SPACs können zur Weiterentwicklung der Finanzierungslandschaft in Deutschland beitragen – Markus Solibieda

Markus Solibieda ist Managing Director der BASF Venture Capital GmbH. Im Interview spricht er über die Vorteile von SPACs und dem Unterschied zu Venture Capital Fonds.

Markus Solibieda

Special Purpose Acquisition Company sind neuerdings ein beliebtes Investmentvehikel. Was sind SPACs eigentlich und wie funktionieren diese Investments?

Markus Solibieda: SPACs sind zunächst noch leere Holdinggesellschaften, die bei ihrem Börsengang Kapital aufnehmen, um dieses nachfolgend in ein Unternehmen in einer vorab definierten Branche zu investieren.

Diese Investition findet im Rahmen eines sogenannten SPAC-Mergers statt, d. h. die mit Kapital ausgestattete Holdinggesellschaft fusioniert mit einem operativen (bisher nicht börsennotierten) Unternehmen und erwirbt im Rahmen dieser Transaktion Anteile an der operativen Zielgesellschaft. Im Ergebnis entsteht eine neue Gesellschaft, die ein operatives Geschäft hat, mit frischem Kapital ausgestattet ist und börsennotiert ist.

Was sind die Vorteile von SPACs?

Markus Solibieda: Aus Sicht des operativen Unternehmens bietet der Merger mit einer SPAC einen beschleunigten Zugang zum Kapitalmarkt und ist mit dem Zufluss eines signifikanten Kapitalbetrages verbunden. Aus Sicht des Anlegers, d. h. des Aktionärs der fusionierten Gesellschaft, sind die Vorteile weniger offensichtlich – er investiert in ein Team, das noch nicht klar definiert hat, in welches Unternehmen und zu welcher Bewertung man das Kapital der SPAC-Holding investieren wird. Für das Management-Team, das den SPAC auflegt, liegen die Vorteile insbesondere in einem oft signifikanten Carried Interest, d. h. Anteile an der fusionierten Gesellschaft, die dem Team für seine Leistung bei der Auswahl des operativen Zielunternehmens gewährt werden. Für das Management und die Gesellschafter des operativen Zielunternehmens liegen die Vorteile in einem beschleunigten Zugang zu signifikantem Kapitalvolumen, bzw. der Möglichkeit, einen beschleunigten Exit zu realisieren.

Welche Risiken gehen die Investoren bzw. Aktionäre ein?

Markus Solibieda: Aus Sicht der Investoren/Aktionäre ist insbesondere die mangelnde Klarheit über das operative Zielunternehmen, mit dem die SPAC-Holding fusionieren wird, ein Risiko. Der Aktionär kann sich nicht wie sonst üblich vor seinem Investment, z. B. bei der Zeichnung von Aktien im Rahmen eines Börsengangs, ein Bild über das operative Zielunternehmen machen, sondern ist darauf angewiesen, dass das Management der SPAC-Holding eine gute Entscheidung treffen und gut verhandeln wird.

Worin unterscheiden sich SPACs von klassischen Venture Capital Fonds?

Markus Solibieda: Auch klassische Venture Capital Fonds sind zum Zeitpunkt ihrer Auflage oft „Blind Pools“, d. h. der (private) Investor kann sich zwar ein Bild über das Management des VC-Fonds machen, wird aber die Entscheidung über die einzelnen Investments nicht beeinflussen. Darüber sind die Anteile an klassischen Venture Capital Fonds – anders als bei den SPACs – in der Regel nicht börsennotiert. Schließlich investiert ein Venture Capital Fonds über einen Zeitraum von mehreren Jahren in 5 – 20 Unternehmen, anstatt in nur ein einzelnes Zielunternehmen wie beim SPAC. Die investierten Beträge pro Unternehmen entscheiden sich daher deutlich – während klassische Venture Capital Fonds in Deutschland typischerweise EUR 1 – 30 Mio. pro Unternehmen investieren, sind SPACs oft mit Beträgen zwischen EUR 250 und 500 Mio. ausgestattet. Auch in Europa werden SPACs beliebter, u. a. haben Rocket Internet Chef Samwer und Ex-Commerzbank Chef Blessing angekündigt SPACs aufzulegen.

Werden SPACs der neue Standard für die Finanzierung von Start-Up-Unternehmen bzw. für Neuemissionen an der Börse?

Markus Solibieda: SPACs können einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Finanzierungslandschaft in Deutschland und Europa leisten. Aufgrund ihrer speziellen Struktur werden sie weder Venture Capital noch Börsengänge von operativen Unternehmen ersetzen, sie können jedoch ein wichtiges, zusätzliches Bindeglied zwischen privaten und börsennotierten Finanzierungen werden. Investoren in private Unternehmen werden so zusätzliche Exit-Optionen eröffnet und vielversprechende Wachstumsunternehmen können sich Kapitalvolumen erschließen, die über einzelne Finanzierungsrunden mit privaten Investoren nur schwer zu realisieren wären. Daher wäre es zu begrüßen, wenn SPACs auch in Deutschland tätig werden und mit ihrem Kapital und ihrer Expertise Erfolgsgeschichten bei der Entwicklung von Wachstumsunternehmen schreiben.

Herr Solibieda, vielen Dank für das Gespräch.

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