Duc Dang: Zukunft von Kryptowerten ist im Allgemeinen sicher

Duc Dang ist Co-Founder und Managing Director der Think Crypro GmbH. Mit ihm sprechen wir über Staking, Blockchain-Transaktionen sowie Validatoren.

Kryptowährungen können nicht nur durch Schürfen verdient werden, sondern auch durch Staking? Was versteht man unter diesem Begriff?

Duc Dang

Duc Dang: Unter Staking (auch „Proof-of-Stake“) versteht man einen anderen Konsensmechanismus für das Validieren von Blockchain-Transaktionen und das Erstellen von neuen Blöcken als beim konventionellen Mining bzw. „Schürfen“ oder auch „Proof-of-Work“ genannt. Das Grundprinzip der Konsensmechanismen ist gleich. Der Validator bzw. Miner validiert die Blockchain-Transaktionen und dafür erhält dieser eine Belohnung („Block Reward“). Der Unterschied in den Mechanismen liegt bei der zur Verfügung gestellten Ressource. Beim Mining ist dies Rechenleistung, beim Staking ist dies jedoch der Kryptowert selbst. Dies ist beim Staking vereinfacht gesagt vergleichbar mit einem Festgeldkonto, wo das Geld für eine bestimmte Zeit angelegt („gelocked“) wird und man dort einen bestimmten Zins als Belohnung erhält.

Wer oder was sind Validatoren? Kann jeder Validator werden und welche Anforderungen gibt es?

Duc Dang: Validatoren sind Knotenbetreiber, die jeweils eine (Teil-) Kopie der Blockchain speichern und bestimmte Funktionen ausführen müssen, um das System sicher zu halten. Validatoren sind ein wesentlicher Bestandteil des Proof-of-Stake-Konsensmechanismus. Sie sind im Wesentlichen die Moderatoren des Staking-Systems und haben die wichtige Aufgabe neue Blöcke in der Kette (deswegen „Blockchain“) zu erstellen und zu validieren. Die Anforderungen um ein Validator zu werden sind je nach Blockchain-Netzwerk unterschiedlich. Beim Ethereum-Netzwerk benötigt man bspw. für jeden Validator genau eine Einlage von 32 ETH in einen Staking Contract. Dies entspricht beim aktuellen Preisniveau eine umgerechnete Einlage von über 80.000 Euro. Solche Mindesteinlagen sind natürlich eine große Hürde für einen durchschnittlichen Anleger, die aber durch Staking-Pools umgangen werden können.

Wo liegt der Unterschied zwischen Proof-of-Work-Blockhain (PoW) und Proof-of-Stake-Algorithmen (PoS)? Ist PoS evtl. eine nachhaltigere Variante als das konventionelle Schürfen?

Duc Dang: Der Unterschied zwischen den beiden Konsensmechanismen liegt wie bereits oben beschrieben in der zur Verfügung gestellten Ressource für das Validieren. Beim Proof-of-Work wird Rechenleistung zur Verfügung gestellt, welche genutzt wird, um z.B. komplexe mathematische Aufgaben zu lösen wie beim Bitcoin-Netzwerk. Dies ist im Vergleich zum Proof-of-Stake sehr energieintensiv und schlägt sich nieder in großen Mining-Farmen mit gewaltigen Stromverbräuchen. Beim Proof-of-Stake hingegen geht es in der Regel lediglich um die Beteiligung am Netzwerk durch eine gesperrte Einlage, weshalb dies deutlich klimaschonender, nachhaltiger und leichter umzusetzen ist.

Inwiefern zieht der Validator einen Vorteil? Was für eine Belohnung erhält er? Wie sieht der Gewinn aus?

Duc Dang: Der wirtschaftliche Vorteil eines Validators liegt in der Belohnung bzw. „Reward“, die dieser erhält. Dies bedeutet eine Rendite auf die Einlage, die aber in der Regel davon abhängt, wie viele Validatoren es insgesamt gibt. Der ideele Wert beim Staking ist es das Blockchain-Netzwerk zu unterstützen und zu sichern.

