Maik Sammer: Lange Sparpläne für Kinder lohnen sich

Maik Sammer ist Geschäftsführer der SCP GmbH in Hamburg. Mit ihm sprechen wir über festverzinsliche Wertpapiere, Depots für Kinder sowie Kapitalerträge.

Besonders für junge Menschen heißt es, sich frühzeitig um Geldanlagen und die Altersvorsorge zu kümmern. Welche Möglichkeiten gibt es für Minderjährige und wie unterscheiden sich Kinderdepots von klassischen Depots?

Maik Sammer: Es gibt für Kinder sowohl Möglichkeiten des Zinssparens als auch der Anlage an den Kapitalmärkten. Da sich normale Zinssparpläne der Banken und Versicherungen aktuell nicht rentieren (Ausnahme Aktionen für Kinder zum Weltspartag), sollte eher eine Anlage an den Kapitalmärkten erfolgen. Dort stehen Anlagen in diversen Formen sowohl in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere etc. direkt oder zum Beispiel über Fonds zur Verfügung.

Die Depots für Kinder werden, so wie viele klassische Onlinedepots, kostenfrei geführt. Unterscheiden tun sich die einzelnen Depotbanken bei der Anlage und Risikoklassifizierung, diese wird durch die Eltern vorgegeben oder auch direkt veranlasst je nach individuellen Wünschen der Eltern.

Warum ist ein „Depot für Junioren“ für den Nachwuchs sinnvoll?

Maik Sammer: Aktienindizes wie der MSCI World brachten in der Vergangenheit durchschnittlich jährlich Renditen von sechs Prozent. Es gibt keine Garantie, dass sich diese Entwicklung so fortsetzt. Bei langen Sparplänen für Kinder von zehn und mehr Jahren ist eine vergleichbare Rendite aber sehr wahrscheinlich. In Zeiten niedriger Zinsen somit alternativlos.

Wie oder mit welchen Strategien legt man am besten Geld für den Nachwuchs an und auf welche steuerlichen und rechtlichen Gesichtspunkte muss geachtet werden?

Maik Sammer: Es bringt steuerliche Vorteile, wenn Sie die Kapitalanlage auf den Namen des Kindes abschließen. Sie können so innerhalb der Familie Kapitalerträge auf mehrere Personen verteilen: Normalerweise kann jedes Kind (und jeder Erwachsene) einen Steuerfrei­betrag von 801 Euro im Jahr nutzen. Auf diesen Betrag fallen dann pro Person keine Steuern an. Eine vierköpfige Familie schafft sich so einen Sparerpauschbetrag von insgesamt 3.204 Euro. Strategisch muss eine Entscheidung gefällt werden ob das Geld den Kindern zufließt und steuerlich angerechnet wird oder ob es in der Hoheit der Eltern bleibt. Vor allem bei Patchworkfamilien ist dies durch unterschiedliche Erziehungsberechtigte und Zugriffsrechte immer ein wichtiges Thema.

Werden auch bei Kindern Kapitalerträge auf Zugewinne bei Geldanlagen fällig?

Maik Sammer: Die Kapitalanlage auf den Namen des Kindes abzuschließen, bringt zu Punkt 3 einen weiteren Steuervorteil: Erträge auf Sparkonten und Kinderdepots bleiben zusätzlich bis zur Höhe des steuerlichen Grundfreibetrages und der Sonder­ausgaben­pau­schale steuerfrei. Mit einer sogenannten NV-Bescheinigung vom Finanzamt können Sie die steuerfreie Einkommensgrenze sicherstellen. Damit spart man sich bei höheren Erträgen dies zu viel gezahlten Steuern über eine jährliche Steuererklärung zurückzuholen. Allerdings spielt dies erst bei steuerpflichtigen Erträgen von mehr als 801 Euro eine Rolle.

Was gilt es zu beachten?

Maik Sammer: Ein Konto oder Depot auf den Namen des Kindes kann im Normalfall nicht mehr für Notfälle der Eltern eingesetzt werden. Denn das Geld gehört dem Kind. Anlagen auf den Namen des Kindes abzuschließen bedeutet, dass Eltern die Anlage für das Kind bis zur Volljährigkeit verwalten, das Geld rechtlich aber ausschließlich dem Kind gehört.

Mit dem 18. Geburtstag kann das Kind mit dem Geld machen, was es will.

Welche Angebote gibt es denn, damit langfristig eine gute Rendite entsteht?

Maik Sammer: Strategisch sollte man für ein Kind sowohl ein Girokonto ggf. mit Tagesgeldkonto für das normale Sparen als auch ein Depot für die langfristige Geldanlage eröffnen. Vor allem Fonds bieten sich zur Anlage aufgrund der Verteilung auf verschiedene Regionen und Branchen an. Dadurch kann man dem Risiko einer Einzelanlage mit starken Schwankungen entgegenwirken. Wie eine Verteilung der Geldanlage in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Immobilien, Edelmetalle etc. erfolgt, ist immer eine individuelle Frage, welche nur durch spezifische Fragestellungen an die Eltern durch einen Berater erfolgen kann. Eine der wichtigsten Fragen dabei ist: „Wie stark dürfen Kursschwankungen innerhalb des Depots erfolgen, damit Sie nachts noch ruhig schlafen können?“. Grundsätzlich ist ein hoher Aktienfondsanteil bei einer Anlage für mehr als 10 Jahre naheliegend, doch muss dies immer zum Anlegertyp passen. Zu empfehlen sind regelmäßige Sparpläne, um sowohl von steigenden als auch fallenden Kursen langfristig zu profitieren. Für die konkrete Zusammenstellung sollte immer ein guter bankunabhängiger Berater hinzugezogen werden.

Herr Sammer, vielen Dank für das Gespräch!

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