Henning Beeken: „Ein Wertwandel in der Gesellschaft wäre wünschenswert“

Henning Beeken ist Geschäftsführer des Hofs Eggers in Hamburg. Mit ihm sprechen wir über Kritik von Verbraucherschützern und Tierschutzverbänden, Tierwohl sowie Tierschutz.

Freiwillige Informations-Label auf abgepacktem Fleisch gibt es viele, alle unterschiedlich, es fehlt aber wohl eine staatlich verbindliche Richtlinie. Das wird von Verbraucherschützern und Tierschutzverbänden kritisiert. Wie sehen Sie das?

Henning Beeken: Es gibt eine einheitliche EU-Bio-Verordnung, dazu dann die Verbände Bioland, Demeter etc., alles andere, mir bekannte, ist eher unverbindlich.

Wenn man in den Supermarktketten die Aufkleber zur „Stallhaltung“ sieht, bemängeln Kritiker, dass es reine Alibi-Kennzeichnungen seien. Dienen diese wirklich dem Tierwohl?

Henning Beeken: Ich kenne den Aufkleber nicht und kann nichts dazu sagen.

Wenn man sieht, dass Schweine weniger als einen Quadratmeter Stallfläche haben dürfen, dann ist das ein Skandal. Wie geht der Handel und Ihr Unternehmen mit dem Thema „Tierschutz“ um?

Henning Beeken: Das ist ein Skandal, der durch den Handel und den Verbraucher mit dem Wunsch nach billigem Fleisch entsteht und durch die politischen Rahmenbedingungen ermöglicht wird. Die politischen Entscheidungsträger stehen den Lobbyvertretern des Handels und der konventionellen Agrarbranche meiner Meinung nach nicht kritisch genug gegenüber.

Die Firma LIDL hat jetzt 50 Mio. Euro für den staatlichen Fonds für Tierwohl eingezahlt. Zieht jetzt die ganze Branche nach?

Henning Beeken: Das kann ich nicht beurteilen.

Verbraucher pochen auf bessere Lebens- und Schlachtbedingungen bei Masttieren, wollen laut Statistik aber nur wenig mehr für Fleischprodukte zahlen. Wie passt das zusammen?

Henning Beeken: Hier ist viel Aufklärungsarbeit nötig, Lebensmittel müssen teurer werden und Ausgaben für andere Konsumwünsche/Luxusartikel reduziert werden wie z.B. teure Mediengeräte, Autos oder Urlaubsreisen. Ein Wertwandel in der Gesellschaft wäre wünschenswert und sollte durch die Politik unterstützt werden.

Herr Beeken, vielen Dank für das Gespräch!

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