Beim Gewinn sind jedoch verschiedene Einflussfaktoren zu betrachten, die einen erheblichen Einfluss auf den tatsächlichen ROI haben können: Wertentwicklung des Assets, Rewarderwartungen, steuerliche Implikationen und Kosten für Service Provider. Diese Einflussfaktoren sind je nach Anlage sehr individuell und können einen sehr starken Einfluss auf die Rendite haben – sowohl ins positive als auch ins negative.

Trägt ein Validator ein Risiko, wenn ja wie äußert es sich?

Duc Dang: Obwohl Validatoren für die Arbeit, die dem Netzwerk zugute kommt, Belohnungen verdienen können, können Sie für Fehlverhalten Strafen erhalten vom Netzwerk. Dies ist oftmals im Zusammenhang mit böswilligen Aktionen, offline gehen und durch Nicht-Validieren der Transaktionen.

Des Weiteren ist ein allgemeines wirtschaftliches Risiko der tatsächliche ROI nach Steuern und nach Wertentwicklung. Denn ob durch eine Staking-Anlage real auch ein positiver Ertrag zustande kommt, hängt fundamental von der Wertentwicklung des Kryptowertes ab, welches für diese Anlage ausgesucht wurde. Auch sind die Steuern, die dafür zu zahlen sind, ein hohes Risiko für die Liquidität des Anlegers.

Mit dem Thema der Besteuerung von Kryptowerten beschäftigen wir uns täglich, da dies unser Kerngeschäft ist bei unserem Produkt coin.ink (Krypto-Steuersoftware für Privatanleger). Dies hat bei Staking verschiedene einkommensteuerliche Auswirkungen. Die erhaltenen Belohnungen sind direkt einkommensteuerpflichtig und werden zum Zeitpunkt des Erhalts bewertet. Die Besteuerung wird dann im Zuge der Steuererklärung vollzogen. Sollte die Kursentwicklung des Staking-Kryptowertes negativ verlaufen, dann kann dies zu einer Steuerfalle werden, welche man nicht durch die Veräußerung der erhaltenen Belohnungen bedienen kann. Des Weiteren soll nach dem Entwurf des Bundesministeriums für Finanzen die Haltefrist für Veräußerungen der Staking-Kryptowerte von einem Jahr auf 10 Jahre verlängert werden. Dies hat zur Folge, dass auch bei der Veräußerung (nach einem Jahr und innerhalb von 10 Jahren) dieser Kryptowerte es zu einkommensteuerpflichtigen Erträgen führt. Die Komplexität der Versteuerung von Kryptowerten ist bereits sehr hoch. Durch die geplante Änderung wird die Komplexität für die Versteuerung von Kryptowerten damit nur noch extrem gesteigert, weshalb man dies nicht ohne eine saubere Strukturierung und ohne eine Krypto-Steuersoftware wie coin.ink mehr lösen kann.

Prognose zum Staking-Markt: Wie sicher ist die Zukunft des Markts?

Duc Dang: Wir von der Think Crypto GmbH sind schon seit Jahren der Überzeugung, dass die Zukunft von Kryptowerten im Allgemeinen sicher ist, das Volumen zunehmen wird und sich Kryptowerte als Asset-Klasse fundamental etablieren werden. Dazu gehört eben auch der Staking-Markt. Die Adoption von Staking wird jedoch noch seine Zeit benötigen, da dieses Thema aktuell hauptsächlich von Early Adoptern geprägt wird sowohl im privaten als auch im institutionellen Bereich. Auch mit Hinblick auf die Blockchain-Netzwerke sehen wir hier eine Verschiebung hin zum Proof-of-Stake. Für Deutschland wird durch die geplante Verlängerung der Haltefrist vom BMF international ein Wettbewerbsnachteil entstehen. Wir fordern und wünschen uns hier ein Umdenken der Regulierungsbehörden, um nicht den deutschen Staking-Markt zu belasten.

Herr Dang, vielen Dank für das Gespräch!

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