Kevin Hollmann: Schutz vor Naturkatastrophen

Kevin Hollmann ist Maklerbetreuer bei NV-Versicherungen VVaG. Mit ihm sprechen wir über eine Elementarschadenversicherung, Übernahme der Kosten sowie Ratschläge bei einem Schadensfall.

Das Unwetter und das daraus resultierende Hochwasser kostet Versicherungen Milliarden. Ungewöhnlich starke Niederschläge kommen in Deutschland heute doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Welche Versicherungen zahlen bei Naturkatastrophen wie Hochwasser?

Kevin Hollmann: Um sich in finanzieller Hinsicht bestmöglich gegen solche Naturkatastrophen schützen zu können, empfiehlt sich der Abschluss einer Elementarschadenversicherung. Diese kann sowohl für das Wohngebäude als auch für den darin befindlichen Hausrat abgeschlossen werden. Bei Abschluss dieser Versicherung leistet der Versicherer Entschädigung für versicherte Sachen, die durch Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen, Vulkanausbruch zerstört oder beschädigt werden oder abhandenkommen.

Kevin Hollmann

Welche Versicherung zahlt überhaupt welchen Schaden? Gibt es da Unterschiede, die z.B. ein Hausbesitzer kennen muss?

Kevin Hollmann: Grundsätzlich ist zwischen der Wohngebäude- und Hausratversicherung zu unterscheiden. Während in der Wohngebäudeversicherung das Gebäude sowie alle fest verbauten Teile versichert sind, gelten bewegliche Sachen, die sich zum Ge- und Verbrauch in einer Wohnung befinden, im Rahmen der Hausratversicherung als mitversichert.

In welche schwierige finanzielle Position werden Versicherungen gebracht? Können sich Versicherungen von hohen Ausgaben erholen, oder gibt es auch Konkurse und Zahlungsunfähigkeit in der Branche?

Kevin Hollmann: Eine Versicherung funktioniert durch den Risikoausgleich im Kollektiv. Die Versichertengemeinschaft zahlt Ihre Prämien in die Kapitalsammelstelle des Versicherers ein, um beim Eintreten eines entsprechenden Schadens, aus dieser Kapitalsammelstelle einen Schadenausgleich zu erhalten.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Zahlungsfähigkeit in der Branche gewährleistet ist. Es sind Jahr für Jahr entsprechende versicherungstechnische Rückstellungen von den Versicherungsunternehmen zu bilden. Zudem ist der Versicherer selbst bei einem Rückversicherer versichert. Somit können sehr große Risiken durch Verteilung auf viele Versicherer tragbar gemacht werden.

Zusätzlich werden Versicherungsunternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beaufsichtigt, deren Hauptziel es ist, ein funktionsfähiges, stabiles Finanzsystem zu gewährleisten.

Was müssen Betroffene bei einem Schadensfall tun? Müssen diese selbst versuchen einen Schaden zu reparieren?

Kevin Hollmann: Von einem Schadenfall betroffene Versicherungsnehmer müssen lediglich den Schaden bei ihrem Versicherer anzeigen. Dieser wird sich dann mit dem Kunden in Verbindung setzen und weitere Unterlagen anfordern oder bei einem höheren Schadensausmaß einen Sachverständigen zur Ermittlung der Schadenhöhe beauftragen. Die Kosten des Sachverständigers werden dabei von dem Versicherer übernommen.

Welche Pflichten der Versicherungsnehmer gibt es? Was müssen sie tun, damit die Versicherung greift?

Kevin Hollmann: Im Rahmen der Hausratversicherung hat der Versicherungsnehmer die Pflicht, die Wohnung in der kalten Jahreszeit zu beheizen und dies entsprechend zu kontrollieren sowie wasserführende Anlagen und Einrichtungen abzusperren, zu entleeren und entleert zu halten. Die selbigen Ausführungen sind ebenfalls Pflicht im Rahmen der Wohngebäudeversicherung. Ferner sollte das versicherte Objekt vom Versicherungsnehmer in einem ordnungsgemäßen Zustand gehalten werden. Zur Vermeidung von Überschwemmungs- bzw. Rückstauschäden bei rückstaugefährdeten Räumen sind Rückstausicherungen funktionsbereit zu halten und Abflussleitungen auf dem Versicherungsgrundstück freizuhalten.

Besteht die Gefahr, dass der Versicherungsschutz erlischt, wenn Betroffene falsche Angaben gemacht haben oder Vertragsinhalte falsch verstanden und somit anders ausgelegt haben?

Kevin Hollmann: Wenn der Versicherungsnehmer falsche Angaben macht und somit die vertraglich vereinbarten Obliegenheiten verletzt, ist der Versicherer zur Kündigung berechtigt oder auch ganz oder teilweise leistungsfrei im Schadenfall. Falls Vertragsinhalte falsch verstanden oder aus der Sicht des Versicherungsnehmers anders ausgelegt wurden, muss sich der Kunde für sein grob fahrlässiges Handeln verantworten. In einer Vielzahl von Versicherungsprodukten gilt die grobe Fahrlässigkeit allerdings als mitversichert, sodass der Kunde auch in solchen Fällen eine Entschädigungsleistung erwarten kann.

Herr Hollmann, vielen Dank für das Gespräch!

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