Carsten Vennemann: Index- oder Aktienfonds?

Carsten Vennemann ist CFA, Geschäftsführer der alpha beta asset management gmbh. Mit ihm sprechen wir über Investitionen in Aktienfonds, Vorstellungen von Kleinanlegern sowie Streuung der Risiken.

Investitionen in Index- oder Aktienfonds: Auf welche Weise kommen Fonds den Vorstellungen von Kleinanlegern entgegen?

Carsten Vennemann

Carsten Vennemann: Das wichtigste Prinzip der Geldanlage ist die Streuung der Risiken. Fonds, ob ETF, Indexfonds oder aktiv verwalteter Aktienfonds folgen diesem Prinzip aufgrund gesetzlicher Mindestvorschriften. Viele Fonds investieren jedoch konzentriert auf Themen, Branchen oder Länder, wie z.B. Technologie, Demographie oder Nachhaltigkeit. Durch diese Spezialisierung steigen zwar die Ertragschancen, oft aber auf Kosten der Streuung und damit des Risikos. Grundsätzlich gilt: Je breiter ein Fonds aufgestellt ist, desto sicherer ist er. Wichtig ist aber, dass auch Kleinanleger überhaupt die Chancen der Aktienmärkte wahrnehmen können, wie es in angelsächsischen Ländern viel verbreiteter ist als bei uns. Nur so profitiere ich von innovativen Ideen und Pioniergeist, Wachstum und Produktivitätsfortschritten.

Wie funktioniert eine Geldanlage nach dem „Selbsthilfeprinzip“?

Carsten Vennemann: Aktienkultur und Investmentwissen sind in unserem Land leider noch ausbaufähig. „Selbsthilfe“ und eigene Fortbildung sind daher wichtige Elemente einer besseren Ausbildung der Bevölkerung in Finanzthemen. Social Media leistet dabei einen guten Dienst und liefert viele, nützliche Informationen. Plattformen ermöglichen nicht nur den Wissenstransfer, sondern auch einen Austausch von Gleichgesinnten. Dies steigert die Attraktivität der Geldanlage in Aktien für neue Anlegergruppen. Anlage nach dem „Selbsthilfeprinzip“? Wir empfehlen grundsätzlich, einen Experten hinzuziehen. Mit Hilfe eines professionellen Vermögensverwalters oder Beraters kann der Anleger sicher gehen, dass alle Besonderheiten einer Anlage beleuchtet werden. Die Auswahl von ETF oder ETF-Sparplänen erscheint auf den ersten Blick als simpel, jedoch berücksichtigt ein Berater auch die Erfahrung, die Risikotoleranz und die individuelle Situation des Anlegers. Selbsthilfe ist folglich ein guter Start, kann aber eine professionelle Beratung in der Regel nicht ersetzen.

Wie weit kann man das Geld mittels der Aktienfonds überhaupt richtig streuen?

Carsten Vennemann: Wenn Sie in globale Aktien investieren wollen und einen ETF auf den Index MSCI World kaufen, liegen diesem Index mehr als 1.500 Einzelunternehmen zugrunde. Das klingt erst einmal nach guter Streuung. Diese Einzelunternehmen kommen allerdings zu 2/3 aus den USA, sodass Sie als deutscher Anleger nicht nur ein „Klumpenrisiko USA“ haben, sondern als Euro-Anleger auch noch ein erhebliches Währungsrisiko. Kaufen Sie hingegen einen ETF auf den momentan boomenden Gesundheitssektor, erhalten Sie möglicherweise ein Produkt, indem einzelne Unternehmen u.U. ein Gewicht von 10% oder mehr haben. Geht da etwas schief, leidet der gesamte Fonds. Wichtig ist also, nicht nur in einen Fonds oder einen ETF zu investieren, sondern auch über Länder, Themen etc. hinweg zu diversifizieren, also mehrere Fonds miteinander zu kombinieren.

Wie riskant sind Anlagen in Werte oder Firmen aus China und Argentinien?

Carsten Vennemann: China und Argentinien gehören beide zu den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern. Dort enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Während China mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und Wachstumsraten zeigt, die ein Vielfaches der westlichen Welt ausmachen, ist Argentinien seit Jahrzehnten ein finanzwirtschaftlicher Problemfall. Für Kleinanleger sollten auch hier breite Fondsprodukte, wie z.B. ETF auf einen globalen Index der Emerging Markets im Vordergrund stehen, soweit man die Wachstumschancen dieser Länder nutzen will und sich der Risiken dieser Länder bewusst ist. Auch hier gilt: Höhere Renditechancen sind i.d.R. mit höherem Risiko verbunden.

Als Tipp für Anleger: Gibt es ein Erfolgsrezept, wie man gute Renditen erzielt?

Carsten Vennemann: Neben dem angesprochenen Prinzip der Diversifikation der Fonds und der Empfehlung, einen kompetenten Berater hinzuzuziehen, haben sich bei uns folgende Ideen manifestiert: Der Zeitpunkt für einen Einstieg in den Aktienmarkt ist selten optimal gewählt. Daher empfiehlt es sich, das für den Aktienmarkt vorgesehene Geld in mehrere Teilinvestments aufzuteilen und dann im Zeitablauf sukzessive zu investieren. Dadurch wird verhindert, mit der kompletten Anlagesumme zum Höchstkurs einzusteigen. Und noch eine Idee: Aktienkurse spiegeln u.a. die Gewinnerwartungen von Unternehmen wider. Fragen Sie sich regelmäßig, welche Produkte sie konsumieren, welches die Produkte oder Dienstleistungen der Zukunft sind oder welche Megatrends aktuell diskutiert werden. Und fragen Sie auch Ihre Kinder: Gerade im Bereich der IT/Technologie haben diese sicherlich einen Wissensvorsprung. Solche Ideen bieten in einem diversifizierten Fonds oft gute Renditechancen.

Wie findet man Ihrer Meinung nach die günstigsten und sichersten Aktienfonds?

Carsten Vennemann: Preis und Sicherheit sind nur zwei Kriterien der Auswahl. Grundsätzlich gilt das „magische Dreieck“ von Rendite, Risiko und Liquidität, auch bei der Fondsauswahl. Wer sich mit Aktienfonds oder ETF bereits gut auskennt, bekommt weitere Infos auf einschlägigen Webseiten wie z.B. justetf.com. Für alle anderen Anleger empfehlen wir, einen Vermögensverwalter oder Berater zu kontaktieren. Denn wir prüfen auch weitere Faktoren, wie beispielsweise Kosten, Struktur oder auch die Qualität der Abbildung des Index eines ETF. Für Kleinanleger ab € 15.000 bieten wir beispielsweise in Kooperation mit der V-Bank auf der Plattform „www.v-check.de“ eine ETF-basierte, digitale Vermögensverwaltung mit drei unterschiedlichen Strategien. Hier wird dem Anleger die Auswahl der ETF bereits abgenommen und gleichzeitig eine gut diversifizierte Strategie geboten.

Herr Vennemann, vielen Dank für das Gespräch!

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