Relindis Abu-Abed: Die Nachfrage nach Osteopathie ist deutlich gestiegen

Relindis Abu-Abed ist Osteopathin mit eigener Praxis in Berlin. Mit ihr sprechen wir über Osteopathie als alternative Heilmethode, unterschiedliche Behandlungsansätze sowie die Kostenabrechnung mit der Krankenkasse.

Relindis Abu-Abed

Osteopathie ist eine alternative Heilmethode, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzt. Auf welchen Grundlagen basiert die Osteopathie?

Relindis Abu-Abed: Die Osteopathie basiert auf drei Säulen:

Der parietale Bereich:

Hier liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf dem Bewegungsapparat, also der Wirbelsäule, dem Becken und den jeweiligen Extremitäten. Dabei werden Probleme mit Knochen, Muskeln, Gelenken, Bändern, Sehnen und Faszien behandelt.

Der viszerale Bereich:

Der Behandlungsfokus liegt hier auf dem Organbereich (Magen, Darm, Lunge usw.).

Entstehen an dieser Stelle sog. Dysfunktionen aufgrund von Stress, Entzündungen o.ä., kann die Weichteilbeweglichkeit beeinträchtigt sein, was sich langfristig u.a. auf den Bewegungsapparat auswirken kann.

Der Cranio-Sacrale Bereich:

Hier liegt der Behandlungsschwerpunkt auf dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers, insbesondere der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit vom Schädel (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sacrum).

Keiner dieser drei Bereiche kann jedoch singulär in Betracht gezogen werden. Sie interagieren mit- und untereinander, weshalb eine osteopathische Behandlung in den meisten Fällen alle drei Bereiche umfasst.

Persönlich beziehe ich die Psychosomatik in meine Behandlung mit ein.

Osteopathen arbeiten teils ähnlich wie Chiropraktiker. Worin unterscheiden sich die Behandlungsansätze?

Relindis Abu-Abed: Wie bereits oben erwähnt, beziehen die Osteopathen neben dem Bewegungsapparat auch die Weichteil- und Flüssigkeitsstrukturen in ihre Behandlungen mit ein. Inwiefern das in der Chiropraktik eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen.

Viele Krankenkassen übernehmen osteopathische Behandlungskosten. Ist die Branche auf dem Weg aus der Nische in den Mainstream?

Relindis Abu-Abed: Ja. Die Nachfrage nach Osteopathie ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, da   – im Vergleich zu anderen medizinischen Anwendungen – nicht nur mehr Behandlungszeit zur Verfügung steht, sondern auch ein intensiverer Körperkontakt hergestellt wird. Viele fühlen sich dadurch individueller wahrgenommen und in ihrem jeweiligen Leiden ganzheitlich verstanden.

In meiner Praxis kann ich zunehmend beobachten, dass Patienten sich u.a. behandeln lassen, um eine eventuelle Operation zu vermeiden bzw. hinauszuzögern, die Dosis der Schmerztabletten zu verringern oder um prophylaktisch vorzubeugen.

Aufgrund eines vermehrten Körperbewusstseins, aber auch der Forschung, geht der Trend zu alternativen Behandlungsmethoden; als Ergänzung zu der klassischen Medizin. 

Dazu gehört die Osteopathie. Aber auch andere Behandlungsmethoden wie die traditionelle chinesische Medizin, Ayurveda u.v.a.m.

Welche Ausbildung müssen Osteopathen haben, um eine Praxis eröffnen zu dürfen?

Relindis Abu-Abed: Es bedarf einer 5-jährigen osteopathischen Grundausbildung mit anschließender Abschlussarbeit – auch in Form von BSc. oder Msc.- i.V.m. mindestens 1375 absolvierten Fortbildungsstunden. Zusätzlich ist eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Heilpraktiker notwendig.

Worin unterscheiden sich die Ausbildung und das Studium der Osteopathie?

Relindis Abu-Abed: Die 5-jährige Teilzeitausbildung setzt bestimmte medizinische Grundkenntnisse voraus. Daher ist eine vorhergehende Grundausbildung im Medizinischen Bereich notwendig (z.B. Physiotherapie, Heilpraktiker).

Dies ist beim Studium der Osteopathie nicht der Fall. Hier werden nicht nur Vollzeit Anatomie und Physiologie usw. gelehrt, sondern auch Kenntnisse in der Methodologie, um eine BSc/MSc.-Arbeit anfertigen zu können. Anschließend ist der Weg in die Forschung möglich. Wobei wir hierbei in Deutschland erst am Anfang stehen.

Meiner Erfahrung nach gibt es beim Erlernen der manuellen Techniken keinen Unterschied zwischen Ausbildung und Studium.

Frau Abu-Abed, vielen Dank für das Gespräch!

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