Christian M. Mzyk: Personenzertifikate sind in der IT allgegenwärtig

Christian M. Mzyk ist Geschäftsführer der WAITS GmbH in Köln. Mit ihm sprechen wir über Personenzertifikate, Laufzeitbeschränkungen sowie Erneuerungs-Prüfungen.

Christian M. Mzyk

IT-Zertifikate gehören zum Standard im Internet und sollten von jedem Webseitenbetreiber eingebunden werden. Was ist das überhaupt genau und welchen Nutzen hat der Besitz eines solchen Zertifikats?

Christian M. Mzyk: Personenzertifikate sind in der IT allgegenwärtig. Ganz gleich, ob im Projektmanagement, in der Softwareentwicklung oder im Testing. In allen Bereichen wird sich der ein oder andere etablierte Zertifikatsgeber finden. Diese Zertifikate bestätigen somit von dritter Stelle, dass die zertifizierten Personen einen gewissen Wissensstand bzgl. des zertifizierten Fachbereiches erworben haben und diesen auch anzuwenden wissen. Somit können sich Kunden, die eine zertifizierte Person anstellen oder beauftragen, sicher sein den Industriestandard einzukaufen. Ein Personenzertifikat ist ein starkes Marketinginstrument, welche auftragsentscheidend sein kann. Aus diesem Grund kann es gerne auf Webseiten eingesetzt werden. Jedoch ist zu prüfen, ob die Darstellung der zertifizierten Personen ins Website-Konzept passt. Bei z.B. Konzernen werden selten Einzelpersonen präsentiert – und nur an dieser Stelle macht die Anzeige der Personenzertifizierung Sinn.

Wie unterscheiden sich aber Hochschulnoten und IT-Zertifikate?

Christian M. Mzyk: Hochschulnoten spiegeln im Allgemeinen einen theoretischen Wissensstand des Studenten wider. Und die Benotung erfolgt meist nur im kleinen Kreis durch den Dozenten, den Professor mit und ohne Mithilfe von Tutoren. Somit ist eine gewisse Subjektivität der Benotung gegeben. Im Gegensatz hierzu sind Personenzertifizierungen standardisiert und werden im Regelfall durch eine Instanz eines Marktführers in dessen Fachbereich vergeben. Die Prüfungen hierzu werden demnach sehr praxisnah und langwierig von Teams aus deren Learning Segment entwickelt. Da die Zertifizierungsexamen in der Regel weltweit von spezialisierten und akkreditierten Unternehmen standardisiert durchgeführt werden, ist weltweit eine absolute Vergleichbarkeit gegeben. So wird z.B. ein Prince2® zertifizierter Projektmanager überall weltweit dieselben Ansätze zur Projektrealisierung anwenden können.

Für wen sind die IT-Zertifikate besonders attraktiv und sind diese immer an das System einer Firma oder Hersteller gebunden?

Christian M. Mzyk: Ich kann nur jedem IT-Experten raten, sich sein Wissen mit einem oder mehreren Personenzertifikaten bestätigen zu lassen. Ganz gleich ob im Testing von Software, in der Erstellung oder bei der Analyse – es gibt in jedem Fachgebiet Zertifizierungen. Entweder sind es Zertifizierungen die durch Marktführer (z.B. Cisco, Microsoft, etc.) vergeben werden oder es handelt sich um Organisationen die einen Standard verfolgen wie z.B. Axelos für ITIL und Prince2® (und weitere) oder das International Software Testing Qualifications Board (ISTQB) für Tester.

IT-Zertifikate sind normalerweise nicht kostenfrei. Über welche Kosten sprechen wir eigentlich und was sind die Unterschiede zwischen den günstigen und eher hochpreisigen Anbietern?

Christian M. Mzyk: Wenn wir über Kosten der Zertifikate sprechen, müssen wir auch über Trainings und Schulungen zu den Examen des jeweiligen Zertifikates sprechen. Nur selten finden sich Experten wieder die ohne eine Schulung und rein autodidaktisch die Zertifizierungsprüfungen bestehen. Sollte man nicht zu der Kategorie der Überflieger gehören und das Examen nicht ohne eine Schulung bestehen, sind im Regelfall Kosten für die Trainings, evtl. Schulungsunterlagen und Testexamen oder Examens-Simulationsapplikationen anfällig. Die reinen Kosten für Prüfungen liegen zumeist im überschaubaren 3-stelligen EUR Bereich. Einige Examensvoucher sind evtl. unter 100 EUR zu erwerben – dies ist jedoch eher die Ausnahme. Sollten Classroom- oder Virtuelle Schulungen via Video(konferenz) benötigt werden, können die Preise für die Schulungen je nach Renommee, Aufwand und Komplexität des Themas schnell einige tausend EUR kosten. Dies ist auch mit der Grund weshalb zertifizierte Berater nicht so günstig einzukaufen sind wie nicht zertifizierte Personen. Eine Pauschale Aussage über die Kosten ist demnach nicht möglich zu tätigen. Jede Zertifizierung ist wie beim Inhalt auch beim Preis sehr individuell.

IT-Zertifikate sind nicht für die Ewigkeit, durch die rasend schnelle Entwicklung von Methoden und Systemen verlieren die Nachweise über Zeit ihren Wert. Worauf sollte man beim Erwerb von einem IT-Zertifikat achten?

Christian M. Mzyk: Wie bei dem Preis, der nicht obligatorisch beantwortet werden kann, sondern von Zertifizierung zu Zertifizierung unterschiedlich ist, so gilt auch hier: Jeder Anbieter hat andere Regularien bezogen auf das Verfallsdatum des jeweiligen Zertifikates. Häufig gibt es Basis-Zertifikate, die ein grundlegendes Verständnis und Terminologie des Fachgebietes attestieren, ohne Laufzeitbeschränkung. Diese Personenzertifikate sind dann unbegrenzt gültig. Viele darauf aufbauende (manchmal mit einer, manchmal mit mehreren Stufen) Zertifikate haben eine zeitlich beschränkte Gültigkeit. Denn wie in der IT selbst, wandeln sich viele Methoden und Techniken durch deren Evolution. Um den neuesten Wissensstand nachweisen zu können, wird dann auch im 1-3 Jahres Zyklus eine Auffrischungs-Zertifizierung nötig. Wie beim Preis sollte man sich bei der im Auge befindlichen Zertifizierung auch über diese Erneuerungs-Prüfungen informieren. Auch diese sind wieder mit einem kostenpflichtigen Examen zu absolvieren. Ich kann demnach nur jedem empfehlen sich einen genauen „Fahrplan“ bis zur avisierten Zertifizierungsstufe der gewünschten Zertifizierung zu erstellen. So behält man Zeit- und Kostenaufwand im Blick und kann auch überlegen, ob und wann ein ROI (Return Of Invest) zu erwarten ist.

Herr Mzyk, vielen Dank für das Gespräch!

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