Martin Scharf: Die persönliche Situation des Kunden muss stets berücksichtigt werden

Martin Scharf ist Geschäftsführer der MS FinanzKonzepte GmbH. Mit ihm sprechen wir im Interview über Versicherungsmäntel, den Traum vom Eigenheim sowie ETF.

Das Vermögen der Deutschen wächst Jahr für Jahr. Niedrige Zinsen haben das sichere Investieren aber nicht einfacher gemacht. Ist es überhaupt möglich mit Sparbüchern, Tageskonten und ähnlichen Produkten zumindest die Inflation zu schlagen?

Martin Scharf: Die Antwort ist hier sehr einfach, nein. Aufgrund des Niedrigzinsumfelds sind nur geringe Renditen zu erzielen, diese liegen unter der Inflation. Wenn also ein Anleger die Inflation schlagen möchte, muss er zwangsläufig, je nach Renditevorstellungen, ein Risiko eingehen.

Wie viel Geld sollte in liquiden Mitteln verfügbar gehalten werden?

Martin Scharf: Eine Pauschale Aussage zu treffen fällt mir hier schwer, es kommt immer auf die Situation des Kunden an und ob es sich um eine Privatperson oder eine Firma handelt. Grundsätzlich kann man bei Privatpersonen sagen so ca. 3-6 Monatseinkommen sollten kurzfristig verfügbar sein, was bei Firmenkunden natürlich anders aussieht. Hier muss jede Firma eine Liquiditätsplanung haben, die man in die Beratung einbezieht.

Experten sind sich einig: an Aktien führt kaum ein Weg vorbei. Welche grundlegenden Regeln sollten Investoren an der Börse beachten?

Martin Scharf: Es gilt immer: Zeit, Diversifikation des Portfolios und eine auf den Kunden abgestimmte Beratung sind unverzichtbar, um weiter ruhig schlafen zu können. Der Anlagehorizont sollte mindestens 5 eher 10 Jahre betragen, um Krisen, die wir hatten und haben werden, aussitzen zu können.

ETF gelten als einfaches und kostengünstiges Mittel, um breit gestreut an der Börse zu investieren. Worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden?

Martin Scharf: Das kommt darauf an, welche Ziele der Kunde hat, wie lange er investieren möchte und wie viel Risiko er ertragen und aussitzen kann. Wichtig ist auch hier die Diversifikation seiner gesamten Anlagen, um das Risiko breit zu streuen.

Die wenigsten Fondsmanager schlagen den Markt. Lohnt es sich trotzdem sich mit dem Thema aktive Fonds zu beschäftigen?

Martin Scharf: Grundsätzlich macht es immer Sinn Augen und Ohren offen zu halten, aber die Frage gibt ja schon fast die Antwort. Dazu kommt der Faktor Kosten innerhalb der Fonds, wo ETFs deutlich günstiger abschließen. Jeder Kostenfaktor nimmt dem Investor Rendite. Ein klares Nein gegen aktive Fonds, möchte ich dennoch nicht einfach in den Raum stellen.

Welche Vor- und Nachteile haben Versicherungsmäntel?

Martin Scharf: Als Nachteile einer Police werden oft die Kosten genannt, die durch den Versicherungsmantel entstehen. Allerdings gibt es Anbieter, die sehr geringe Kosten haben und durch die Rückführung des Kickbacks fast kostenneutral sind. Vorteile sind, dass man genau so flexibel ist wie in einem Depot, aus vielen Fonds wählen und Switchen kann. Dazu kommt das steuerliche Thema, wo sich die Vorteile des Versicherungsmantels, je nach Laufzeit und End Alter, deutlich bemerkbar machen können.

Viele Menschen träumen vom Eigenheim. Ist die selbstgenutzte Immobilie eine gute Investition?

Martin Scharf: Diese Frage kann man nur in einer ausführlichen Beratung beantworten, da die gesamte finanzielle Situation eine sehr große Rolle spielt. Prolongation oder z.B. Reparaturen müssen zwingend in die Beratung einbezogen werden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der Wunsch ist verständlich und macht auch durchaus Sinn, nur leider passt er nicht zu jedem Kunden.

Auch Edelmetalle erfreuen sich großer Beliebtheit bei Anlegern. Was macht Gold, Silber und Co. so attraktiv? Was sind die Nachteile?

Martin Scharf: Edelmetalle sind generell ein interessantes Thema und gehören, meiner Meinung nach, zur Absicherung in jedes Portfolio. In welcher Form, Physisch oder über Sparpläne, darüber kann man streiten. Ich vertraue da nur auf das, was ich anfassen kann und wichtig ist dabei der Punkt der Einlagerung. Attraktiv macht die Edelmetalle, dass sie von eh und je Ihren Wert hatten im Gegensatz zu Währungen. Nachteil ist der Spread, der teilweise erheblich ist und somit die Kursgewinne schmälert und z.B. die Lagerung von physischen Edelmetallen. Wobei, ich würde es eher als kleinen Nachteil sehen.

Was halten Sie von alternativen Sachwertinvestments in Form von Nachrangdarlehen, KG-Beteiligungen oder Genussrechten?

Martin Scharf: Investitionen in Beteiligungen dieser Art, sind bei Insolvenz des Unternehmens verloren. Klare Aussage und klar definiertes Risiko. Wenn man diese Produkte berät, sollte es dem Investor genauso dargelegt werden (hier bin ich nicht als Berater tätig).

Bei allen Fragen muss die persönliche Situation des Kunden berücksichtigt werden. Ich weise darauf hin, dass die Beantwortung der Fragen, keine Beratung und/oder Aufforderung zum Kauf darstellen.

Herr Scharf, vielen Dank für das Gespräch!

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