Khashayar Abbasi: Erhebliche Verluste von Bitcoin durch Cyber-Kriminelle

Wir sprechen mit Khashayar Abbasi über Bitcoin-ETFs, Indexfonds sowie Investieren in Krypto-Futures.

An der größten Börse der Welt startete am 19.10.2021 der erste an Bitcoins gekoppelte ETF. Allerdings investiert der Fonds nicht direkt in den Bitcoin. Was ist darunter zu verstehen?

Khashayar Abbasi: Mit dem ProShares Bitcoin ETF (BITO) investiert man tatsächlich nicht direkt in Bitcoin, sondern in Bitcoin-Futures an der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Die Terminkontrakte für Bitcoin gibt es an dieser Börse seit dem Jahr 2017, momentan ist es der einzige Terminkontrakt dieser Art in den USA. Die US-Börsenaufsicht SEC hat noch keine Genehmigung für einen ETF erteilt, der Bitcoin direkt nachbildet.

Mehrfach hatte die US-Börsenaufsicht SEC den Indexfonds gestoppt. Warum legte sie diesmal kein Veto ein bzw. warum war diese bisher immer besorgt?

Khashayar Abbasi: Die SEC ist seit etlichen Jahren relativ zurückhaltend gegenüber Bitcoin-Indexfonds. In der Tat haben viele Unternehmen wie VanEck und WisdomTree mehrmals die Genehmigung zur Auflegung eines Bitcoin-ETF beantragt, aber die SEC hat sie stets abgelehnt. Die größte Sorge war, dass die Branche relativ volatil ist, was Kleinanleger und institutionelle Investoren einem Risiko hätte aussetzen können. Die SEC war auch über Marktmanipulation und Betrug besorgt. Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem börsengehandelten Fonds, der Bitcoin direkt nachbildet, und einem, der einen Terminkontrakt nachbildet. Der erstere müsste Bitcoin in Verwahrung haben, während ein Futures-ETF nur die Futures-Kontrakte besitzen muss.

Das Investieren in Futures birgt einige Risiken. Vor allem Contango und Backwardation sind dabei unerfreuliche Effekte, die auftreten könnten. Können Sie uns die beiden Effekte erklären?

Khashayar Abbasi: Contango und Backwardation sind zwei der größten Risiken bei Investitionen auf dem Futures-Markt. Bei Contango liegt eine Situation vor, in der der aktuelle Preis eines Terminkontraktes relativ höher ist als der Kassapreis des entsprechenden Vermögenswertes. Diese Situation tritt ein, wenn der Preis eines Vermögenswertes voraussichtlich im Laufe der Zeit weiter steigen wird. Die Differenz zwischen den beiden sind die Haltekosten oder Cost of Carry. Backwardation hingegen ist eine Situation, in der der aktuelle Preis eines Vermögenswertes höher ist als sein Future-Preis. In diesem Fall kann ein Trader Geld verdienen, indem er Bitcoin leerverkauft und dann den Futures-Kontrakt mit Gewinn kauft.

Immer wieder stellt sich die Frage, warum ETF-Anbieter ihr Investment nicht mit Bitcoins hinterlegen. Grund sollen Anweisungen der SEC gewesen sein. Wie begründet die SEC das Verbot?

Khashayar Abbasi: Die SEC und andere Regulierungsbehörden waren nicht bereit für die Popularität der Kryptowährungen. Heute hat die Behörde mehrere Bedenken, wie aus den jüngsten Äußerungen von Gary Gensler hervorgeht. So gibt es beispielsweise Bedenken hinsichtlich der Volatilität und Sicherheit von Bitcoin. Außerdem haben wir in den letzten Jahren erhebliche Verluste von Bitcoin durch Cyber-Kriminelle erlebt.

Die Zulassung an der New Yorker Börse könnte auch ein Startschuss für europäische Börsen sein. In Kanada und Deutschland gibt es bereits dedizierte Bitcoin- bzw. Krypto-ETFs. Die meisten sind allerdings in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen. Denken Sie der neue Bitcoin-ETF in den USA hat eine Signalwirkung auf europäische Finanzmärkte?

Khashayar Abbasi: Die europäischen Regulierungsbehörden sind in vielerlei Hinsicht ins Hintertreffen geraten. In vielen Fällen mussten sie gegenüber den US-Behörden aufholen. Daher denke ich, dass sie eine abwartende Haltung einnehmen werden, bevor sie eine Entscheidung über Krypto-Indexfonds treffen. Ich denke, dass sie sowohl Bitcoin-Futures als auch Spot-ETFs akzeptieren werden, wenn die USA sie akzeptieren.

Herr Abbasi, vielen Dank für das Gespräch!