Christian Mallek: Altersvorsorge ist ein langfristiger Prozess

Christian Mallek ist Geschäftsführer der SIGAVEST Vermögensverwaltung GmbH in Berlin. Im Interview spricht er über langfristig erfolgreiche Anlagestrategien.

Christian Müller, Christian Mallek, Guido Hoheisel (v.l.n.r.)

An Aktien führt in der Altersvorsorge für die Altersvorsorge kaum ein Weg vorbei – korrekt?

Christian Mallek: Das können wir nur mit „ja“ beantworten. Der Aufbau der Altersvorsorge ist ein langfristiger Prozess, die alten und bisher in Deutschland vielgenutzten Produkte wie Lebens- oder Rentenversicherungen erwirtschaften aufgrund der Niedrig- bzw. Nullzinsphase keine positiven Renditen. Die langfristigen Renditen liegen am Aktienmarkt höher als am Rentenmarkt, und außerdem findet Wertschöpfung in einer Marktwirtschaft nur in Unternehmen statt. Ideal sind Investmentsparpläne für den kontinuierlichen Aufbau. In Schwächephasen an der Börse bekommt man dann mehr Anteile und es entsteht ein Cost-Average Effekt.

Gemeinhin wird beim Gang an die Börse eine breite Streuung empfohlen. Aktienfonds sind die einfachste Variante hierzu. Gibt es für Privatanleger überhaupt andere Möglichkeiten breit gestreut anzulegen?

Christian Mallek: Dabei kommt es einerseits auf die Erfahrung des Privatanlegers und natürlich auch auf die anzulegenden Summen an. So empfehlen wir bei Anlagesummen bis 50 TEU, die Fondsanlage zu nutzen, um eine breite Streuung über Regionen und Branchen zu erzielen. Oberhalb von 50 TEU kann man mit einer erhöhten Risikobereitschaft auch Einzelaktien beimischen. Dabei spielen an der Börse gemachte Erfahrungen (Boomphasen aber auch Pleiten wie z.B. Wirecard) eine große Rolle. Ein erfahrener Anleger kennt die Risiken und wird nicht alles auf eine Karte setzen.

Es gibt Tausende Fonds von diversen Anbietern. Wie sollten Anleger das Thema angehen, um eine vernünftige Auswahl treffen zu können?

Christian Mallek: Für denjenigen, der sich selbst um seine Geldanlage kümmern will, bedeutet es viel zu lesen (Fachpresse, Internet), um immer am Ball zu bleiben. Benötigt man eine Beratung, ist die Hausbank eine Möglichkeit, oder man wendet sich an einen unabhängigen Vermögensberater. Man kann die Entscheidungen auch delegieren, wenn man nicht die Zeit oder Lust hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Dann kommt eine Vermögensverwaltung wie z.B. die SIGAVEST Vermögensverwaltung ins Spiel.

Wie lässt sich die Qualität von Fonds messen und prüfen?

Christian Mallek: Da gibt es viele Herangehensweisen. Es gibt sog. Rennerlisten, die nach unterschiedlichen Kriterien wie z.B. Wertentwicklung oder Fondsabsatz die Fonds auflisten. Es gibt aber auch zahlreiche andere Bewertungskennziffern wie z.B. die Volatilität, den maximalen Drawdown oder die Calmar-Ratio. Man darf dabei aber auch nicht Äpfel mit Birnen verwechseln und muss immer Fonds aus der gleichen Kategorie miteinander vergleichen. So kann ein Fonds in der Rennerliste in puncto Wertentwicklung ganz vorne sein, erzielt das Ergebnis aber mit hohen Schwankungen, was nicht jedermanns Sache ist. Ebenso gibt es Ratingagenturen, die Fonds nach unterschiedlichen Kriterien bewerten und dann zu einem Urteil kommen.

Sind Fondsratings bei der Auswahl hilfreich? 

Christian Mallek: Entscheidungshilfe ja, alleiniges Kriterium nein, zumal Fonds erst drei Jahre nach Auflegung ein Rating bekommen. Was durchaus seinen Sinn hat, da man eine Bewertung erst mit einer genügenden Anzahl von vorliegenden Parametern vornehmen kann. Damit würden aber interessante neue Produkte durchs Raster fallen.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie auszeichnet

Christian Mallek: Zeit, Geduld und Ruhe bewahren, um Schwächephasen an den Börsen überstehen zu können. In den letzten Jahren gab es etliche Krisen und Börsencrashs, aber die Märkte haben sich immer wieder erholt. Wer also in Panik verkauft, läuft dem Markt immer hinterher, denn man trifft nie den besten Punkt zum Aus- bzw. Einstieg. Seit1980 gab es an den europäischen Börsen gemessen am MSCI Europe Index 31 positive Jahre und nur 10 negative. Eine Überprüfung der Strategie ist immer notwendig, denn die Themen an der Börse wechseln.

Wie steuert ein professioneller Vermögensverwalter die Risiken im Portfolio?

Christian Mallek: Er orientiert sich an der mit dem Kunden vereinbarten Risikostruktur, investiert langfristig und streut die Risiken auf verschiedene Standbeine. Zwischenzeitliche Depotabsicherungen sind legitim, führen aber im Allgemeinen eher zu Performanceminderungen, da sich das Markttiming oftmals als sehr schwierig herausstellt. Wir setzen z. B. in unserer Vermögensverwaltung auf langfristige Wachstumsbranchen wie Technologie, Gesundheit sowie Klima- und Umweltschutz bzw. Wachstumsregionen wie z.B. China. Wir investieren eher in Small – und Midcaps, da diese langfristig eine bessere Wertentwicklung bieten, suchen auf der Anleiheseite nach Opportunitäten wie z.B. Wandelanleihen und mischen alternative Investments wie Private Equity, Gold und Bitcoin dazu. Mit dieser Strategie haben wir in unserem SIGAVEST Vermögensverwaltungsfonds über die letzten 9 Jahre eine durchschnittliche Wertentwicklung von 6,0% p.a. erzielt und nur ein Jahr (2018) negativ abgeschlossen.

Herr Mallek, vielen Dank für das Gespräch.

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