Michael Hater: Immer weniger Beitragszahler müssen für immer mehr Rentner aufkommen

Michael Hater ist Geschäftsführer der Beratungslounge Essen – Service der WWS GmbH. Mit ihm sprechen wir über eigenständige Altersvorsorge, Vermögensaufbau sowie höhere Beiträge im Alter.

Die Idee der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige ist nicht neu. Was halten Sie davon?

Michael Hater: Generell ist die Idee der eigenständigen Altersvorsorge eine gute und wichtige Idee. Wir halten es jedoch für falsch, hier eine Pflicht einzubauen, die wieder nur bestimmte, dafür lizensierte Produkte vorsieht. An der Riester-Rente sehen wir nun, wie sowas nach hinten losgehen kann, wenn zu viel vermeintliche Sicherheit den Produktgebern vorgegeben wird. In Zeiten der Niedrigzinsepoche kann solche Produkte keiner mehr garantieren. Viel besser wäre es bereits in der Schule, die Jugend über die Wichtigkeit der eigenen Altersvorsorge aufzuklären und darüber zu informieren, dass unternehmerisches Kapital in Form von Aktien, Aktienfonds und Private Equity langfristig kein Teufelszeug ist, sondern sich sehr gut zum Aufbau einer eigenen Altersvorsorge eignet. Jeder lernt in der Schule den Zinseszinseffekt. Was das aber langfristig auch für den eigenen Vermögensaufbau heißen kann, wissen leider immer noch die wenigsten.

Selbstständige bezahlen deutlich höhere Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung als Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen. Woran liegt das?

Michael Hater: Im Wesentlichen liegt dies daran, dass Selbständige oder auch GmbH-Geschäftsführer in der Regel nicht nur den Arbeitnehmeranteil zahlen müssen, sondern auch den Arbeitgeberanteil. Somit zahlt man als Selbständiger schnell schon mal 500 oder 600 Euro für die Kranken- und Pflege-Versicherungen. Deutlich höheren Beiträgen im Alter kann man oftmals durch Tarifbausteine zur Beitragsstabilität oder höheren Selbstbehalten begegnen.

Wenn die Altersvorsorgepflicht auch auf Selbstständige ausgeweitet wird: Was bedeutet das für Solo-Selbstständige?

Michael Hater: Viele Solo-Selbständige wird dies vor eine nicht lösbare Aufgabe stellen, kommen sie doch aktuell gerade mal so über die Runden. Die Frage ist ja auch: Was wird als Altersvorsorge anerkannt? Zählt das Fondsdepot, die Private Equity Beteiligung oder auch die eigene Immobilie, die man jeden Monat abbezahlt, auch dazu? Oder wird hier einigen Produktanbietern nur wieder ein neues Umsatzvehikel an die Hand gegeben, um die Lücken der Riester-Anträge zu stopfen?

Wie soll die Altersvorsorgepflicht ausgestaltet, wie vorgesorgt werden?

Michael Hater: Immens wichtig wird es hier sein, die Vielzahl an Möglichkeiten zu berücksichtigen, mit denen Selbstständige auch schon heute Altersvorsorge betreiben. Wie schon eingangs erwähnt, halte ich es für wesentlich besser, die Bevölkerung auch schon frühzeitig über passende Produkte zur Altersvorsorge aufzuklären und dann eher von steuerlicher Seite Anreize für den eigenen Vermögensaufbau zu schaffen. So könnte die Spekulationsfrist für Kapitalanlagen z.B. wiederbelebt werden. Wenn man Anlagen länger als 5 Jahre hält, könnten die Gewinne wieder steuerfrei sein. Bis 2009 gab es hier noch eine einjährige Spekulationsfrist, innerhalb derer Kursgewinne zu versteuern waren. So etwas schafft eher Anreize für den langfristigen Vermögensaufbau anstelle von verpflichtenden Angeboten. Wenn ein Spektrum festgelegt werden sollte, dann sollte in jedem Fall das Immobilieninvestment, der Aktienfondssparplan oder auch eine Private Equity Beteiligung mit im Produktportfolio sein.

Was wären die Alternativen dazu? Ein gemeinsamer Rententopf für Angestellte und Selbständige?

Michael Hater: Ein gemeinsamer Rententopf kann in meinen Augen ebenso wenig eine Lösung sein wie jedes andere Modell einer umlagefinanzierten Lösung. In vielen westlichen Ländern sieht die Bevölkerungspyramide nicht mehr wie eine Pyramide aus. Die Bevölkerung wird immer älter und es müssen immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen. Das kann langfristig nicht gut gehen. Dem Staat bleiben nur drei Möglichkeiten: Entweder man erhöht das Renteneintrittsalter (was ja derzeit wieder in der Diskussion ist), man erhöht die Beiträge zur Rentenversicherung oder man senkt die Renten. Letzteres wird in meinen Augen nicht passieren. Bleiben die Varianten 1 und 2, die alle 7 Jahre spätestens wieder zur Diskussion kommen. Jedem/r unter 50-jährigen muss heute klar sein, dass die gesetzliche Rente bei weitem nicht mehr ausreichen wird, um später den Lebensunterhalt zu decken. Umso wichtiger ist es, früh mit dem eigenen Vermögensaufbau anzufangen. Berufseinsteigern könnten schon vernünftig investierte 50 Euro monatlich reichen, um bis zur Rente ein Zusatzvermögen von 250.000 Euro zu erreichen. In meinen Augen bleibt also eine Grundrente für alle, frühe finanzielle Bildung und eine eigene Altersvorsorge, die staatlich unterstützt werden sollte (z.B. die erwähnte Steuerfreiheit der Gewinne nach einem längeren Investitionszeitraum).

Herr Hater, vielen Dank für das Gespräch!

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