Andreas Görler: Es ist positiv, wenn das Fondsmanagement schon Schwächephasen gut überstanden hat

Andreas Görler, senior Wealth Manager und zertifizierter „Fachberater für nachhaltige Investments“ (FNG und ECO-Reporter), Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH. Mit ihm sprechen wir über Aktien für die Altersvorsorge, Anlegemöglichkeiten für Privatpersonen sowie Qualitätsprüfung von Fonds.

An Aktien führt in der Altersvorsorge für die Altersvorsorge kaum ein Weg vorbei – korrekt?

Andreas Görler

Andreas Görler: Ganz ohne Aktien wird es sehr schwer bis unmöglich werden, einen Vermögenszuwachs zu erzielen. Da die meisten Gelder über Jahre auf Einlagekonten liegen und ohnehin nicht abgerufen werden, ist der mittlere bis längere Anlagehorizont, den man für Aktienanlagen berücksichtigen muss, in der Regel unproblematisch.

Wenigstens eine Beimischung von 20% bis 30%, internationaler Aktien mit stabiler Wertentwicklung und einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell sollten es schon sein, um den Effekten von „Nullzins“ und Inflation zu begegnen.

Die meisten bekannten Fondsgesellschaften bieten hier defensive Strategien mit mittleren Risikoeinstufungen. Eine Kombination aus verschiedenen Fonds dieser Gruppe sorgt dafür, dass man unterschiedliche Anlagephilosophien in sein Portfolio integriert und nur geringe Depotanpassungen vornehmen muss.

Die meisten dieser Strategien kann man auch monatlich, teilweise schon ab EUR 25,–, über einen Fondssparplan besparen.

Das wäre wenigstens ein erster Schritt in die richtige Richtung. Grundsätzlich ziehe ich aber Aktienquoten, übrigens unabhängig vom Alter des Anlegers, von 50% vor.

Gemeinhin wird beim Gang an die Börse eine breite Streuung empfohlen. Aktienfonds sind die einfachste Variante hierzu. Gibt es für Privatanleger überhaupt andere Möglichkeiten breit gestreut anzulegen?

Andreas Görler: Für „normal situierte“ Privatanleger sehe ich keine andere Möglichkeit, als in passive oder aktive Investmentfonds zu investieren. Insbesondere auf der Rentenseite, die gemeinhin immer noch als „sicherer Hafen“ gilt, ist es durch die hohen Mindeststückelungen praktisch unmöglich geworden, in Einzelanlagen mit guter Qualität zu investieren.

Es gibt Tausende Fonds von diversen Anbietern. Wie sollten Anleger das Thema angehen, um eine vernünftige Auswahl treffen zu können?

Andreas Görler: Für die Zusammenstellung eines Portfolios sind die persönlichen Ziele und Wünsche in Kombination mit den dafür notwendigen Zeithorizonten entscheidend. Auch der beste Aktienfonds ist wahrscheinlich nicht dafür geeignet, einen Kredit abzulösen, der im nächsten Jahr abläuft. Hier sollte auf Rendite verzichtet werden und eine geldmarktnahe Anlage gewählt werden.

Die persönlichen Prioritäten legen also fest, welche Fondsart überhaupt in Frage kommt.

Sicherlich ist es interessant eine historische Rückschau der Wertentwicklung zu betrachten. Hier geht es auch darum, wie sich der Fonds im Vergleich zu anderen Produkten der gleichen oder zumindest ähnlichen Fondsgruppe geschlagen hat und wie sich der Fonds in Schwächephasen, wie beispielsweise der Finanzkrise entwickelt hat.

Insbesondere bei Mischfonds mit hohem Rentenanteil oder auch bei reinen Rentenfonds muss einem aber klar sein, dass sich das Zinsgefüge deutlich geändert hat und sich die Erträge der Vergangenheit wohl nicht wiederholen lassen.

Wie lässt sich die Qualität von Fonds messen und prüfen?

Andreas Görler: Der erste Blick fällt natürlich meist auf die reine Performance in Prozent, die sich vornehmlich auf einzelne Jahre, bestimmte Zeitabschnitte oder die gesamte Fondshistorie bezieht.

Hier ist zu berücksichtigen, wie sich der Gesamtmarkt in der gleichen Zeiteinheit entwickelt hat, wie vergleichbare Fonds gelaufen sind, welches Risiko man während der Anlagedauer eingegangen ist und natürlich was das Investment für Kosten verursacht hat.

Im Idealfall kann das Management auf eine langjährige Expertise verweisen, die auch schwache Marktphasen einschließt.

Weiterhin sollte keine hohe Korrelation zu anderen Produkten bestehen, die bereits im Portfolio vorhanden sind.

Mittels Korrelationstabellen kann man feststellen, ob sich Fonds ähnlich oder sogar gleich entwickeln. Es ist besser, unterschiedliche Ansätze zu kombinieren.

Die Kosten sollten in etwa dem Marktdurchschnitt für das gewählte Segment entsprechen. Sie werden in der Gesamtkostenquote (TER) abgebildet.

