Thomas Buckard: Vergangenheit ist kein Indiz für die Entwicklung in der Zukunft

Thomas Buckard ist Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Im Interview sprechen wir mit ihm über Aktienfonds, Strategien für Anleger sowie Fondsratings.

Thomas Buckard

An Aktien führt in der Altersvorsorge für die Altersvorsorge kaum ein Weg vorbei – korrekt?

Thomas Buckard: Absolut korrekt. Früher war es möglich, mit einer Lebensversicherung für‘s Alter vorzusorgen. Man konnte davon ausgehen, dass das monatlich eingezahlte Geld aus dem Konsumverzicht, sich in dreißig Jahren circa verdreifacht hat und so eine zusätzliche Rente aus der fälligen Lebensversicherung ausgezahlt werden konnte. Mit der aktuellen Verzinsung ist dieses Ziel unerreichbar geworden, und ich wundere mich darüber, dass das in den Medien derzeit nicht ein viel größeres Thema ist. Es droht – ohne zu übertreiben – für alle diejenigen, die nicht auf ein entsprechendes Erbe ihrer Eltern oder Großeltern hoffen können, auch aufgrund der demografischen Entwicklung tatsächlich die Altersarmut.

Gemeinhin wird beim Gang an die Börse eine breite Streuung empfohlen. Aktienfonds sind die einfachste Variante hierzu. Gibt es für Privatanleger überhaupt andere Möglichkeiten breit gestreut anzulegen?

Thomas Buckard: Auch hier liegen Sie völlig richtig. Wenn Sie nicht jeden Monat mehrere Tausend Euro zur Verfügung haben, um hier entsprechend verschiedene Aktien zu kaufen, kommen nur Investmentfonds in Frage. In welcher Anlageklasse haben Sie sonst die Möglichkeit, sich schon mit kleinen Beträgen ein weltweites Aktienportfolio aufzubauen?

Es gibt Tausende Fonds von diversen Anbietern. Wie sollten Anleger das Thema angehen, um eine vernünftige Auswahl treffen zu können?

Thomas Buckard: Erstens bieten sich für monatliche Ansparpläne vor allem ETFs an. Es gibt diverse Fondsgesellschaften, die Indexfonds auf den MSCI Welt anbieten, mit denen in die größten Aktiengesellschaften weltweit investiert werden kann. Eine Beratung und Sondierung der verschiedenen Produkte sollte hier jedoch vorab erfolgen, da es innerhalb dieser Gruppe erstens Selektionskriterien hinsichtlich von Nachhaltigkeitsaspekten gibt und zweitens die Berücksichtigung von Ländern und Regionen wie z.B. Asien sehr unterschiedlich sind.

Wie lässt sich die Qualität von Fonds messen und prüfen?

Thomas Buckard: Hier gibt es diverse Agenturen und Vergleichsportale, die die Fonds innerhalb ihrer Vergleichsgruppe analysieren und mit entsprechenden Ratings versehen. Aber auch hier ist aufgrund der von Ihnen schon angesprochenen Vielzahl an Fonds Vorsicht geboten: Oft werden aufgrund ungenauer Produktbeschreibungen Äpfel mit Birnen verglichen. Somit vergleiche ich dann die Selbstanalyse per Internet gerne mit der Internetrecherche vor dem Arztbesuch – das ist nicht immer zielführend!

Sind Fondsratings bei der Auswahl hilfreich?

Thomas Buckard: Nicht umsonst heißt es in jedem Disclaimer: Die Entwicklung der Fonds in der Vergangenheit ist kein Indiz für die Entwicklung in der Zukunft. Wir haben in der Historie schon oft gesehen, dass Fondsmanager mit einem bestimmten Ansatz eine Zeit lang sehr erfolgreich waren und dann plötzlich wieder in der Versenkung verschwanden, weil ihr Managementansatz nicht mehr dem Börsen-Zeitgeist entsprach. Aber natürlich ist ein gutes Rating für einen Fonds auf sehr lange Sicht ein brauchbares Entscheidungskriterium. Einzig und alleine darauf verlassen sollte sich der Anleger jedoch nicht. Ansonsten dürfte man aktuell ja nur Technologiefonds oder Fonds aus der Branche der erneuerbaren und „sauberen“ Energie im Depot haben.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie auszeichnet?

Thomas Buckard: Das wäre noch einmal der Stoff für eine eigene Fragerunde. Aber gerade im Hinblick auf das gestellte Thema Altersvorsorge mit Aktienfonds kommt der Disziplin und dem „Durchhaltevermögen“ eine entscheidende Bedeutung bei. Wer meint, er könne mit kurzfristigem Rein und Raus die Performance verbessern, oder wer in Panik in schlechten Zeiten verkauft, der wird langfristig nicht erfolgreich sein. Gerade beim monatlichen Ansparen zur Altersvorsorge sollte der berühmte „Cost-Average-Effekt“ ausgenutzt werden und nicht in den Plan eingegriffen werden. Das macht ja bei einer Lebensversicherung auch niemand.

Wie steuert ein professioneller Vermögensverwalter die Risiken im Portfolio?

Thomas Buckard: Auch das lässt sich in der Kürze nur pauschal beantworten. Alleroberster Grundsatz ist die weitestgehende Diversifikation, also Streuung des Risikos. Das Nachlaufen von Modetrends und aktuellem Zeitgeist sollte ein guter Vermögensverwalter vermeiden. Der Steuerung der Investitionsquote, also der Bedienung von Gaspedal und Bremse, kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu.

Herr Buckard, vielen Dank für das Gespräch!

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