Sebastian Berker: PoS ist definitiv eine nachhaltige Lösung

Sebastian Berker ist 1. Vorstand CoinFriends e.V. Mit ihm sprechen wir über Kryptowährungen, Unterschied zwischen PoW und PoS sowie konventionelles Schürfen.

Kryptowährungen können nicht nur durch Schürfen verdient werden, sondern auch durch Staking? Was versteht man unter diesem Begriff?

Sebastian Berker: Spätestens, nachdem der Gründer der zweitbekanntesten Kryptowährung ETH verkündet hat, dass mit Ethereum 2.0 die Umstellung von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake erfolgt, ist der Begriff Staking in aller Munde. Proof of Stake abgekürzt (PoS) wurde erstmals 2012 in einem Whitepaper vorgestellt und hat zum Ziel das Problem des hohen Energieverbrauchs, welches durch das Mining der Proof-of-Work Protokolle von Bitcoin oder Ethereum verursacht wird, zu lösen. Proof-of-Stake bedeutet, dass Krypto-Vermögenswerte, also Coins für einen je nach Protokoll unterschiedlich langen Zeitraum in einer Proof-of-Stake-Blockchain hinterlegt werden. Dort sind diese für die jeweilige Dauer gesperrt und können nicht transferiert werden. Wer seine Coins in einer PoS-Blockchain staked, wird in den meisten Chains «Validator» genannt. Um Staking betreiben zu können, benötigt das jeweilige Blockchain-Netzwerk somit einen Nachweis über die vorhandenen Vermögenswerte eines Validators. Zudem muss der Node des Validators dauerhaft online sein um die Pflichten, die beim Proof of Work durch Miner abgedeckt werden, zu erfüllen. Hierzu zählen vor allem die Sicherung des Netzwerks und die Validierung jeder neuen Transaktion auf der jeweiligen Blockchain. Für die Bereitstellung der Nodes werden die Validatoren mit neuen erzeugten Coins aus dem Netzwerk belohnt. Insbesondere ergibt sich hieraus ein Vorteil in Bezug auf die Skalierbarkeit und den Stromverbrauch gegenüber des Proof of Work-Protokolls. Es gibt neben dem zuvor erwähntem Verfahren PoS auch das dPoS (delegated Proof of Stake). In diesem Verfahren verlassen die eigenen Token zu keiner Zeit die eigene Wallet und werden lediglich über die Blockchain des jeweiligen Netwerkes delegiert und sind somit gegenüber Proof of Stake wesentlich sicherer.

Wer oder was sind Validatoren? Kann jeder Validator werden und welche Anforderungen gibt es?

Sebastian Berker: Wie bereits erwähnt sind Validatoren Individuen oder Institution, die vorübergehend ihre Krypto-Vermögenswerte einfrieren und dafür Belohnungen in Form von neu erschaffenen Coins erhalten. Ihre Hauptaufgabe besteht darin ihre Voting power zur Verfügung zu stellen, um Transaktionen zu validieren und dadurch die Blockchain zu sichern. Darüber hinaus hat jeder Validator ein Stimmrecht um z.B. Transaktionen zu bestätigen. Hierbei gilt: Je mehr Coins ein Validator gestaked hat, desto mehr Stimmrecht hat er.

Jeder der über eine Wallet der jeweiligen PoS Blockchain verfügt kann ein Validator werden. Man muss sich nur für eine passende Blockchain entscheiden. Bei einigen Blockchains gelten bestimmte Anforderungen, wie z.B. länge Sperrfristen der Vermögenswerte oder Mindesteinlagen.

Wo liegt der Unterschied zwischen der Proof-of-Work-Blockchain (PoW) und Proof-of-Stake-Algorithmen (PoS)?

Sebastian Berker: Der Hauptunterschied von PoW im Vergleich zu PoS ist, dass wir beim PoW einen Arbeitsnachweis haben und bei PoS einen Anteilsnachweis. Dies bedeutet, dass bei der PoW-Blockchain neue Coins durch das Mining erschaffen werden, also dem Aufwenden von hoher Rechenleistung und bei der PoS-Blockchain werden neue Coins gemintet (erzeugt), je nach Volumen der gestaketen Coins. Dies bedeutet, dass jeder Validator neu erschaffene Coins in Höhe eines im Protokoll prozentual festgelegten Satzes, der sich nach der Höhe der eigenen gestaketen Coins orientiert, erhält.

