Dr. Andreas Bley (Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken) – Sondereffekte führten zum Inflationsanstieg

Der Chefvolkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Dr. Andreas Bley gibt im Interview eine Einschätzung zu der Inflationserwartung in Deutschland.

Im Januar 2021 ist die Inflation von im Dezember 2020 noch 0,3% auf +1% gestiegen. Was hat es damit auf sich?

Dr. Andreas Bley, BVR


Andreas Bley: Der sprunghafte Anstieg der Inflation im Januar ist im Wesentlichen auf Sondereffekte zum Jahreswechsel zurückzuführen. Die befristete Mehrwertsteuersenkung lief aus, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 den Preisauftrieb gedämpft hatte. Zudem ist die CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme in Kraft getreten, die aufgrund der Weitergabe an die Verbraucher ebenfalls inflationstreibend wirkt.

Sachwerte, wie Gold oder Immobilien wurden stets als inflationssicher angepriesen – behalten Sachwert-Fans unter den aktuellen Entwicklungen recht?

Andreas Bley: Sachwerte können einen gewissen Schutz vor Inflation darstellen, da diese Anlagen einen Nutzwert besitzen, der unabhängig von der Preisentwicklung ist. So stellt selbstgenutztes Wohneigentum eine Absicherung gegenüber steigenden Mieten dar. Doch kommt es auch bei Sachwerten zu starken, schwer vorherzusehenden Preisschwankungen. Dies zeigt sich gerade auch bei Gold sehr deutlich. Insofern ist das Geld in Sachwerten nicht per se sicherer angelegt.


Finanz-Untergangspropheten warnen jetzt hinsichtlich einer „Hyperinflation“, wie in den 20er Jahren. Erwartet uns solch ein Szenario?  

Andreas Bley: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich erheblich von denen in den 1920er Jahren. Die Europäische Zentralbank würde als unabhängige Notenbank mit dem Ziel der Preisstabilität eine solche Entwicklung nicht zulassen. Eine Hyperinflation ist aus unserer Sicht nicht wahrscheinlich.

 
Wenn nach der Coronakrise ein neuer Konjunkturzyklus einsetzt, werden dann die Verbraucherpreise steigen?

Andreas Bley: Bei einer konjunkturellen Belebung dürfte die Inflation anziehen. Jedoch ist die Teuerung nicht sehr hoch. Im März 2021 lag der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Preisauftrieb im Euroraum jedoch bei lediglich 1,3 Prozent. Die Inflation liegt damit noch deutlich unter der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Rate von nahe, aber unter 2 Prozent für den Euroraum. Ein Anstieg der Teuerung in Richtung der 2 Prozent wäre eine gute Nachricht, dann könnte sich auch allmählich das Zinsumfeld für Anleger wieder verbessern.


Sollte in Deutschland die Inflation auf 3% hochgehen, wie manche Volkswirte erwarten? Was bedeutet das für Investoren in Deutschland?

Andreas Bley: In diesem Jahr dürfte die Inflation in Deutschland weiter anziehen. Für das Jahresende erwarten wir einen Preisauftrieb von etwa 3 Prozent. Im kommenden Jahr rechne ich dann wieder mit einer Normalisierung. Der Inflationsanstieg ist, wie gesagt, maßgeblich auf Sondereffekte zurückzuführen. Die Mehrwertsteuersenkung Mitte des letzten Jahres hat die Preise im vergangenen Jahr verringert, entsprechend erhöht sich der Preisanstieg in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Auch sind die Rohölpreise deutlich gestiegen. In den kommenden Jahren wird der Preisauftrieb wieder deutlich moderater ausfallen.

Was ist, Ihrer Meinung nach, ein guter Schutz gegen Inflation?

Andreas Bley: Inwieweit eine Absicherung gegen Veränderungen des Preisauftriebs sinnvoll ist, hängt maßgeblich von der individuellen Vermögenssituation sowie den jeweiligen finanziellen Zielen ab. Sinnvoll ist ein Gespräch mit der Bankberaterin oder dem Bankberater.

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Janke Gerhard sagt:

    Was mir auffällt ist, das bei der Betrachtung der zukünftigen Inflation, keiner die steigen Löhne und Gehälter bei den immer weniger werdenden qualifizierten Arbeitskräften berücksichtigt. Was halten Sie von dem Argument.

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