wären – Stichwort: financial literacy – hätten Betrüger weniger Chancen. Also: Befähigen wir die Anleger, gute Entscheidungen zu treffen und potenzielle Gefahren zu erkennen!

Um die vermeintlich große Konkurrenz in der Branche, die Robo-Adviser, ist es still geworden. Ist der Mensch am Ende doch viel besser als ein Computer?

Tom Wonneberger: Auch hier stellt sich die Frage des Referenzrahmens: Was bedeutet „viel besser“? In Bezug auf was? Wir glauben, dass es kein entweder-oder gibt, sondern ein sowohl-als-auch. Maschinen können (noch) nicht empathisch sein. Maschinen erzeugen (noch) kein Vertrauen. Sie können aber Arbeiten übernehmen, die die Maschine besser oder schneller kann, damit der menschliche Berater sich auf seine Stärken und Vorteile konzentrieren kann. Und diese Stärke ist aus unserer Sicht das persönliche Gespräch.

Herr Busch, Herr Wonneberger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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