Ist PoS evtl. eine nachhaltigere Variante als das konventionelle Schürfen?

Sebastian Berker:  PoS ist definitiv eine nachhaltige Lösung, da hierbei die Stromkosten um 99,95 Prozent gesenkt werden können. Allerdings ist PoS nicht für alle Krypto Projekte umsetzbar oder sinnig.

Inwiefern zieht der Validator einen Vorteil? Was für eine Belohnung erhält er? Wie sieht der Gewinn aus?

Sebastian Berker: Ein großer Vorteil beim Staking gegenüber dem Mining ist, dass die Hürde für den Einstieg in den Validierungsprozess wesentlich geringer ist, da Nutzer keine spezialisierten Hochleistungs-Computer benötigen, um zu partizipieren. Die Belohnung des Stakings ist immer die Vermehrung der jeweiligen gestakten Coins oder Token. Daher funktioniert Staking ähnlich wie ein klassisches Sparbuch mit einer Verzinsung wie in guten Zeiten – nur dezentral. Bei der Ausschüttung der Belohnung gibt es allerdings Besonderheiten: Erst wenn eine gewisse Menge an Coins oder Token gestaket sind, erzeugt das Blockchain Protokoll neue Coins oder Token. Zudem orientiert sich die Gewinnausschüttung an die Validatoren daran, wer wie lange seine Vermögenswerte eingefroren hat. Wenn man die Mindesteinlage nicht erfüllt oder keinen eigenen Server betreiben will, kann man dennoch partizipieren, indem man sich anderen Validatoren anschließt. Diese verlangen meist eine kleine Gebühr von den Vergütungen aus dem Staking. Dies ist für den normalen Kleininvestor sinnvoll. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Die Validatoren können zwar die Einlage, wenn sie auf einer selbst verwaltetem Wallet wie z.B. einem Ledger liegen, nicht entwenden, jedoch können sie die Staking-Vergütung einbehalten oder die Node des Validators ist nicht so oft, wie erwartet, online und erwirtschaftet deshalb weniger Gewinne als zuvor angenommen. Bzw. kann der Validator auch die Staking gewinne einbehalten. Das Proof-of-Stake-Sicherheitsmodell belohnt ehrliche Validierer, aber es bestraft auch unehrliche oder faule Validierer und ihre Delegatoren! So können unter Umständen Validierer wegen Doublesigning abgestraft werden. Daher ist es wichtig sich mit den einzelnen Validatoren auseinander zu setzen, bevor man seine Coins oder Token zum Staken freigibt.

Sehr vorsichtig sollte man grundsätzlich immer dann sein, wenn man seine Coins oder Token auf einer anderen Wallet oder gar Plattform lagern soll, auf der man keine Kontrolle über die Private Keys hat.

Trägt ein Validator ein Risiko, wenn ja wie äußert es sich?

Sebastian Berker: Der Validator im PoS trägt wie bei jedem Kauf von Kryptowährungen das Risiko der Volatilität. Zudem ist eine große Schwäche des PoS-Systems die Bevorzugung von wohlhabenden Nutzern gegenüber anderen, insbesondere bei der Ausschüttung der Belohnung. Ansonsten ist das Staken vergleichsweise eine sehr sichere Methode seine Coins zu vermehren.

Prognose zum Staking-Markt: Wie sicher ist die Zukunft des Markts?

Sebastian Berker: Der Staking Markt bzw. DeFi (Dezentrales Finanzwesen) wird bereits jetzt von den Finanzmärkten und Finanzdienstleistern als eine ernstzunehmende Konkurrenz angesehen. In Anbetracht des wachsenden Interesses der Bevölkerung nach smarten Investment-Lösungen als Alternative zu unserem traditionellem Geldsystem und die steigenden Anforderungen an die Realisierung von anspruchsvollen Fintech-Projekte ermöglicht Defi die Umsetzung zahlreicher Anwendungsbeispiele. Daher kann der Staking-Markt, sowie die gesamte Branche sehr positiv in die Zukunft blicken. Wer mehr zu diesen Themen erfahren möchte, ist in unserem Verein CoinFriends e.V.  bestens aufgehoben. Hier bleibt keine Frage rund um die Blockchain offen.

Herr Berker, vielen Dank für das Gespräch!

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