Frank A. Werner: Zukunft der Riester-Rente

Frank A. Werner ist Mitglied des Vorstands der Feuersozietät Berlin Brandenburg und der SAARLAND- Versicherungen sowie Verantwortlicher für das Lebensversicherungsgeschäft im Konzern Versicherungskammer.  Mit ihm sprechen wir über geförderte private Altersvorsorge, Riester-Rente sowie Zulagenverwaltung.

Frank A. Werner

Die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland ist teuer und hat eine nur geringe Rendite. Sehen Sie noch eine Zukunft für die Riester-Rente?

Frank A. Werner: Die Riester-Rente ist nicht unbedingt teurer als andere Produkte, wobei die Zulagenverwaltung natürlich eigene Kosten verursacht und die Rendite schmälert. So ist es mit dem niedrigen Garantiezins heute schwer, den noch gesetzlich vorgeschriebenen Beitragserhalt zu gewährleisten. Und während man sich bei anderen Produkten von den 100 % verabschiedet hat, dürfen wir das hier noch nicht.

Eine Änderung des Höchstrechnungszinses auf 0,25 % sollte daher zusammen mit der Anpassung der gesetzlichen Mindestanforderungen an Garantien auf maximal 80 % der Beiträge und Zulagen bei der Riester-Rente und der Beitragszusage mit Mindestleistung erfolgen. Dies ist essenziell, um für unsere Kund*innen weiterhin die besten Renditechancen zu ermöglichen. Auch eine Kostenreduzierung wäre möglich, wenn der Gesetzgeber das Zulagenverfahren vereinfacht.

Um unseren Kund*innen weiterhin innovative und chancenreiche Produkte anbieten zu können, arbeiten wir intensiv an unserem zukünftigen Produktangebot. Über die zukünftige Ausrichtung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt informieren, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen festgelegt und unsere Arbeiten abgeschlossen sind.

Darüber hinaus verweise ich auf das Statement des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom 01.04.2021 zu dieser Thematik.

(Quelle: https://www.gdv.de/de/themen/politische-positionen/stellungnahmen/hoechst- rechnungszins–absenkung-mit-riester-reform-verknuepfen-67078)

Viele Riester-Verträge sind laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales ruhend gestellt, es wird also nichts eingezahlt und auch der Staat zahlt in diesen Fällen nicht weiter.

Warum hören Menschen auf, in ihre Riester-Rente einzuzahlen?

Frank A. Werner: Die Riester-Rente ist ein Instrument der freiwilligen, marktwirtschaftlichen und dezentral organisierten Altersvorsorge. Die Kund*innen nutzen die Option der Beitragsfreistellung, wenn sie finanziell temporär nicht mehr in der Lage sind, die fälligen Beträge für die Riester-Rente zu zahlen. Grund hierfür kann zum Beispiel sein, dass sich ihre Lebenssituation geändert hat. Bei der Stilllegung bleibt das bereits angesparte Kapital zwar weiter gebunden, die Kund*innen haben dabei aber den Vorteil, dass ihnen die bereits erhaltene staatliche Förderung in vollem Umfang erhalten bleibt. In vielen Fällen ist eine einfache Wiederaufnahme der Beitragszahlung und damit die zukünftige Nutzung von Förderung bzw. Steuervorteilen nach Unterbrechungen möglich.

Der Garantiezins wird ab 2022 auf 0,25 % herabgesetzt, lohnt es sich dann überhaupt noch eine Riester-Versicherung abzuschließen?

Frank A. Werner: Auch dazu hat sich der GDV in seinem Statement klar geäußert. Lassen Sie mich zitieren: ‚Die singuläre Senkung des Höchstrechnungszinses bewirkt de-facto ein Verbot zum Angebot von Rentenversicherungen mit 100 % Beitragsgarantie zu Rentenbeginn.‘ Dem kann ich mich nur anschließen. Für die Bürger entsteht damit ab 2022 eine Angebotslücke bei der staatlich geförderten kapitalgedeckten Altersvorsorge. Die extremen Niedrigzinsen und die Stagnation der Verbreitung machen demnach eine tiefgreifende Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge dringend erforderlich.

Die Verbände der Versicherer, Fondsgesellschaften und Bausparkassen haben bereits im November 2019 in Berlin einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, der auf eine radikale Vereinfachung des Riester-Systems abzielt und dadurch eine höhere Verbreitung sowie höhere Renditen und niedrigere Kosten für die Sparer ermöglicht. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der Verband der privaten Bausparkassen (VDPB) und die LBS empfehlen u.a.

  • die Ausgestaltung von Standardprodukten ohne komplizierte Wahlmöglichkeiten, die einfach zu beraten sind und entsprechend kostengünstiger angeboten werden können;
  • eine attraktive und transparente Förderung, die für alle intuitiv verständlich ist: Jeder selbst gezahlte Euro wird mit mindestens 50 Cent gefördert;
  • eine Öffnung der geförderten privaten Altersvorsorge für alle – also auch für Selbstständige;
  • eine Lockerung der Bruttobeitragsgarantie, um die Ertragschancen für die Sparer zu erhöhen;
  • insgesamt vereinfachte Zulagenverfahren (erst prüfen, dann zahlen), um die rund 800.000 Zulagenrückforderungen pro Jahr über 90 % zu reduzieren.

Kann sich die Police trotz der hohen Kosten und der schwachen Ertragsentwicklung für manche Menschen dennoch lohnen?

Frank A. Werner: Ja, sie kann sich noch lohnen. Zum einen bekommen die Verträge eine Überschussbeteiligung und zum anderen wird ein Teil in Fonds investiert. Und je positiver sich diese entwickeln, desto höher ist die Chance auf eine gute Rendite. Wobei es natürlich so ist, je früher man einsteigt, umso besser.

Das Modell Lebensversicherung überzeugt im Systemwettbewerb mit ihren einzigartigen Stärken in den Kerngeschäftsfeldern: Vermögensaufbau/-übertrag, Altersvorsorge und Absicherung biometrischer Risiken.

Alleinstellungsmerkmale der Lebensversicherung sind lebenslange Rentenzahlungen und Garantie der zugesagten Leistung. Der Kern der Lebensversicherung sollte allerdings nicht

auf eine dauerhaft gleichbleibend hohe Garantie reduziert werden, vielmehr entstehen wesentliche Vorteile für unsere Kunden aus dem Prinzip des Risikoausgleichs im Kollektiv und über die Zeit, das all diese Produkte prägt.

Gerade in Zeiten der Bevölkerungsalterung und sich abzeichnender Überforderung der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung wird die ergänzende, eigenverantwortliche, kapitalgedeckte Altersvorsorge mehr denn je gebraucht. Dabei sollten wir auch weiterhin auf das „Riester“-Konzept setzen, das bei den Menschen ankommt: Rund 16,5 Millionen Riester-Sparer erschließen sich mit staatlicher Förderung eine zusätzliche, kapitalgedeckte Vorsorge. Die Riester-Rente ist damit die erfolgreichste freiwillige, private Altersvorsorge der Welt.

Geht es nach der SPD wird die Riester-Rente von einer Erwerbstätigenversicherung ab- gelöst. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Frank A. Werner: Aktuell sind im Vorfeld der Bundestagswahlen Ende September unter- schiedliche Vorschläge in der Diskussion. Wir werden zu gegebener Zeit den Prozess möglicher Koalitionsverhandlungen begleiten und über den GDV unsere Vorschläge einer Reform einbringen.

Herr Werner, vielen Dank für das Gespräch!

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