Arndt Rautenberg: Rendite ist ein Ergebnis von Stärke, Wachstum und Ertragskraft

Arndt Rautenberg ist Gründer und Managing Partner von Rautenberg Moritz & Co in Düsseldorf. Mit ihm sprechen wir über Agieren von Private-Equity-Unternehmen, Brexit-Auswirkungen sowie Chance oder Risiko für Übernahmekandidaten.

Arndt Rautenberg

Private-Equity-Unternehmen werden im Volksmund häufig als Heuschrecken bezeichnet. Woher kommt dieser zweifelhafte Ruf?

Arndt Rautenberg: Den Begriff hat Franz Müntefering 2005 geprägt. Ich habe das nochmal nachgelesen – konkret hat er gesagt: „Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“ Das mag im Einzelfall gestimmt haben, war pauschal allerdings schon damals ziemlicher Unsinn und hatte mit dem bemitleidenswerten Zustand der SPD gerade hier in NRW mehr zu tun als mit der Realität. Aber das Bild hat sich dennoch festgesetzt.

Halten Sie die Kritik an Ihrer Branche gerechtfertigt?

Arndt Rautenberg: Nein. Ein Blick in die Analysen nämlich zeigt uns, über viele Jahre empirisch nachgewiesen, dass von Private Equity geführte Unternehmen schneller wachsen und mehr Arbeitsplätze schaffen als der Durchschnitt der jeweiligen Branche. Und anonym bleiben Vertreter der Branche ganz sicher nicht, im Gegenteil: Für den Erfolg eines Fonds und auch einer jeden Transaktion ist es ganz entscheidend, dass jemand ganz konkret und persönlich die Verantwortung trägt, und zwar in der Interaktion mit der Belegschaft und den Mitgesellschaftern eines Portfoliounternehmens ebenso wie mit den Fondsinvestoren.

Wie agieren und arbeiten Private-Equity-Unternehmen wirklich? Welchen Bedarf decken Sie?

Arndt Rautenberg: Ganz konkret decken PE-Gesellschaften den Bedarf nach mittel- bis langfristig verlässlichem, aktivem Eigenkapital, das benötigt wird, um z.B. Nachfolgeregelungen zu finanzieren oder auch, um Teilbereiche aus Konzernen herauszulösen, die nicht mehr zum strategischen Fokus passen. Um diese Anforderungen von Verkäufern, Mitgesellschaftern sowie von Management und Belegschaft der Unternehmen erfüllen zu können, agieren sie komplett wertorientiert und konzentrieren sich auf die Aktivitäten, die den Wert eines Unternehmens tatsächlich und nachhaltig steigern. Zumeist sind dies Wachstumsthemen: Produktinnovation, Internationalisierung, Zukäufe – bei der Identifizierung und Umsetzung dieser Werthebel zu unterstützen ist Kern der Arbeit der Teams.

Woher kommt eigentlich das Geld, dass Sie investieren?

Arndt Rautenberg: Das hängt sehr stark von der jeweiligen PE-Gesellschaft ab. Fast immer aber sind die Fondsinvestoren große Kapitalsammelstellen wie z.B. Pensionsfonds oder Rentenversicherungen, aber auch andere vermögende institutionelle und private Investoren. Selbst die katholische Kirche investiert substantielle Summen in die PE-Branche – und Müntefering war bekennender Katholik, wenn ich mich noch recht entsinne…

Risikokapitalgeber sind auf Rendite aus. Ist das eine Chance oder eher ein Risiko für einen Übernahmekandidaten?

Arndt Rautenberg: Ich sehe das definitiv als Chance eher denn als Risiko – denn Rendite ist ein Ergebnis von Stärke, von Wachstum und Ertragskraft, und das steht einem Risiko ja eher entgegen. Und gerade in dieser schwierigen Phase sehen wir regelmäßig, dass Fonds das Eigenkapital von Unternehmen stärken, um zu verhindern, dass eine kurzfristige Ertragskrise ein im Prinzip gesundes Unternehmen in die Insolvenz treibt. Ein Risiko sehe ich allerdings durchaus, wenn Unternehmen für stark überhöhte Preise angeboten und auch gekauft werden, denn dann lassen sich die Renditeerwartungen oft nicht realisieren und das baden dann die Investoren aus, die Belegschaft und nicht zuletzt auch die PE-Teams selbst.

Während sich der US-Kongress mit einer stärkeren Regulierung der Branche befasst, wird in Europa um Risikokapital geworben. Wie steht es um den europäischen Private-Equity-Markt im internationalen Vergleich?

Arndt Rautenberg: Wir sind, wie in vielen anderen Bereichen ja auch, hier um einige Jahre hinterher, und selbst im europäischen Kontext sind die Bedingungen für Kapitalinvestitionen in Deutschland schwach und im Ergebnis oft hemmend. Das bezieht sich auf Private Equity, insbesondere aber auf Venture Capital, also Risikokapital, das in Startups und junge Unternehmen investiert werden soll. Googlen Sie mal „Veräußerungsgewinne aus Streubesitzbeteiligungen“, dann sehen Sie das Problem sofort.

Hat der Brexit Auswirkungen auf die europäische Private Equity Szene?

Arndt Rautenberg: Nun ja, Großbritannien war und ist ein wichtiger Handelspartner, und der Brexit hat für viele Unternehmen sicherlich nicht wachstumsfördernd gewirkt. Und außerdem haben zahlreiche Management-Gesellschaften von Private Equity-Fonds ihren Sitz in London, so dass die Unsicherheit bei Aufenthaltsrechten und Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen die Stimmung etwas gedämpft hat. Aber das wird sich schon bald wieder einrenken, ganz sicher.

Herr Rautenberg, vielen Dank für das Gespräch!

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