Dieter Huber: Eigenheim hat Zukunft, aber nicht mehr überall

Dieter Huber ist Geschäftsführer von ADORABLE Immobilien Berlin GmbH. Mit ihm sprechen wir über die Zukunft der Eigenheime, politisches Kalkül sowie das Wohnmodell der Zukunft.

Der Aufreger diese Woche in der Immobilienbranche: Hamburg verbietet Eigenheime! Hintergrund ist die Änderung der Bebauungspläne für fünf Hamburger-Stadtteile, worin Eigenheime keine Baugenehmigung mehr erhielten. Hat das Eigenheim noch eine Zukunft oder werden andere Städte folgen?

Dieter Huber: Das Eigenheim hat Zukunft, aber nicht mehr überall. Das ist nicht einmal neu. Es muss um Ressourcen gehen. Bisher hatte das Eigenheim ohne ökologische Regulierung in den Innenstädten großer Städte aus ökonomischen Gründen schon dort keine Chancen mehr, wo eine bessere Ausnutzung des Grundstücks möglich war und aufgrund der Bodenpreise quasi geboten. Neu ist nur die vernünftige Regulierung aus ökologischen Erwägungen. Beim Einfamilienhaus ist der Ressourcenverbrauch zu hoch und die Energieeffizienz schlecht. Auch Nicht-Grün-Wählern kann dies einsichtig sein und sollte es. Insofern ist zu erwarten, dass andere Städte in Lagen an der Schwelle von flächigem Bau zu mehrgeschossigem Bau nachziehen werden. Nehmen wir Klimaschutz ernst, muss diese Diskussion geführt werden.

Flächenverschwendung für zu wenig Menschen, Verschwendung von Baumaterial und eine schlechtere Energiebilanz werden von Politikern ins Feld geführt bei der Argumentation gegen Eigenheime. Wie viel politisches Kalkül und wie viel Fakten stecken in den Aussagen?

Dieter Huber: Es steckt viel Weitblick in den Aussagen, was ich persönlich von Politikern auch erwarte. Es kann natürlich sein, dass auch kurzfristiges Kalkül dabei ist, kann ich aber nicht beurteilen. Die Diskussion ist überfällig, die Bildung für bewussten Umgang mit Flächen und Ressourcen anzustoßen ist goldrichtig und sollte nicht der Partei der Grünen überlassen bleiben.

Sollte sich das neue Wohnideal der Grünen durchsetzen, hieße es rein in die sanierte Plattenbausiedlung und Ade Eigenheim. Ein realistisches Szenario?

Dieter Huber: Niemand will die „Platte“. Dieses Argument ist diffamierend in dieser notwendigen Diskussion. Wer Fläche will kann immer noch aufs Land, mit allen Vor- und Nachteilen. Aber auch auf dem Land wird der Zersiedelung und dem Ressourcenraubbau mehr und mehr entgegen zu treten sein. Das Baugesetzbuch hat dafür schon ein gutes Instrumentarium. Auf dem Land widersprechen sich heute die Wünsche von Politikern bisher jedoch in den Punkten 1. Die Gemeinde soll nicht an Bedeutung verlieren, also soll die Bevölkerung bleiben oder gar wachsen mit 2. Zersiedelung und verstärktem Ressourcenverbrauch (in Bau und Verkehr). Hier bedarf es daher besonders übergeordneter Regeln.

Wie sieht Ihrer Meinung nach das Wohnmodell der Zukunft aus in Deutschland?

Dieter Huber: Aufgrund steigender Baulandpreise, hohen Ressourcenverbrauchs und engerer Städte sollte der Wohnflächenbedarf je Kopf nicht weiterwachsen. Diesem Luxus muss die Vernunft sich mit Begnügen begegnen, wahlweise mit besseren Nutzungen von Flächen, intelligenteren Konzepten – es gibt sonst auf Dauer viel bedeutendere Probleme.

Mal angenommen, modernisierte Plattenbauwohnungen werden zum Standard. Hätte dies nicht, bezogen auf den Mietpreis, positive Auswirkungen für Bewohner?

Dieter Huber: Ich lehne diesen Terminus „Platte“ ab. Damit verschieben Sie die Diskussion ins Populistische, ins vollkommen falsche Licht. Ich halte die Diskussion um den Wähler-Mieter auch für verfehlt. Die Politik sollte sich bemühen, die Selbstverantwortung der Bevölkerung zu fördern und helfen, breitere Schichten ins Eigentum zu bringen. Die Mieten sind im Übrigen nicht zu hoch, müssen immer an der Investition und dem return of investment gespiegelt werden. Niemandem ist mit Verwahrlosung von Eigentum gedient, wenn der Vermieter über regulierte Mieten gequält wird, damit einige Politiker des linken Spektrums bei ihrem Klientel kurzfristig punkten. Diese Politik ist zutiefst verlogen und verfehlt.

Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch!

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