Achim Geimer: Bezahlbare Grundstücke für Eigenheime sind kaum verfügbar

Achim Geimer ist Geschäftsführer der Immotion Capital GmbH. Mit ihm sprechen wir über das Verbot von Eigenheimen in Hamburg, Flächenverschwendung sowie politisches Kalkül.

Der Aufreger diese Woche in der Immobilienbranche: Hamburg verbietet Eigenheime! Hintergrund ist die Änderung der Bebauungspläne für fünf Hamburger-Stadtteile, worin Eigenheime keine Baugenehmigung mehr erhielten. Hat das Eigenheim noch eine Zukunft oder werden andere Städte folgen?

Achim Geimer

Achim Geimer: Ich sehe dies als regionale Einzelentscheidung, bei der gegen zunehmende Flächenversiegelung vorgegangen wird, allerdings auch auf Kosten persönlicher Gestaltungsfreiheit. Fakt ist, dass es in den großen Metropolen sowieso kaum noch Grundstücke für Eigenheime gibt, bzw. sind die vorhandenen Grundstücke schlicht aufgrund der Nachfrage viel zu teuer für den Bau von Eigenheimen – dort entstehen dann Reihen-Townhouses, bzw. Miet- oder Eigentumswohnungskomplexe. Der Markt hat in dieser Richtung in Berlin daher die weitere Entstehung von Eigenheimen längst behindert.

Flächenverschwendung für zu wenig Menschen, Verschwendung von Baumaterial und eine schlechtere Energiebilanz werden von Politikern ins Feld geführt bei der Argumentation gegen Eigenheime. Wie viel politisches Kalkül und wie viel Fakten stecken in den Aussagen?

Achim Geimer: Die Politik in Verbindung mit Umweltverbänden wünscht in Ihrer Mehrheit Nachverdichtung, anstelle von weiteren Flächenversiegelungen. Dies wird sich in den großen Städten auch durchsetzen – zumal wie unter 1 geschildert, bezahlbare Grundstücke für Eigenheime kaum verfügbar sind. Im ländlichen Raum, wie im Speckgürtel der großen Städte – auch eine Reaktion auf die Pandemie und den Wunsch von unabhängiger Selbstverwirklichung von Familien – wird allerdings der Wunsch und die Verwirklichung von Eigenheimbau weiter umgesetzt werden.

Sollte sich das neue Wohnideal der Grünen durchsetzen, hieße es rein in die sanierte Plattenbausiedlung und Ade Eigenheim. Ein realistisches Szenario?

Achim Geimer: Nach Abriss wegen massivem Leerstand in den Platten in den 90er Jahren sind Plattenbauten längst saniert und unverzichtbarer Bestandteil des Mietwohnungsmarktes. Allerdings beobachten wir, dass jene, die wirtschaftlich in der Lage sind, als Eigenheim etwas Anderes suchen, nämlich sanierten Altbau in Top Lagen, oder das Townhouse am Rand der Zentren. Eine freie Gesellschaft lebt von Vielfalt und sollte dem Rechnung tragen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach das Wohnmodell der Zukunft aus in Deutschland?

Achim Geimer: Die aktuelle Pandemie hat den Wunsch nach etwas „mehr“ an Wohnraum verstärkt. Wir beobachten eine erheblich gestiegene Nachfrage nach 3 Zimmer Wohnungen und einen Rückgang bei 1 Zimmer Apartment Käufen. Diese Folgen dürften bleiben und die Bauträger werden in den großen Städten beim Eigentumswohnungsbau darauf eingehen. 3 Zimmer mit gut 80 m2 sind der „Renner“ zurzeit, sprich noch bezahlbar, aber eben mit Platz für Homeoffice. Das eigene Haus mit Grundstück wird nur noch in Kleinstädten und ländlichen Regionen für die allermeisten bezahlbar sein.

Mal angenommen, modernisierte Plattenbauwohnungen werden zum Standard. Hätte dies nicht, bezogen auf den Mietpreis, positive Auswirkungen für Bewohner?

Achim Geimer: Wie bereits dargelegt sind Platten längst saniert, auch in Leipzig, Halle, Erfurt, Chemnitz etc. Diese Wohnungen sind unverzichtbarer Bestandteil eines funktionieren Mietwohnungsmarktes, speziell für Menschen mit geringeren Einkommen. Wir erleben jedoch, dass der Preisdruck bei Mietwohnungen einem generell zu geringen Angebot in den Metropolen geschuldet ist. Platten entstehen ja nicht neu.

Herr Geimer, vielen Dank für das Gespräch!

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