Die Volatilität gibt darüber Auskunft, wie hoch die Schwankungsbreite in einem Beobachtungszeitraum war. Erreicht mehrere Fonds aus dem gleichen Segment eine ähnliche Rendite, sollte man das Produkt wählen, das den Ertrag mit einer geringeren Volatilität erreicht hat.

Im Zusammenhang mit der Volatilität sollte auch ein Blick auf den maximalen Verlust geworfen werden, der in der gewählten Zeiteinheit eingetreten ist.

Die sogenannte Sharp Ratio gibt darüber Auskunft, ob eine Überrendite gegenüber einer risikolosen Geldanlage erreicht wurde. Eine Sharp Ratio >1 ist hier ein positives Signal. Ein Wert kleiner Null zeigt dagegen an, dass noch nicht einmal die Geldmarktverzinsung übertroffen wurde.

Das Alpha bezieht sich dagegen auf die Benchmark eines Fonds und gibt an wie viel Wertentwicklung des Fonds von der des Vergleichsindex abweicht. Ist diese Zahl positiv, wurde eine bessere Performance erzielt als bei einem Investment in den Vergleichsmarkt.

Sind Fondsratings bei der Auswahl hilfreich?

Andreas Görler: Privatanleger haben zunächst die Möglichkeit, sich selbst zu informieren, indem sie auf Fachmagazine wie DasInvestment, Fonds- professionell, Extra-Magazin oder €uro-Magazin zurückzugreifen. Hier finden sich regelmäßig ausführliche Übersichten und Bewertungen zu relativ vielen aktiven und passiven Fonds, die nach unterschiedlichen Kategorien geordnet sind.

Hat man eine Grundauswahl getroffen, kann man sich die Factsheets auf Internetseiten wie onvista, finanzennet oder finanzen100 ansehen oder direkt auf die Internetseite des Fondsanbieters gehen, um nähere Informationen zur Depotstruktur und Anlagephilosophie des Fonds zu erhalten.

Auf den Factsheets finden die Anleger dann auch Ratings von Morningstar, Lipper & Co. Außerdem gibt es seit einiger Zeit Nachhaltigkeitsratings wie FNG-Siegel, ECO-Reporter oder Österreichisches Umweltzeichen.

Man muss sich allerdings schon etwas informieren, damit man nachvollziehen kann, was bei der jeweiligen Gesellschaft zu einem guten oder schlechten Rating führt.

Insbesondere in der Anfangsphase sollte allerdings nicht auf unabhängigen Rat von Anlageberatern oder Vermögensverwaltern verzichtet werden. Der kostet zwar etwas, aber grundsätzliche Fehler im Portfolioaufbau sind meist teurer als ein Beratungshonorar.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie auszeichnet?

Andreas Görler: Eine Anlagestrategie oder Philosophie sollte sich schon über einen längeren Zeitraum bewährt haben. Insbesondere ist es positiv zu bewerten, wenn das Fondsmanagement schon Schwächephasen gut überstanden hat.

Wie steuert ein professioneller Vermögensverwalter die Risiken im Portfolio?

Andreas Görler: Zunächst kann man mit einer breiten Diversifikation Einzelrisiken minimieren.

Man stellt mittlerweile auch fest, dass Depots, die auf nachhaltige Investments ausgerichtet sind, krisenresistenter sind.

Werte, von denen man fundamental überzeugt ist, sollte man auch in Schwächephasen im Portfolio halten. Mit einer detaillierten Risikoanalyse kann man Aktien mit höherer Volatilität aber untergewichten.

Natürlich hat man die Möglichkeit, auch mal Aktien zu verkaufen, Gewinne mitzunehmen und kurzzeitig die Liquidität zu erhöhen. In Schwächephasen werden dann fundamental gute Werte zurückgekauft.

Allerdings entstehen hierbei Abzüge durch die in Deutschland anfallende Abgeltungssteuer, sofern Gewinne realisiert werden und der Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist.

Außerdem fallen Spesen für den Kauf bzw. Verkauf an. In der Niedrigzinsphase können zudem Sollzinsen auf den Abwicklungskonten anfallen, so dass Liquidität auch mal Geld kostet. Hinzu kommt das Timing-Problem für den Verkauf und den späteren Rückkauf der Position.

Eine gute Grundstruktur schafft Stabilität und reduziert die Intensität von Abwärtsbewegungen. Für eine direkte Absicherung können Put-Optionen, Termingeschäfte, Short-ETFs, Reverse-Zertifikate oder Stop-Loss Limite hinzukommen.

Ein guter Depotaufbau sollte absolute Priorität haben. Absicherungen können sinnvoll sein.

Hier ist zu berücksichtigen, dass man jeweils auch eine Entscheidung trifft, die jeweils ein Timing für den Kauf und Verkauf der Absicherungsprodukte erfordert. Außerdem entstehen, wie bei jeder Versicherung, auch Kosten.

Herr Görler, vielen Dank für das Gespräch!

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